Cadillac BLS 1.9 D: Mittelklasse-Diesel auf amerikanisch

, 27.08.2007


Name und Design aus Amerika, Technik aus Europa: Motorvision war mit der Cadillac BLS 1.9 D im Münchner Umland unterwegs.

Wer in der bedieselten Mittelklasse nach Alternativen zum europäischen Angebot sucht, schaut sich bei den Asiaten um. Und neuerdings auch bei den amerikanischen Herstellern. Denn Cadillac bietet mit seinem BLS 1.9 D europäische Dieseltechnik in amerikanischer Verpackung an. Motorvision will herausfinden, ob die Alternative aus Übersee eine interessante ist. Deshalb haben wir uns ein Vorführexemplar von Geigercars.de geschnappt, um den kleinen Caddy im Münchner Umland über die Straßen zu scheuchen.

Doch zuerst wollen wir uns dem Design widmen. Wir freuen uns über den ganz eigenen Weg, den die Amerikaner eingeschlagen haben. Das Lineal diente wohl als wichtigstes Gestaltungswerkzeug, Ecken und Kanten sind die charakteristischen Merkmale des Cadillacs. Individualisten wird das genauso freuen wie die Freunde des schnörkellosen Autodesigns der 70er und 80er Jahre. Der Cadillac hat Stil, keine Frage, und der Betrachter erkennt durchaus viel ,,Amerikanisches" an ihm.

Eher unamerikanisch zeigt sich die Technik: Frontantrieb und ein Dieselmotor mit nur vier Zylindern. Kein Wunder, denn das Innenleben stammt vorwiegend von den europäischen Mittelklasse-Vertretern des GM-Konzerns. Beim Fahrwerk macht sich das uneingeschränkt positiv bemerkbar. Auf den kurvenreichen Sträßchen im Norden von Münchnen ist vom alten Klischee, amerikanische Autos seien butterweich abgestimmt und damit sehr träge, nichts zu spüren. Im Gegenteil: Federn und Dämpfer geben sich straff, was in Verbindung mit der satten Straßenlage der Fahrdynamik zugute kommt. Der Komfort bleibt deshalb aber nicht auf der Strecke - Respekt! Ebenfalls agilitätsfördernd: Die zielgenaue Lenkung, die jedoch mehr Rückmeldung liefern dürfte. Auch die standfesten Bremsen haben uns überzeugt.

Auf der Autobahn hinterlässt der Motor einen zwiespältigen Eindruck: Diesel-untypisch braucht er hohe Drehzahlen, um die Fuhre voranzubringen. Unser mit Automatik ausgestatteter Testwagen versucht das zu kaschieren, indem das Getriebe selbst bei sanftem Antippen des Gaspedals mindestens einen Gang zurückschaltet. Im manuellen Modus macht sich die Durchzugsschwäche stärker bemerkbar. Die immerhin 150 PS und 320 Newtonmeter (zwischen 2.000 und 2.750 Touren) sind kaum zu spüren. Viel mehr Spaß macht der Diesel-BLS, wenn man ihn auf der Autobahn als Cruiser einsetzt. Dann lässt sich im sehr leisen und komfortablen Cadillac wunderbar die Landschaft genießen.

Dann lümmelt man sich in die bequemen Sessel und lässt die ganzen Hektiker in ihren 3er BMWs, VW Passats oder C-Klasse Mercedes´ an sich vorbeirauschen. Und denkt sich dabei: ,,Genau deshalb fahre ich dieses Auto - um mich von Euch abzuheben und das besondere Fahrgefühl eines europäisch angehauchten Amerikaners zu erleben."

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