Für Autos wie den Nissan Tiida ist man nicht sofort Feuer und Flamme. Autos wie der Nissan Tiida müssen sich die Zuneigung hart erarbeiten. Doch genaueres Hinsehen lohnt sich, wie der Fahrbericht der 1,8-Liter-Version zeigt.
Neu in Deutschland, anderswo ein alter Hut: In seiner Heimat gibt es den Nissan Tiida schon seit 2002, auch in den USA und in Osteuropa hat der Kompakte aus Nippon viele Freunde gefunden. Er ist sogar so erfolgreich, dass er – global gesehen – Nissans volumenstärkstes Modell ist. Eine Karriere in Westeuropa war eigentlich gar nicht geplant, schließlich wollte der angeschlagene Konzern mit pfiffigen Crossover-Modellen wie dem Qashqai oder dem kleineren Note sein Biedermann-Image aufpolieren. Doch da hat den Japanern die eigene, eher konservative Kundschaft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die verlangte vehement nach einem Kompakten klassischer Machart. Nun gibt es ihn also auch in Deutschland, den Tiida.
Eine graue Maus mehr
Schade, dass das Design in punkto Kreativität nicht mit dem Namen (immerhin geht dieser leichter über die Lippen als beim stylischen Qashqai) mithalten kann. Anders ausgedrückt: Die Kompaktklasse ist um eine graue Maus reicher, im alltäglichen Straßenbild wird der Japaner allzu häufig übersehen. Dafür reibt man sich beim Blick auf die Motorenpalette verwundert die Augen: Ein ebenso wirtschaftlicher wie kräftiger Dieselmotor fehlt im Tiida-Antriebsportfolio und ist auch nicht geplant. Eine Strategie, die in der Dieselnation Deutschland schon andere japanische Hersteller bitter mit schlechten Verkaufszahlen bezahlen mussten.
Stattdessen stehen zwei Benziner zur Wahl, einer mit 1,6- (110 PS) und einer mit 1,8 Litern Hubraum. Mit eben diesem 126 PS starken Triebwerk ist unser Testwagen ausgestattet. Doch der Vierzylinder hat einen durchwachsenen Eindruck hinterlassen. Zwar zieht er die Fuhre dank des kurz gestuften und knackig zu bedienenden Sechsgang-Getriebes willig aus dem Drehzahlkeller, wirkt dafür aber obenrum recht zäh. Zudem ist der Motor kein Kostverächter: 8,6 Liter sind angesichts der eher durchschnittlichen Performance kein Ruhmesblatt.
Da weiß das Fahrwerk des Japaners mehr zu überzeugen. Straff, aber nicht unkomfortabel gefedert, bietet der Tiida genug Sicherheitsreserven und macht auch bei flotter Fahrweise Laune. Die erstaunlich direkte - wenn auch etwas zu gefühllose - Lenkung fördert den Kurvenspaß zusätzlich.
Auffällig unauffällig: Der Innenraum
Viel Freude kommt beim Blick in den Innenraum nicht gerade auf, denn hier führt sich das "Wir vermeiden alles Auffällige"-Design der Außenhaut fort. Der Bedienung kommt dies jedoch zugute, alles befindet sich an dem Platz, an dem es auch hingehört. Apropos Platz: Über Enge kann sich keiner der Insassen beschweren, vor allem die frisurenfreundliche Kopffreiheit gefällt. Ebenso ansprechend ist die serienmäßig verschiebbare Rückbank mit verstellbarer Lehne, die das Kofferraumvolumen allerdings auf 300 Liter (425 bei komplett nach vorn gerückten Fondsitzen) schrumpfen lässt.
Zum Fazit: Es soll ja Leute geben, denen die inneren Werte wichtiger sind als optische Vorzüge. Genau für diese Leute baut Nissan den Tiida. Mit seinen Qualitäten wie dem guten Platzangebot, dem agilen Fahrwerk und der knackigen Lenkung hat der Japaner auf jeden Fall Aufmerksamkeit verdient. Der Preis von 19.240 Euro wirkt auf den ersten Blick selbstbewusst (der 115 PS starke Opel Astra 1.6 Fünftürer kostet 18.525 Euro), erscheint durch die gut bestückte Serienausstattung aber in besserem Licht. Schon die „Acenta“-Basisversion bringt Annehmlichkeiten wie Regen- und Lichtsensor, Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen, Tempomat und CD-Radio mit. Zur wahren Liebe auf den zweiten Blick fehlt leider noch ein durchzugsstärkerer und genügsamerer Motor.
Technische Daten (Werksangaben):
Leistung: 126 PS (93 KW) / 5.200 U/min Max. Drehmoment: 173 Nm / 4.800 U/min Beschleunigung 0 - 100 km/h: 10,4 s Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h Verbrauch: 7,8 l Super / 100 km CO2-Ausstoß: 188 g/km Grundpreis 1,8-Liter-Version: 19.240 Euro
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