Ford Kuga ST-Line 2017 Test: Heißer Tipp! Die neue Sport-Version

Christian Brinkmann, 28.10.2016


Vor uns läuft über die Straße ein Opi. Ein Hupkonzert möchte ich nicht veranstalten, damit der ältere Herr keinen Herzinfarkt erleidet. Das braucht es auch gar nicht: Der Opi dreht sich erschrocken um und geht zur Seite. Autos, vor allen Dingen fremde, scheinen hier eher selten vorbeizukommen. Ein Stück weiter zieht ein rüstiges, mit Kopftuch bekleidetes Mütterchen, das deutlich über 70, eher 80 Jahre alt sein dürfte, mit ihrer Tochter einen mit getrocknetem Gras beladenen Handkarren über die Straße. Dazu zerfallene Häuser. Es kommt das Gefühl auf, sich auf einer Patrouillenfahrt im Jugoslawienkrieg der 1990er-Jahre zu befinden.

Die Szenerie im tiefen Inland von Serbien reißt uns mit und fasziniert zugleich. Die Straße ist noch einspurig und schmal, aber mittlerweile wieder durchgehend asphaltiert und an einer Stichstraße auch wieder zweispurig. Die Straße durch die Schlucht des Naturparks „Si?eva?ka Klisura“ ist landschaftlich beeindruckend. Aber in den Erinnerungen verankern wird sich noch stärker die Offroad-Passage in das tiefste Inland Serbiens, wo die Zeit stehenblieb.

Innenraum: Das sind die feinen Extras für die ST-Line

Vom Innenraum des Ford Kuga ST-Line können die Fahrer eines Yugos, die in Serbien noch an allen Ecken zu sehen sind, nur träumen. Der Dachhimmel in Anthrazit, das griffige Lederlenkrad mit grauen Ziernähten, eine Leder/Stoff-Polsterung der Sitze in Wildleder-Optik und eine Aluminium-Pedalerie setzen Akzente.

Während auf dem Armaturenbrett eine angenehme Softtouch-Oberfläche zum Einsatz gelangt, besticht die Mittelkonsole durch Hartplastik, das allerdings gut verarbeitet ist. Bei der ST-Line macht die Mittelkonsole zudem mit einem zweischichtigen Metallic-Effekt optisch was her. Die Türinnenseiten gefallen durch Softtouch und ein Lederimitat.

Die gut konturierten, bequemen Sitze bieten viel Seitenhalt in scharf durchfahrenen Kurven und insbesondere Langstreckenkomfort. Dazu kommt ein immenses Raumangebot: In dem kompakten SUV können auf den Vordersitzen locker 2,00 Meter große Personen Platz nehmen, auf den Rücksitzen problemlos bis zu 1,90 Meter große Mitreisende.

Neue Infotainment-Generation: Die Stärken und Schwächen von SYNC 3

Vorbei sind im Kuga die Zeiten der „Star Wars“-Kulisse mir unzähligen Knöpfen. Ford räumte bei der Modellpflege das Cockpit ordentlich auf. Viele Funktionen lassen sich jetzt über das neue Kommunikations- und Entertainment-System „Ford SYNC 3 mit AppLink“ und einen 8 Zoll beziehungsweise 20,3 Zentimeter großen Touchscreen steuern.

Für die Suche nach Tankstellen oder Restaurants brauchen Autofahrer nur noch einen Knopf zu drücken und Befehle wie „Ich will einen Kaffee“ oder „Ich benötige Benzin“ zu formulieren. Das System findet auch Flughäfen, Bahnhöfe und Hotels und führt den Fahrer unter Verwendung des fest eingebauten Navigationssystems zuverlässig ans Ziel.

Die manuelle Bedienung von „SYNC 3“ erfordert allerdings etwas Einarbeitungszeit. Das können andere Hersteller, wie zum Beispiel Audi und Volkswagen, besser. Ferner positionierten die Macher die mechanischen Tasten für das System sehr ungünstig vor dem Touchscreen: Um den Bildschirm zu bedienen, legt man seine Handfläche genau dort auf, wo sich die Tasten befinden, die dadurch ungewollte gedrückt werden und andere Funktionen aufrufen.

Dank „SYNC 3 mit AppLink“ lässt sich allerdings ein per „Apple CarPlay“ oder „Android Auto“ angeschlossenes Smartphone ganz einfach per Sprachbefehl steuern. Darüber hinaus ist „SYNC 3“ kompatibel mit Siri (iPhone). Verfügbare Updates kann der Nutzer über das WLAN-Netz des Fahrzeughalters herunterladen, während das Auto zum Beispiel in der Garage parkt. Mit der speziellen „Ford Service“-App verbessert „SYNC 3“ das Fahrerlebnis durch die Bereitstellung von Verkehrsinformationen und die Anpassung des Reisewegs an die jeweils aktuelle Verkehrssituation.

Kofferraum: So praktisch beim Kuga - da geht eine Menge rein

Eine echte Hilfe im Alltag stellt die sensorgesteuerte Heckklappe dar, wenn beispielsweise nach einem Einkauf keine Hand frei ist. Eine einfache Bewegung des Fußes unter der Stoßstange - schon öffnet und schließt sich die Heckklappe von selbst. Der großzügige Kofferraum bietet ein Ladevolumen von 456 Litern, das sich bei umgeklappten Rücksitzlehnen auf 1.653 Liter erhöht. Dabei entsteht leider eine Stufe, das heißt einen komplett ebenen Ladeboden besitzt der Kuga nicht.

Ebenso positiv: Niedrig fällt für einen SUV die Ladekante aus. Die Ladestufe nach innen erweist sich ferner als flach, so dass man Gepäck oder Getränkekisten einfach be- und entladen kann, ohne über eine hohe Stufe hieven zu müssen. Dazu kommen stabile Metallösen und Taschenhaken. Für Mitbringsel stehen im Innenraum zudem ausreichend Fächer und Getränkehalter zur Verfügung. Hervorzuheben sind insbesondere die riesigen Seitenfächer in den Türen und ein ordentlich dimensioniertes Handschuhfach.

Der Enge getrotzt: Ein- und Ausparken so einfach wie nie

Serienmäßig besitzt der Ford Kuga ST-Line einen Park-Assistenten mit Ein- und Ausparkfunktion. Letzterer steuert den Kuga in Parkbuchten hinein, die quer und längs zur Straße liegen, und auf Wunsch auch wieder heraus. Der Fahrer braucht nur das Gas- und das Bremspedal zu betätigen - alles andere erledigt das System automatisch.

An Bord des Ford Kuga befindet sich ebenfalls „Active City Stop“ - eine Technologie für automatisiertes Bremsen in Notfällen bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. „Active City Stop“ hilft, Kollisionen bei niedrigen Geschwindigkeiten zu vermeiden oder zumindest die Schwere von Auffahrunfällen zu vermindern. Eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, einen Fahrspur-Assistenten mit Müdigkeitswarner, ein Verkehrsschild-Erkennungssystem und einen Toter-Winkel-Assistenten mit Querverkehrswarnung gibt es ebenfalls für den Kuga.

Fazit:

Das umfangreiche Upgrade für das Modelljahr 2017 tat dem Ford Kuga richtig gut. Vor allen Dingen mit der neuen ST-Line sieht der SUV jetzt besonders cool aus und bietet dazu einen überraschend hohen Kurvenspaß. Ein Premium-SUV ist der Kuga nicht, dafür aber bereits in der Serie mit einer umfangreichen Ausstattung und einem hohen Sicherheitsniveau vollgepackt, was ihn sehr interessant macht. Ein echt überzeugender Allrounder!

Ford gibt den durchschnittlichen Spritverbrauch des Kuga 2.0 TDCi AWD (180 PS und Handschalter) im Idealfall mit 5,2 Litern Diesel pro 100 Kilometer an, was einem CO2-Ausstoß von 135 g/km entspricht. Nach unserer Fahrt von Sofia bis nach Belgrad über die Autobahn, Landstraßen und Städte kamen wir, ohne auf eine effiziente Fahrweise zu achten, auf einen Durchschnittswert von 6,3 Litern Diesel auf 100 Kilometern.


Technische Daten Kuga 2.0 TDCi AWD ST-Line (180 PS):

Antriebsart: Allradantrieb
Hubraum Vierzylinder-Turbodiesel: 1.997 cm³
Leistung: 132 kW/180 PS bei 3.500 U/min
Drehmoment: 400 Nm bei 2.000-2.500 U/min
Getriebeart: 6-Gang-Handschaltgetriebe
Vmax: 202 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,2 Sekunden
Leergewicht: 1.702 Kilogramm
Durchschnittsverbrauch: 5,2 l/100 km
CO2-Emission: 135 g/km
Preis: ab 36.950 EUR

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