Sie ist die schnellste Frau der amerikanischen Wüste und die erste US-Amerikanerin in der Geschichte, die eine Etappe der legendären Rallye Dakar gewinnen konnte. Doch während die am 2. September 1992 geborene Kalifornierin in ihrer Heimat bereits als Ikone des Offroad-Sports gefeiert wird, ist Sara Price in Deutschland für viele noch ein Geheimtipp. Das wird sich jetzt ändern: Als Werksfahrerin für Defender verkörpert sie eine neue Generation von Rennfahrern, die unerschrocken und einfach authentisch ist.
Das Abenteuer, dem sich Sara Price aktuell stellt, könnte extremer nicht sein. Die Rallye Dakar ist der ultimative Test für Mensch und Maschine, ein zweiwöchiger Kraftakt über fast 5.000 Kilometer durch die abgelegensten Regionen Saudi-Arabiens. Vom 3. bis zum 17. Januar 2025 kämpfen sich die Teams durch anspruchsvolle Zeitetappen, wobei die Fahrer mit einer besonderen psychologischen Hürde konfrontiert werden: Sie wissen vorher fast gar nichts. Um Routen-Analysten und strategische Vorteile durch Satellitenbilder zu verhindern, wird das digitale Roadbook erst 10 bis 15 Minuten vor dem Start auf die Tablets im Cockpit geladen. Es ist ein „Blindflug“ bei Höchstgeschwindigkeit, bei dem nur Instinkt und Erfahrung zählen.
© Foto: Jaguar Land Rover
Der Arbeitsplatz für diesen Wahnsinn ist der Defender Dakar D7X-R. Basierend auf dem serienmäßigen Defender Octa, nutzt dieses Offroad-Monster die robuste D7X-Karosseriearchitektur und den mechanisch unveränderten 4,4-Liter-V8-Twin-Turbo-Motor des Serienmodells und dort 476 kW/635 PS liefert. Mit Modifikationen wie einer breiteren Spur, erhöhter Bodenfreiheit und einem spezialisierten Fahrwerk ist der Defender Dakar D7X-R darauf ausgelegt, die „Stock“-Kategorie der Rally-Raid-Weltmeisterschaft (W2RC) zu erobern.
In unserem exklusiven Interview gibt uns Sara Price einen tiefen Einblick in ihr außergewöhnliches Leben: Wie ihr Gehirn im Cockpit erst bei hoher Geschwindigkeit so richtig zur Ruhe kommt, wie sie als „Iron Woman“ bei der Baja 1000 fast 20 Stunden am Stück allein die Wüste bezwang und warum ein leerer, weißer Ford-Van ihr erster und gruseligster automobiler Begleiter war.
Sara, wie hat deine Leidenschaft für Autos und Motorsport angefangen? Gab es diesen einen Schlüsselmoment?
Ich komme aus einer Rennfahrerfamilie. Mein Dad ist Offroad-Rennen gefahren und mein Bruder Motocross. Ich selbst habe mit 8 Jahren angefangen, als mein Dad mir mein erstes Motorrad besorgte. Ehrlich gesagt, ab da war alles geritzt, weil ich von dem Ding gar nicht mehr abstieg. Von da an ging es immer weiter Richtung vier Räder.
Wenn du zurückblickst, was war bisher dein denkwürdigstes oder aufregendstes Erlebnis am Steuer?
Der wichtigste Moment war definitiv, es zur Rallye Dakar zu schaffen, um dort an den Start zu gehen. Das war eine riesige Leistung für mich, überhaupt dorthin zu kommen. In meiner Welt ist das noch gar nicht lange her, seit 2024 meine dritte Dakar. Das ist der Moment, auf den ich am stolzesten bin. Und zweitens: Das Finish der Baja 1000 als „Iron Woman“, als ich am Stück 19,5 Stunden allein durchfuhr.
© Foto: Jaguar Land Rover
Gab es in deiner Kindheit einen besonders verrückten Moment, der dir im Gedächtnis geblieben ist?
Ich war ein verrücktes Kind. Ich hatte wahnsinnig viel Energie und war ein echter Draufgänger. Es gab so viele Momente damals.
Und der herausragendste?
Im Auto? Als ich gegen meinen Dad Rennen fuhr und er versuchte, mich von der Piste zu drängen. Da hat er sich stattdessen selbst überschlagen. Ich schätze, das ist eine ziemlich bleibende Erinnerung aus meiner Kindheit. Aber im Ernst, es gibt so viele wie das allererste Mal einen Trophy Truck (Geländewagen für Hochgeschwindigkeits-Offroad-Rennen) zu fahren. Daran hängen so viele Erinnerungen.
Hast du dich während eines Rennens schon mal dabei ertappt, wie du über etwas völlig Absurdes nachgedacht hast?
Zu 100 Prozent! Manchmal schweifen die Gedanken ein bisschen ab und ich muss mich selbst wieder zur Ordnung rufen. Ich glaube, das passiert vielen Athleten. Ich sage immer: Bei mir wird ein Schalter umgelegt, dann gehen die Scheuklappen an und ich bin im extremen Hyperfokus. Aber klar, es gibt Zeiten, da entspanne ich kurz und denkt „Fahre ich eigentlich gerade? Oh ja, ich fahre ein Rennen, sollte ich vielleicht nicht vergessen.“ Und dann fokussiere ich mich wieder.
Was ist der beste Rat, den du je bekommen hast?
Arbeite hart. Und ich glaube: Bleib an einer Sache dran. Wenn du etwas willst, gib nicht auf. Es kann eine Weile dauern. Manchmal dauert es länger, als man denkt. Also gib nicht auf, bis du es geschafft hast.
Abgesehen vom Land Rover Defender: Was ist dein absolutes Lieblingsauto?
Mein Lieblingsauto aller Zeiten? Das ist ein Unlimited Trophy Truck (Königsklasse der Wüstenrennwagen).
© Foto: Jaguar Land Rover
Was war dein allererstes Auto und welches Baujahr war es?
Das ist lustig. Mein erstes Auto war ein Ford Econoline 150 Van, komplett leergeräumt. Einfach ein leerer weißer Van. Ziemlich gruselig.
Welche Autos fährst du derzeit privat?
Tatsächlich einen Defender.
Was ist das schlechteste Auto, das du je besessen oder gefahren hast?
Mein GMC 2500. Den bin ich gerade erst losgeworden. Das war mein letzter Truck. Er fuhr sich einfach wie Schrott.
Was beeindruckt dich am meisten am neuen Defender Octa und dem Rallye-Auto?
Der Defender Octa ist verdammt cool. Was mich am meisten beeindruckt, ist, dass er so ein Allrounder ist, eine extrem stabile, fahrbare Maschine. Wir scherzen oft darüber, aber die Kraftentfaltung ist so sanft, dass es fast schon zu geschmeidig ist. Wir sagen dann: „Leute, können wir bitte die Gangwechsel spüren?“ Es wäre manchmal schön, das zu fühlen, weil er einfach so perfekt ist. Aber er ist insgesamt eine so laufruhige, brauchbare Maschine und bleibt immer stabil.
Und wie ist die Arbeit mit einem großen Werksteam wie Defender im Vergleich zu deinen früheren Rennerfahrungen?
Mit so einer hochkarätigen, fantastischen Marke und dieser Tradition zu arbeiten, bedeutet mir viel. Defender will dieses Erbe bewahren und ich auch. Es ist so cool, ein Teil davon zu sein und an diesem neuen Vermächtnis mitzubauen, das wir jetzt mit der Dakar angehen. Das ist ein wahrgewordener Traum für mich. Ein riesiger Moment für meine Karriere, aber ich glaube auch für das Unternehmen mit dem neuen Defender und der Richtung, die wir bei der Dakar einschlagen. Wir wollen die Dakar gewinnen.
© Foto: Jaguar Land Rover
Auf welchen Teil der Dakar 2026 freust du dich am meisten und vor welchen Herausforderungen hast du den größten Respekt?
Bei der Dakar geht es immer ins Ungewisse. Man versucht, darauf vorbereitet zu sein. Aber man weiß nie, worauf genau man vorbereitet sein muss. Das ist eine ganz neue Herausforderung für mich: neues Team, neues Fahrzeug, neue Regeln. Wir werden höhere Geschwindigkeiten fahren, als ich es gewohnt bin. Es wird ein strategisches Spiel und ich denke, das macht die Dakar aus. Man muss die Strategie auf seiner Seite haben und mit einem Plan reingehen. Wohlwissend, dass der Plan wahrscheinlich niemals nach Plan verlaufen wird.
Hast du im Auto oder vor dem Rennen irgendwelche Glücksbringer oder Rituale?
Ich habe Glücksbringer. In letzter Zeit trage ich sie nicht immer direkt bei mir, aber bei der Dakar lasse ich sie in meinen kleinen Taschen im Auto. Es ist eine Kette, die ich ursprünglich mal geschenkt bekommen habe. Da hängen ein Haufen Anhänger dran, die mir Leute über die Jahre geschenkt haben. Ich sammle sie alle an dieser einen Kette, weil ich sie nicht alle einzeln tragen will. Also reise ich immer mit dieser Kette. Einer der Anhänger ist von meinem Freund (Ricky Brabec), der auch die Dakar fährt. Er hat ihn mir zu Weihnachten geschenkt, zwei Tage bevor wir zu meiner ersten Dakar aufgebrochen sind. Es war ein Herz mit uns beiden drauf und darauf stand: „Ich bin jeden Kilometer bei dir.“ Einer ist von meiner Mom, darauf steht: „Sei tapfer!“ Lauter so kleine Glücksbringer.
Was würdest du sagen, sind deine größten Stärken und Schwächen?
Meine Stärken sind, würde ich sagen, dass ich sehr gut darin bin, mich weiterzuentwickeln und mich schnell anzupassen. Meine Schwächen? Wenn ich nicht im Auto sitze, sind Vieraugengespräche nicht meine größte Stärke. Rede ich mit Leuten, denke ich oft: „Warte, was haben die gerade zu mir gesagt?“
Hast du Vorbilder oder Menschen, die dich inspiriert oder geprägt haben?
Ja, mein Dad ist da eine ganz große Nummer. Er ist ein extrem hart arbeitender Kerl, er kam aus dem Rennsport und war im Auto immer wie ein Stier. Ich habe definitiv seine Gene.
Gibt es jemanden, den du gerne eines Tages persönlich treffen würdest?
Lustig, ich glaube, darüber haben wir erst gesprochen. Jemand, der im Leben und im Business wirklich erfolgreich ist. Jeff Bezos wäre echt cool, um einfach mal im selben Raum zu sitzen, zu reden und Fragen zu stellen.
Welchen Traum oder welches Ziel willst du in deinem Leben oder deiner Karriere noch erreichen?
Die Dakar gewinnen.
Was hasst du oder was findest du wirklich abstoßend?
Ich hasse Leute, die ihr Wort nicht halten.
Hast du ein spezielles Hobby oder eine Aktivität, um runterzukommen? Was machst du in deiner Freizeit, um glücklich zu sein?
Ich lebe auf unserer Rip & Dip Ranch, wo wir einfach surfen gehen, den Colorado River genießen, den Strand, Jet-Skis, was auch immer. Das machen wir eigentlich ständig. Unsere Freizeit verbringen wir auf dem Fluss.





















