Citroen Grand C4 Picasso: Heiter bis wolkig

, 30.08.2007


Das Naturgesetz ,,Wo viel Sonne ist, ist auch viel Schatten" kann auch der Citroen Grand C4 Picasso mit 1,6-Liter-Dieselmotor nicht außer Kraft setzen.

Citroen hat seine avantgardistische Ader wiederentdeckt. Endlich geben sich die Franzosen wieder expressiver. Bestes Beispiel: Die Oberklasse- Limousine C6. Doch auch Papis mit kleinerem Geldbeutel, aber ausgeprägtem Hang zum Besonderen, dürfen sich jetzt über ein familienfreundliches Designerstück von Citroen freuen: Der Grand C4 Picasso bietet sieben Sitzgelegenheiten, sorgt für viel Licht im Interieur und überrascht mit einigen unkonventionellen Lösungen. Ob diese aber auch praktisch sind, zeigt unser Testbericht des 1,6-Liter-Basisdiesels mit dem elektronisch gesteuerten Sechsgang-Automatikgetriebe.

[strong]Design[/strong]

Der Citroen Grand C4 Picasso sticht aus dem Kompaktvan-Einerlei à la Touran, Zafira und Co. heraus. Große, glatte Flächen, riesige Scheinwerfer und der prominent platzierte Citroen-Doppelwinkel sorgen von vorne für einen hohen Wiedererkennungswert. Details wie die neckisch ausgestellten Radhäuser, große, auf der Hüfte sitzende Außenspiegel und der Picasso-Schriftzug peppen die Seitenansicht auf. Das eher emotionslose Heck wird von den üppig dimensionierten Rückleuchten dominiert. Das wichtigste Designmerkmal sind aber die großzügigen Fensterflächen: Die Panorama-Windschutzscheibe reicht bis weit ins Dach, was gemeinsam mit den großen vorderen Dreiecksfenstern und der weit nach unten gezogenen Heckscheibe für eine sehr gute Rundumsicht sorgt.

[strong]Karosserie und Innenraum[/strong]

Die Kehrseite der Medaille zeigt sich bei starker Sonneneinstrahlung: Steht der Picasso lange im Freien, hat die Klimaanlage alle Lüftungsdüsen voll zu tun, die Innenraumtemperatur wieder auf ein erträgliches Niveau abzukühlen. Dafür profitiert das Raumgefühl vom hohen Glasanteil, wobei der Grand C4 Picasso auch objektiv mit guten Platzverhältnissen überzeugt. In Reihe eins und zwei geht es sehr luftig zu, die recht weich gepolsterten Sitze laden zum längeren Verweilen ein. Selbst auf den Plätzen sechs und sieben, die in manchem Konkurrenten höchstens Kindern im Vorschulalter zumutbar sind, fühlen sich - zumindest auf Kurzstrecken - auch Erwachsene gut aufgehoben. Gleiches gilt für das Gepäck, für das in der Fünf-Sitze-Konfiguration 672 Liter Volumen zur Verfügung stehen. Als Zweisitzer bietet der Franzose sogar 1.951 Liter. Ablageflächen gibt es in Hülle und Fülle.

Wenn es gilt, den Innenraum zu verwandeln, zeigt sich der Grand C4 Picasso bedienungssicher. Ruckzuck lassen sich die Sitze der dritte Reihe ein und ausklappen oder die mittleren Plätze umlegen bzw. verschieben. Im alltäglichen Umgang wirft das Bedienkonzept des Franzosen allerdings Fragen auf. Die Mittelkonsole wirkt zwar aufgeräumt, dafür zeigt sich das Lenkrad mit feststehender Nabe hoffnungslos überfrachtet. Ein echtes Ärgernis sind die in typisch französischer Manier zentral angeordneten Digital-Instrumente: Der Drehzahlmesser befindet sich fast schon auf der Beifahrerseite, weshalb der Blick des Fahrers gefährlich lange vom Verkehrsgeschehen wegwandert. Weder schön noch praktisch: Der Automatik-Wählhebel oberhalb des Lenkrads, der ohne Parkposition auskommt und stattdessen in der neutralen Stellung automatisch die elektronische Feststellbremse aktiviert. Ärgerlich, wenn man diese Funktion vor jedem Waschstraßenbesuch im Bedienmenü deaktivieren muss.

[strong]Antrieb und Fahrwerk[/strong]

109 PS bei mehr als 1,6 Tonnen Lebendgewicht: Der Citroen Grand C4 Picasso mit 1,6-Liter-Common Rail-Turbodiesel ist nur etwas für gemütliche Naturen. Weder im Antritt noch im Durchzug weiß der angenehm klingende Motor angesichts des Drehmoments von bescheidenen 240 Newtonmetern zu überzeugen. Da er seinen Topspeed von 180 km/h erst nach zähem Ringen erreicht, sind schnelle Autobahnetappen ebenfalls nicht das Metier des Picasso. Leider kann auch die Landstraßen- Performance nicht überzeugen: Das Fahrwerk ist sehr komfortabel abgestimmt und zeigt sich in schnell gefahrenen Kurven von seiner schwammigen Seite. Eine wahre Fahrspaß-Bremse ist aber die elektronisch gesteuerte Sechsgang-Automatik. Schaltpausen von einer gefühlten Ewigkeit lassen die Karosserie und die Köpfe der Insassen ständig unmotiviert nicken. Beim Heranrollen an eine rote Ampel ruckt es heftiger als bei einem Fahrschüler in der ersten Fahrstunde. Da auch der manuelle Modus keine Besserung bringt, empfehlen wir ganz klar das manuelle Fünfgang-Getriebe.

[strong]Kosten[/strong]

Der Grundpreis des Citroen Grand C4 Picasso mit 109 PS-Turbodiesel liegt bei 23.350 Euro (Ausstattungslinie ,,Advance"). Damit liegt der Franzose auf Opel Zafira-Niveau. Wer glaubt, der Picasso wäre aufgrund eines besseren Ausstattungsniveaus trotzdem das bessere Angebot, sieht sich leider getäuscht. Nackt wie einst Adam und Eva kommt der Picasso ,,Advance" daher. Das Problem: Viele Ausstattungsdetails, unter anderem ein Radio, die wegen des hohen Glasanteils unablässige Klimaanlage oder das ,,EGS 6"-Automatikgetriebe bietet Citroen nur für die höherwertigen und damit teureren Linien an. Das macht die günstige Basisvariante zum Lockvogelangebot. Dafür gibt sich der Citroen Grand C4 Picasso bei den laufenden Kosten bescheiden. Der Testverbrauch von rund 7,5 Litern liegt im Rahmen, die Versicherungseinstufungen (KH/VK/TK: 14/14/19) sind sogar sehr günstig.

[strong]Fazit[/strong]

Auf der Habenseite stehen das flotte Design, die großzügigen Platzverhältnisse und die gute Variabilität. Dagegen bekommen das undurchsichtige Bedienkonzept, der kleine und lahme Dieselmotor, das zu weiche Fahrwerk und das elektronisch gesteuerte Automatikgetriebe ein Minus verpasst. Wer aber Citroens typischer Extravaganz verfallen ist, dürfte mit dem stylishen Van trotzdem seine Freude haben.

[strong]Technische Daten (Werksangaben):[/strong]

Leistung: 80 kW (109 PS) / 4.000/min
Max. Drehmoment: 240 Nm / 1.750/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h: 15,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Durchschnittsverbrauch: 5,7 l / 100 km
Grundpreis ,,Advance" mit manuellem Fünfgang- Getriebe: 23.350 Euro

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