Fiat 124 Spider Test: Das sitzt! So schlägt er den Mazda MX-5

, 15.08.2016


Das ist die Rückkehr auf den Markt der bezahlbaren Fun-Roadster: Der neue Fiat 124 Spider wurde in einem Gemeinschaftsprojekt zusammen mit dem Mazda MX-5 entwickelt. Doch die Italiener und die Japaner setzen auf unterschiedliche Motorenkonzepte. Spätestens jetzt werden echte Autoenthusiasten nicht mehr zu halten sein: Der Fiat besitzt einen Hinterradantrieb und entstand in Leichtbauweise. Wie viel Spaß der neue Spider tatsächlich bereitet und wie er sich vom Mazda MX-5 unterscheidet, soll dieser Test zeigen. Sogar beim Fahrverhalten gibt es wesentliche Unterschiede.

Sofort zieht der Fiat 124 Spider mit seinem italienischen Design die Blicke auf sich. Dazu setzt sich der Spider wie ein echter Sportwagen in Szene - insbesondere durch die lange Motorhaube und dem in Richtung Hinterachse gerückten Cockpit. Auch die Front weiß zu beeindrucken: Der obere, hexagonal geformte Kühlergrill mit einem Gitter in Wabenstruktur setzt starke Akzente, während die Auswölbungen in der Motorhaube die Position des darunter liegenden Motors hervorheben. Eine zweiflutige Abgasanlage unterstreicht derweil am Heck die Leistungsfähigkeit des Turbomotors.

Antrieb: Reinknallen, Gas geben und den Kick spüren

Statt auf einen Saugmotor wie Mazda, setzt Fiat auf einen 1,4 Liter großen Turbobenziner - und der generiert 140 PS bei 5.000 Touren. Das maximale Drehmoment von 240 Nm liegt bei 2.250 U/min an. In Kombination mit einem 6-Gang-Handschaltgetriebe erfolgt der Spurt von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit des Fiat 124 Spider liegt bei 217 km/h.

Doch diese Zahlen können nur im Ansatz beschreiben, für welche Emotionen und Dynamik der kleine Italiener sorgt. Ein Druck auf das Gaspedal genügt - und der Fiat geht es ordentlich an. Im mittleren Drehzahlbereich folgt der wahre Kick. Der 2,0-Liter-Saugmotor des Mazda MX-5 mit 160 PS und 200 Nm dreht zwar gieriger hoch, aber der Fiat 124 Spider besitzt mit 240 Nm das höhere Maximaldrehmoment, das zudem früh anliegt. Unterm Strich ist der Fiat genauso schnell wie der Mazda - die 0,2 Sekunden Unterschied beim Spurt von 0 auf 100 km/h spürt wohl kein Fahrer.

Allerdings lässt sich der Fiat 124 Spider entspannter fahren, weil der Fahrer diesen nicht wie den Mazda für eine starke Performance ständig auf Drehzahl halten muss und einfach in einem höheren Gang bleiben kann. Die Handschaltung des Italieners weiß ebenfalls zu überzeugen: knackig und präzise. Die Gänge lassen sich regelrecht reinknallen.

Enormer Fahrspaß: Das Plus an Komfort und der Biss in Kurven

Fiat vollzog einen mehr als überzeugenden Job, einen eigenen MX-5 zu schaffen. Beide Roadster besitzen im Grunde genommen die gleiche Fahrwerksstruktur und den gleichen Hinterradantrieb. Trotz allem fühlt sich der Fiat ganz anders an als sein japanischer Bruder. Der Fiat ist mit dem Plus an Komfort mehr auf das Cruisen ausgelegt.

Dennoch: Ein Softie ist der Fiat 124 Spider keineswegs und bei Bedarf sorgt der Italiener für enormen Fahrspaß in Kurven. Der Fiat ist sehr agil, lenkt toll ein und besitzt nur wenig Karosserieneigung. Aber das reichte den Italienern nicht. Die Macher stimmten die Dämpfer sowie die Federn hervorragend ab und kalibrierten die Servolenkung neu. Das Ergebnis: Der Fiat 124 Spider ist nicht nur komfortabel, sondern auch agil in Kurven, die Lenkung schnell, genau und - als weiterer Pluspunkt bei dynamischer Fahrt - nicht so leichtgängig wie im Mazda MX-5.

Allerdings baut der Mazda MX-5 mehr Grip in Kurven auf. Schade, dass der Fiat 124 Spider kein Sperrdifferential besitzt, das durch die Verlagerung des Drehmomentes an das Rad mit dem besten Grip ein noch schnelleres Beschleunigen aus Kurven heraus ermöglicht. Der Mazda MX-5 besitzt in Kombination mit dem 160 PS starken Benziner serienmäßig ein Sperrdifferential. Doch bei Fiat geht noch was: Für den Rausch der Geschwindigkeit kommt Anfang des vierten Quartals 2016 der Fiat 124 Spider Abarth mit 170 PS auf den Markt - und der besitzt ein Sperrdifferential.

Fängt der Spider bei besonders flotter Fahrt in Kurven an zu rutschen, greift zuverlässig die elektronische Stabilitätskontrolle ein, um den Sportwagen zurück in die Spur zu bringen. Ein Lob erhält ebenfalls die hervorragende Dämpferabstimmung des Fiat 124 Spider, die nur bei niedrigen Geschwindigkeiten etwas zu hart wirkt. Drifter wird es freuen, dass der Fiat 124 Spider noch eine Handbremse mit einem richtigen Griff besitzt, statt eines kleinen Schalters oder Knopfes.

Interieur: Innere Werte, die begeistern - und die der Mazda MX-5 nicht bietet

Zweifellos, der Fiat 124 Spider besitzt im Vergleich zum Mazda MX-5 den schöneren, hochwertigeren Innenraum - insbesondere die „Lusso“-Ausstattungslinie. Während beim Interieur des MX-5 eher Plastik dominiert, statteten die Macher das gesamte Interieur des Italieners mit feinen Materialien aus, wie zum Beispiel Leder für die Sitze, das Lenkrad und den Schaltsack. Sogar ein Teil des Armaturenbrettes und die Türinnenverkleidungen sind mit Leder bezogen. Großzügige Softtouch-Oberflächen für die Armaturentafel, Klavierlackleisten und Chrom-Applikationen runden die Maßnahmen gelungen ab. Der Wohlfühlfaktor ist hier definitiv gegeben.

Die konturierten Ledersitze sind auf der Langstrecke bequem und bieten dazu einen guten Seitenhalt in scharf durchfahrenen Kurven. Bis zu 1,90 Meter große Fahrer finden locker Platz auf den zwei Sitzen. Das Cockpit ist dazu übersichtlich und aufgeräumt. Ins Auge fällt darüber hinaus der 7 Zoll beziehungsweise 17,8 Zentimeter große Touchscreen des Infotainment-Systems. Das Navigationssystem mit 3D-Kartendarstellung, das Musiksystem und das Mobiltelefon lassen sich praktischerweise per Spracherkennung bedienen, so dass der Fahrer beim Kurvenspaß weiterhin seinen Blick auf die Straße richten kann.

In Verbindung mit einem Bluetooth-fähigen Smartphone steht ebenfalls die Verbindung ins Internet zur Verfügung, wie zum Beispiel der Online-Dienst „Aha“ mit über 30.000 Sendern, darunter die führenden Internet-Sender für Musik, Radio, Nachrichten, Unterhaltung, Wettervorhersagen und Hörbücher sowie die Benachrichtigungen von Facebook und Twitter. „Stitcher" ermöglicht derweil das mobile Hören (Streaming) Tausender Radiosendungen und Wortbeiträgen (Podcasts). Darüber hinaus stehen weitere Apps zur Verfügung, wie zum Beispiel „Connected Service“, um Tankstellen und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des Standorts darzustellen oder Verkehrswarnungen und Wetterinformationen zu empfangen.

Verdeck öffnen: So einfach geht es mit nur einer Hand

Überraschend leise ist der Innenraum des Fiat 124 Spider. Das Stoffverdeck kann der Fahrer mit einer Hand schnell und einfach öffnen sowie schließen - und dabei sitzen bleiben. Der Verzicht auf ein elektrisches Verdeck spart weitere Kilogramm ein und beschert dem Spider den passenden puristischen Charakter.

Kofferraum und Ablagen: Größer als beim Mazda MX-5

Wer einen Road-Trip plant, sollte nur das Nötigste mitnehmen - keine Überraschung bei so einem kleinen Roadster. Allerdings fällt der Kofferraum des Fiat 124 Spider mit 140 Litern Ladevolumen genau 10 Liter größer aus als der des Mazda MX-5. Auf den ersten Blick stellt das keinen großen Unterschied dar. Aber bei solch einem kleinen Gepäckabteil hilft jedes Extra-Volumen. Die Ladekante selbst ist hoch und die Kofferraumöffnung fällt eher klein aus. Zwei Taschen mit den Maßen 55 x 40 x 22 Zentimeter passen hinein.

Leider mangelt es im Innenraum, wie auch beim Mazda MX-5, an Ablagen. Ein Handschuhfach und Seitenfächer in den Türen gibt es nicht. Lediglich in der Mittelkonsole befinden sich eine Ablage mit einer rutschfesten Unterlage für ein Smartphone und ein kleines Fach unter der Mittelarmlehne. Ein größeres Fach befindet sich jedoch zwischen den zwei Rücksitzlehnen.

Fazit:

Der Fiat 124 Spider ist ein fantastischer Sportwagen. Fans der erreichbaren Fun-Roadster dürfen sich freuen, dass es neben dem Mazda MX-5 nun eine attraktive Alternative aus Italien bereits zu Preisen ab 23.990 Euro gibt. Sowohl der Fiat 124 Spider als auch der Mazda MX-5 sind echte Kurvenräuber, die beide eine Menge Fahrspaß bieten und für unzählige Endorphin-Ausstöße sorgen, die süchtig machen. Allerdings kommt der Spider mit dem Plus an Komfort daher.


Technische Daten Fiat 124 Spider Lusso:

Antriebsart: Hinterradantrieb
Hubraum Vierzylinder-Turbomotor: 1.368 cm³
Leistung: 103 kW/140 PS bei 5.000 U/min
Drehmoment: 240 Nm bei 2.250 U/min
Getriebeart: 6-Gang-Handschaltgetriebe
Vmax: 217 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,5 Sekunden
Leergewicht: 1.125 Kilogramm
Durchschnittsverbrauch: 6,4 l/100 km
CO2-Emission: 148 g/km
Preis: ab 26.490 EUR

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