Nachhaltigkeit Autoindustrie: Kommt das Ende vom Luxus?

, 21.04.2018


Unsere Welt kann nicht mehr funktionieren, wenn Luxus durch die Ausbeutung der Umwelt, anderer Menschen und der Rohstoffe entsteht. Auf der anderen Seite prägt Luxus den modernen Lifestyle mit glitzernden Markennamen und einem hohen Anspruch an Details, Materialien und Qualität. Ist das ein Widerspruch und das Ende von Luxus wie wir ihn bislang kennen? Konzerne wie Jaguar Land Rover (JLR) stehen für Luxus und bringen neue Generationen an Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen auf den Markt. Doch das reicht nicht! Wir konfrontieren Jaguar Land Rover mit der Thematik, um zu sehen, wie sich der britische Autohersteller mit der Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Und kann es eine kostenattraktive Alternative zum umweltschädlichen Seetransport der Autos geben? Ja!

Was genau ist Nachhaltigkeit? 

Nachhaltigkeit bedeutet, einfach erklärt, dass Menschen bei jeglichem Handeln immer an die Zukunft denken, damit alle Menschen auf der Welt heute und in Zukunft gut leben können. 

Harte Fakten öffentlich gemacht: Was gibt Jaguar Land Rover preis?

Durch eine offizielle Ökobilanz wird ein Hersteller messbar sowie transparent und Interessierte können sehen, dass die Maßnahmen zur Nachhaltigkeit tatsächlich Früchte tragen. Oft hört man: Das sind nur leere Worte eines Herstellers. Eine Öko-Bilanz legt harte Fakten auf den Tisch.

Jaguar Land Rover veröffentlicht einmal jährlich, in der Regel zum neuen Fiskaljahr, einen Nachhaltigkeitsbericht. Hier sind Daten, Fakten und Statistiken zu verschiedenen Themenbereichen wie Fahrzeugemissionen, Recycling, Energie-Management bei der Produktion, Transport, Lieferkette und Abfall aufgeführt.

Ökologisches Handeln: Woher kommen die Zulieferer von Jaguar Land Rover?

Die Käufer eines Jaguars und Range Rovers verlangen Luxus und hochwertigste Materialien, so dass ein Autohersteller im Sinne der Kunden handeln und eine hohe Qualität liefern muss. Die Zulieferer stammen daher aus der ganzen Welt. Allerdings kommen 70 Prozent der britischen Zulieferer von Jaguar Land Rover aus einem Umkreis von 30 Meilen zu den Fertigungsanlagen, was die Auswirkung auf die Umwelt verringert. 

Wird das Engagement zur Nachhaltigkeit nicht durch den Ökoschaden der Kunden getrübt?

In einigen Ländern, wie zum Beispiel den Niederlanden, werden zahlreiche Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge verkauft, weil diese staatlich subventioniert werden und steuerliche Vorteile bieten. Doch 2012 fand das niederländische Leasingunternehmen Arval heraus, dass die Durchschnittsverbräuche in den Flotten deutliche 80 Prozent über der Werksangabe lagen. Ursache: Die staatlichen Subventionen fielen so stark aus, dass die Fahrzeuge günstiger als konventionell betriebene Autos waren und die Käufer ihre Plug-in-Hybride wie herkömmliche Autos nutzten und nicht an der Steckdose aufluden. 

Jaguar Land Rover verpflichtete sich in allen Geschäftsbereichen der Nachhaltigkeit und hofft, dass dieses Bewusstsein - und vor allem die Fahrzeuge - auch die Kunden dazu inspirieren, nachhaltig und ökologisch zu handeln.

Wie wird bei Jaguar Land Rover der Strom für die Produktion erzeugt? 

Seit April 2016 greift Jaguar Land Rover für die Produktion seiner Fahrzeuge zu 100 Prozent auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen zurück, den der britische Autohersteller von seinem Stromanbieter bezieht. Darüber hinaus arbeitet Jaguar Land Rover kontinuierlich daran, die Energieeffizienz zu verbessern. In den letzten Jahren konnten die Briten zudem rund 60 Energiespar-Projekte umsetzen, die einem Investment von 23 Millionen Pfund (aktuell ca. 25,9 Millionen Euro) entsprechen. Dazu gehören unter anderem der Einsatz von Solarzellen, LED-Lampen, Optimierung der Wärmeverteilung und Energy Mapping. Insgesamt sparte Jaguar Land Rover auf diese Weise 57.000 Tonnen CO2 ein. Ferner reduzierte Jaguar Land Rover die für die Produktion eines Fahrzeugs benötigte Energie seit 2007 um 38 Prozent.

Die Revolution: Wohin mit den alten Batterien aus Elektrofahrzeugen und Hybrid-Autos? Asiaten stellen Leistungsfähigkeit von alten Lithium-Ionen-Akkus wieder her!

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, dass die Batterien von Elektrofahrzeugen und Hybrid-Autos nicht mehr genug Leistung für den Antrieb produzieren. Einfach auf den Müll werfen lassen sich die umweltschädlichen Energiespeicher nicht. Dieses Problem betrifft ebenfalls die Akkus der unzähligen Smartphones auf der Welt. Das Recycling von Batterien soll bei Jaguar Land Rover ein wichtiger Bestandteil der Forschung und Entwicklung sein. Konkrete Pläne gibt der britische Autohersteller noch nicht preis; denn eine Technologie, alten Lithium-Ionen-Akkus neues Leben einzuhauchen, wäre eine Revolution, die zudem der Umwelt im großen Maße zugutekommt.

Konkreter sieht es in Asien aus: Forscher der Nanyang Technological University in Singapur sollen tatsächlich eine Lösung gefunden haben, die Leistungsfähigkeit von gealterten Lithium-Ionen-Akkus wiederherzustellen. Forschungsleiter Professor Rachid Yazami gibt an, dass eine dritte Elektrode verbrauchte Lithium-Ionen von einem der beiden anderen Pole abzieht und dadurch Rückstände entfernt, welche die Kapazität verringern. Auf diese Weise soll sich ein Akku sogar mehrfach wieder reparieren lassen. Damit wären auch die Akkus in Elektroautos langlebiger.

Zero Waste = Null Müll: Geht das bei der Autoproduktion überhaupt?

Jaguar Land Rover setzte sich zum Ziel, bis 2020 eine Autoproduktion mit „Zero Waste“ und „Carbon Neutral“ zu erreichen. „Zero Waste“ steht für „Null Abfall“: Bei der Produktion will Jaguar Land Rover keine Rohstoffe vergeuden und keinen Abfall verschwenden. Nicht genutzte und Reste von Materialien, welche die Autoindustrie früher bei der Herstellung beseitigte, werden wiederverwendet oder neu verwertet.

Beispiel: Beim Autobau setzt Jaguar Land Rover auf Aluminium, das als leichtes und zugleich starkes Material zur Senkung des Kraftstoffverbrauches und der CO2-Emissionen beiträgt. Aluminium lässt sich darüber hinaus ideal recyceln. Jaguar Land Rover und sein Aluminium-Zulieferer sammeln die beim Pressen und Ausstanzen anfallenden Aluminium-Abfälle. Allein im Fiskaljahr 2015/2016 konnte Jaguar Land Rover über 50.000 Tonnen Aluminium-Abfälle in der Presswerkstatt zurückgewinnen - genug, um rund 200.000 Jaguar XE-Karosserien herzustellen. Dem Aluminium ein weiteres Leben zu geben, verhindert ferner, dass mehr als eine halbe Million Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. Sogar die Reste von Polyurethan-Schaumstoff werden wiederum zur Herstellung von Surfbrettern verwendet.

 „Carbon Neutral“ bedeutet, dass ein Autohersteller die gesamte Kohlendioxiderzeugung seiner Produktion durch ausgleichende Maßnahmen kompensiert. Das kann zum Beispiel das ausgleichende Pflanzen von Bäumen sein. Jaguar Land Rover hebt exemplarisch seine Investition in ein „LifeStraw Community“-Wasserfilterprojekt in Kenia hervor, das über 370.000 Menschen mit sauberem und sicherem Trinkwasser versorgt. Dadurch werden etwa 186.700 Tonnen Kohlenstoff eingespart, da das Wasser nicht mehr durch brennendes Holz oder Kerosin gereinigt und dadurch die Luftverschmutzung erheblich verringert wird. 

Große Klimasünder: Der weltweite Transport von Autos über die Schifffahrt

Jaguar Land Rover produziert seine Autos in Großbritannien und in China, verkauft aber die Fahrzeuge weltweit. Auf der einen Seite engagiert sich Jaguar Land Rover vorbildlich für eine hohe Nachhaltigkeit an seinen Produktionsstandorten und bei der Elektrifizierung von Fahrzeugen - und dann erfolgt, wie in der Autobranche üblich, der Transport über die Seeschifffahrt, die zu den größten Klimasündern zählt.

Dessen ist sich auch Jaguar Land Rover bewusst. Baute der britische Autohersteller zuvor seine Fahrzeuge nur in Großbritannien, folgte - sicherlich auch um die Kosten zu senken - ein neues Werk in China, einem der wichtigsten Automärkte der Welt, wo 2014 die Produktion anlief. Was den Transport betrifft, betrug im Fiskaljahr 2015/2016 die Leistung von Jaguar Land Rover 0,73 Tonnen CO2 pro Fahrzeug (gegenüber 0,83 Tonnen CO2 pro Fahrzeug in 2014/2015). Das stellt zweifellos eine Senkung dar. Allerdings fielen im genannten Zeitraum demzufolge durch den Transport 376.085 Tonnen CO2 an.

Immerhin: Die gestartete Produktion in China reduzierte den Versandbedarf aus Großbritannien um ca. 46.000 Autos. Die gesamte Autoentfernung fiel um 150 Millionen Meilen und trotz eines Anstiegs in der Produktion, sank der absolute CO2-Wert um 6.300 Tonnen.

Aber welche Alternativen gibt es, um die weltweite Nachfrage an Autos und den damit verbundenen Transport zu stillen? Die Menschen wollen Autos, dafür jedoch nicht zu viel zahlen. Es ist nicht möglich, einfach überall Fabriken für Autos aufzubauen. Die Produktionsstraßen sind nur auf bestimmte Modelle ausgelegt. Dazu kommen hohe Kosten, die wichtige Auslastung der Produktion, um rentabel Autos zu produzieren, und vieles mehr. Alles andere würde sich auf den Verkaufspreis eines Autos niederschlagen. Doch die Masse der Autokäufer wollen ihre Autos möglichst günstig erwerben.

LNG: Die Alternative zum umweltschädlichen Schweröl in der Schifffahrt

Die meisten großen Schiffe nutzen als Kraftstoff umweltschädliches Schweröl. Es gibt eine Alternative: Liquified Natural Gas (LNG), auch bekannt als Flüssigerdgas, ist in der Schifffahrt der umweltschonendste Kraftstoff. Im Vergleich zu herkömmlichen Treibstoffen reduziert LNG die Schwefeldioxid- und Feinstaubemissionen um 92 Prozent, den Kohlenstoffdioxidausstoß (CO2) um 30 Prozent und Stickoxide um 90 Prozent. Flüssiges Erdgas bietet zudem eine platzsparende Lagerung in ausreichenden Mengen für den Antrieb der Schiffsmotoren und lässt sich außerdem über spezielle Generatoren für die Erzeugung des Bordstroms nutzen.

LNG-Antriebe erhöhen die Kosten beim Neubau von Schiffen oder Umrüstungen alter Schiffe signifikant. Allerdings gehen Prognosen davon aus, dass sich der künftige Preis für LNG zwischen dem für Schweröl und Schiffsdiesel einpendeln und damit attraktiv wird - auch in puncto Amortisierung der Mehrkosten für einen LNG-Antrieb. Dazu müsste die flächendecke Verfügbarkeit des Treibstoffes in den Häfen und der Bau von Schiffen mit LNG-Antrieb forciert werden.

Ohne Anreize wird es schwierig. Eine Lösung könnte sein, dass sich die Autohersteller, die Politiker in den Ländern mit Produktionsstätten und die Reedereien in einem Bündnis zusammenschließen. Beim Einsatz von LNG-Antrieben winken allen beteiligten Unternehmen Steuersenkungen. Kein leichtes Unterfangen. Aber auf diese Weise ließe sich der Umweltschutz auch beim großen Problemfaktor „Seetransport“ nochmals erheblich verbessern, nachdem Autohersteller wie Jaguar Land Rover bereits an ihren Produktionsstätten mit einer hohen Verantwortung für eine größtmögliche Nachhaltigkeit sorgen.
 

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