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Mercedes ESF 2009: Aufblasbare Metallstrukturen und bremsende Airbags
C. Brinkmann, 13.06.2009
2009 ist das Jahr der Sicherheitsjubiläen bei Mercedes-Benz: Im August 1939 nahm Sicherheitspionier Béla Barényi seine Arbeit in Sindelfingen auf und erfand unter anderem das Prinzip der Knautschzone, das 1959 bei Mercedes-Benz als bahnbrechende Innovation in Serie ging. Mit Hilfe der firmeneigenen Unfallforschung, die 1969 gegründet wurde, entwickelte Mercedes in den Folgejahren zahlreiche Meilensteine der Pkw-Sicherheit. Zeit für einen Blick hinter die Kulissen: Im Jubiläumsjahr 2009 verrät Mercedes-Benz anhand des Forschungsfahrzeugs ESF 2009, woran die Sicherheitsexperten momentan forschen und konkret arbeiten - mit einem Zeithorizont, der oft viele Jahre in die Zukunft weist.
Das ESF 2009 ist das erste Experimental-Sicherheits-Fahrzeug (ESF) von Mercedes-Benz seit 1974. Wie seine historischen Vorgänger fasst es wegweisende Innovationen auf dem Gebiet der Sicherheit anschaulich zusammen und macht den Fortschritt so erlebbar. Zu den verblüffenden, aber keineswegs verrückten Ideen zählen unter anderem aufblasbare Metallstrukturen, die Strukturbauteilen in Sekundenbruchteilen mehr Stabilität geben, sowie der sogenannte „Braking Bag“. Dieser im Fahrzeugboden untergebrachte Airbag entfaltet sich kurz vor einer als sicher prognostizierten Kollision und stützt das Fahrzeug über einen Reibbelag gegen die Fahrbahn ab.
Entwickelt und realisiert wurde das ESF 2009 komplett in der Versuchsfahrzeug-Werkstatt in Sindelfingen. Das Sicherheits-Experimental-Fahrzeug auf Basis eines Mercedes S 400 Hybrid zeigt über ein Dutzend Sicherheitsinnovationen, von denen die meisten in einem Demonstrationsmodus funktionsfähig sind. Die innovativen Highlights des ESF 2009 möchten wir nun vorstellen - auch den Airbag und ABS stellte Mercedes-Benz damals erstmals in einem Experimental-Sicherheits-Fahrzeug vor.
Pre-Safe Structure: Aufblasbare Metallstrukturen
Diese aufblasbaren Metallstrukturen sparen Gewicht oder erhöhen die Stabilität von Strukturbauteilen. Im Ruhezustand ist das Metallprofil platzsparend gefaltet. Wird seine schützende Wirkung benötigt, sorgt ein Gasgenerator in Sekundenbruchteilen für einen Innendruck von 10 bis 20 bar, das Profil wird entfaltet und erhält deutlich mehr Stabilität.
Die Vorteile liegen auf der Hand und betreffen Packaging und Gewicht: Im immer knapper werdenden Bauraum eines Automobils lassen sich stabilere Strukturen unterbringen oder man kann bei gleicher Stabilität das Gewicht deutlich senken. Am Beispiel der Seitenaufprall-Träger in den Türen einer S-Klasse errechneten die Forscher, dass rund 500 Gramm weniger Gewicht pro Tür möglich wären.
Eines der noch ungelösten Probleme der neuartigen Träger: Ihre aktive Verformung ist nicht reversibel. Eine weitere Hürde stellen die derzeit noch nicht wettbewerbsfähigen Kosten für die benötigten Gasgeneratoren im Verhältnis zu den Kostenvorgaben für die Einsparung von Gewicht dar. Noch sind die crashaktiven Metallstrukturen Zukunftsmusik - aber dies waren heute serienmäßige Sicherheitsfeatures, wie zum Beispiel Airbag, ABS oder ESP einst auch.
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