H3: Der Hummer mit Manieren
Ein Hummer, egal welcher Baureihe er angehört, ist ein Exot auf deutschen Straßen. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die das automobile Riesenbaby erregt. Beim H3, dem Nachzügler der amerikanischen …
Der Cadillac CTS bricht mit Konventionen und räumt mit fast allen Vorurteilen über amerikanische Autos auf.
Es gibt sie also doch noch: Die Automarken, die ihren eigenen Weg gehen, sich nicht am allgemeinen Geschmack orientieren und gerade deshalb so sympathisch sind. Eine dieser Marken ist Cadillac. Geigercars.de hat Motorvision das neueste Modell der General Motors-Tochter für eine Probefahrt überlassen - und damit für viele Überraschungsmomente gesorgt.
Cadillac CTS - ein Ami also. Über die Erzeugnisse aus Michigan existieren hierzulande ja fest(gefahren)e Vorstellungen. Zu groß, zu schwer, zu durstig, zu träge und qualitativ bestimmt nicht auf europäischem Niveau - so die Vorurteile. Doch schon der erste Kontakt öffnet das Herz für den Caddy: Da steht kein aalglattes, rundgelutschtes, in unzähligen Marktforschungs-Kampagnen an den Massengeschmack angepasstes Auto, sondern eine Limousine der oberen Mittelklasse, die ganz bewusst polarisiert. Das CTS-Blechkleid präsentiert so scharfe Ecken und Kanten, dass es scheint, als seien sie mit einem Schwert modelliert worden. Aufrecht stehende Scheinwerfer und Rückleuchten hat die Konkurrenz ebenso wenig zu bieten wie eine so ausgeprägte Schulterlinie, die das Licht bricht und die Karosserie in ein helles oberes und dunkles unteres Segment teilt. In den gewölbten Radhäusern glänzen 18-Zoll-Alufelgen um die Wette.
Schicker Blender - der Innenraum
Schicke Schale - und der Kern? Man steigt ein und erwartet eine mausgraue Plastiklandschaft - und wird aufs Neue positiv überrascht. Die zweifarbige Lederausstattung soll dem Vernehmen nach zwar nicht echt sein, sieht aber sehr echt aus. So, who the f... cares? In Metall eingefasste Instrumente, Regler und Lüftungsdüsen sowie das kleine, perfekt in der Hand liegende Lenkrad zeugen ebenso vom guten Geschmack der CTS-Designer. Geschenkt, dass der Kofferraum nur 385 Liter fasst - wer transportieren will, soll Mercedes E-Klasse fahren. Viel wichtiger ist da, dass im Passagierabteil Ergonomie und Raumgefühl stimmen.
Der Cadillac ist also fast schon zum Kumpel geworden. Doch nicht so voreilig, noch sind wir keinen Meter gefahren. Erinnerungen werden wach an gemächlich dahin wippende Straßenkreuzer oder das ein oder andere Schweißbad, da man die Bremsen über- und die Massenträgheit der massiven Stahlkarosserie unterschätzt hat. Schließlich ist auch der Cadillac mit 4,87 Metern Außenlänge und knapp 1,9 Tonnen Lebendgewicht eher ein stämmiger Football-Spieler als graziler Eiskunstläufer. Doch schon auf den ersten Metern in der City kann der CTS überzeugen: Die Lenkung agiert zwar recht straff, dafür aber durchaus direkt. Eine Kombination, die Kurvenspaß verspricht - und dies auch hält.
Zackig statt zögernd
Es zeigt sich einmal mehr, dass der Satz ,,abgestimmt auf der Nürburgring-Nordschleife" auch als Qualitätssiegel zu verstehen ist. Dass angesichts dieser Teststrecke kein sänftengleicher Federungskomfort zu erwarten ist, versteht sich von selbst. Unangenehm wird es jedoch nie, und die fahrdynamischen Qualitäten des CTS wiegt dieses Manko mehr als auf. Bissig steht der Caddy auf der Bremse, setzt er ohne Verzögerung die Lenkbefehle des Fahrers um, macht dank des straff abgestimmten Fahrwerks und der serienmäßigen Stabilitätskontrolle bei flotter Gangart keine Zicken. Früh kann man aufs Gas, der Allradantrieb zieht die Fuhre ohne Traktionsverlust aus der Kurve. Da auch der V6-Direkteinspritzer spontan anspricht, schon im Drehzahlkeller genug Drehmoment zur Verfügung stellt und ihm auch obenrum nicht die Puste ausgeht, bietet sich dem ambitionierten Fahrer mit dem CLS ein sehr stimmiges Paket. Zumal die Automatik mit schneller, aber sogleich sanften und keineswegs hektischen Schaltvorgängen zu überzeugen weiß.
Schnell - fast zu schnell - geht der Tag im Cadillac CTS zu Ende. Zeit für ein Fazit. Der kantige Ami hat das Zeug, frischen Wind in die obere Mittelklasse zu bringen. Er orientiert sich an europäischen Werten, ohne es jedem Recht machen zu wollen und beweist damit Charakterstärke. Wenn das doch nur auf ein paar mehr Amis zutreffen würde...
Technische Daten:
Leistung: 229 kW (311 PS) / 6.700 U/min
Max. Drehmoment: 374 Nm / 5.200 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h: 6,3 s
Durchschnittsverbrauch: 11,6 l / 100 km
CO2-Emission: 275 g/km
Grundpreis (Allradversion): 49.090 Euro
Kontakt: www.geigercars.de
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