Mini Cooper Cabrio: ,,Mini muss man mögen"

, 24.08.2007


Bei kaum einem Auto ist der ,,Oooch, ist der süüüüß"-Faktor so groß wie beim Mini. Doch kann der Brite aus Bayern die emotionale Komponente mit objektiven Argumenten untermauern? Motorvision hat es beim Cooper Cabrio getestet.

,,Mini muss man mögen!" Dieses Zitat einer wahren Mini-Enthusiastin macht sich hier gleich aus zwei Gründen sehr gut: Erstens kann eine knackige Alliteration zum Einstieg nie schaden. Zweitens bringt es all das auf den Punkt, worum es beim Mini geht: Der knuffige Kleine weckt Emotionen und gewinnt die Herzen der - vornehmlich weiblichen - Kundschaft im Handumdrehen. Doch rechtfertigt der bayerische Brite die bedingungslose Hingabe seiner Besitzer oder ist er einer dieser Herzensbrecher, die schnell durch ihre Macken nerven, wenn die erste Verliebtheit vorbei ist? Wir wagen nun den Selbstversuch und widmen uns dem Mini Cooper Cabrio ganz emotionslos. Wir versuchen es jedenfalls.

[strong]Design[/strong]

Die Frage könnte aus einem dieser Psychologietests stammen, wie sie gemeinhin in Frauenzeitschriften vorkommen: ,,Wohin schauen bei einem Mini (bzw. Mann) als erstes? a) In die Augen. b) Auf den Hintern?" In der ,,Freundin" kreuzt Frau natürlich Antwort a) an, wohl wissend, dass in der Praxis der Blick auch gern nach unten schweift. Beim Mini liegt der Fall anders: Die Scheinwerfer schauen so unschuldig drein, dass sie die Betrachterin sofort in ihren Bann ziehen. Soviel Eigenständigkeit hat das Heck leider nicht zu bieten. Ist das Verdeck geschlossen, erinnert die Silhouette an die der Limousine: Große Räder, kurze Überhänge, hohe Gürtellinie, alles garniert mit einem kräftigen Schuss Retro-Design. Bei offenem Dach macht der Mini jedoch einen zerklüfteten Eindruck. Besonders die Überrollbügel hinter den Rücksitzen wirken wie Fremdkörper. Auch die Antenne auf dem Frontscheibenrahmen wirkt deplatziert.

[strong]Karosserie und Innenraum[/strong]

Klar, dass das Mini Cooper Cabrio auf 3,63 Meter Außenlänge nicht vier Erwachsene auf einmal transportieren kann. Gut so, denn dann kann man beim Wochenendtrip zu zweit die Rücksitze als zusätzlichen Kofferraum verwenden oder gleich die Lehne umklappen. Damit schleppt der Mini maximal 605 Liter Gepäck weg. Die wie beim Vorbild außen angeschlagen Kofferraumklappe - oder besser: -luke - gibt sonst bei geöffnetem Dach den Weg zu nur 120 Litern frei. Apropos Dach: Der Strip geschieht vollautomatisch in nur 15 Sekunden. Es müssen weder Verriegelungen geöffnet noch eine Persenning über das Verdeck gefummelt werden. Das Ganze funktioniert übrigens auch per Fernbedienung, was garantiert für erstaunte Gesichter bei den Passanten sorgt. Dank steiler Frontscheibe kommt im Mini Cabrio viel mehr Cabriofeeling auf als bei den neumodischen Pendants mit Stahl-Klappdach. Ab 120 km/h wird es allerdings orkanartig. Wer weniger Frischluft mag, kann aber die wirklich praktische ,,Schiebedach"-Funktion des Verdecks nutzen.

Doch ein Mini wäre kein Mini, wenn er seinen Besitzer nicht zu Eingeständnissen zwingen würde. Als da wären: Die Verarbeitung ist okay, bewegt sich aber nicht auf BMW-Niveau. Die Karosserie könnte zudem verwindungssteifer sein. Rumpelt man über grobe Fahrbahnunebenheiten, ist das cabrio-typische Zittern deutlich zu spüren. Weiteres Manko: Bei hohem Tempo sehr laute Windgeräusche halten den Komfort bei Autobahnetappen in Grenzen.

Das ohne Frage sehr stylische Cockpit zeigt sich nicht eben übersichtlich. Zwar liegen Tacho und Drehzahlmesser gut im Blickfeld, doch andere wichtige Informationen wie Wasser- und Öltemperatur oder Tankuhr findet man im mittig und zu tief platzierten ,,Center Speedo". Zu tief liegen auch die Knöpfchen für die Klimaanlage und die schicken ,,Toggles", die Schalter für Nebellampen und dergleichen. Dass sich die Motorhaube auf der Beifahrerseite öffnen lässt, muss an den britischen Genen liegen. Größtes Manko ist aber die Rundumsicht: Ist das Dach zu, sieht der Fahrer beim Schulterblick nach rechts nichts als die Innenseite des Verdecks. Ist das Dach zu, kann sich der Fahrer auch den Blick in den Innenspiegel sparen: Die massiven Überrollbügel versperren die Sicht durch das Heckfenster. Damit Rangieren nicht zur reinen Glückssache wird, ist ab Werk eine Einparkhilfe verbaut.

[strong]Antrieb und Fahrwerk[/strong]

Das Mini Cooper Cabrio schleppt dank aufwändiger Dachkonstruktion 100 Kilo mehr mit sich herum als die Limousine. Und die merkt der Fahrer leider in jeder Lebenslage. Der nominell immerhin 115 PS starke 1,6-Liter-Vierzylinder müht sich redlich, vermag aber nur nahe des Drehzahlbegrenzers wirklich Leistung bereitzustellen. Zudem sind die Gänge, besonders der fünfte, sehr lang übersetzt. Es muss also fleißig geschaltet werden, was mit dem knackigen Fünfgang-Getriebe aber eine wahre Freude ist. Exakt geführt, flitzt der Schalthebel in Rekordzeit durch die Gassen. Mit der ultradirekten Lenkung lassen sich Kurven super anpeilen. Das straffe, aber nicht zu harte Fahrwerk sorgt dafür, dass diese auch zügig durcheilt werden können. Die sprichwörtlichen Mini-Kurvenflitzer-Qualitäten hat also auch das Cabrio zu bieten.

[strong]Kosten[/strong]

20.550 Euro kostet das Mini Cooper Cabrio mindestens. Klingt viel, ist aber im Vergleich zur Retro-Lifestyle-Konkurrenz aus Wolfsburg (VW Beetle Cabriolet 2.0 mit 115 PS) 2.625 Euro günstiger. Allerdings zeigt sich die Serienausstattung ziemlich karg. Zwar stehen das elektrische Verdeck und die Einparkhilfe auf der Habenseite. Aber die Stabilitätskontrolle DSC III (470 Euro) muss ebenso extra geordert werden wie eine Klimaanlage (930 Euro), Metallic-Lack (390 Euro) oder CD-Laufwerk für das Radio (100 Euro). Die wirklich schicken zweiteiligen ,,Web Spoke"-17-Zöller unseres Testwagens kosten happige 1.800 Euro zusätzlich. Als Durchschnittsverbrauch sind zwischen acht und neun Liter realistisch. Wer aber alles aus seinem Cooper Cabrio herausquetscht, wird mit mehr als zwölf Litern auf 100 Kilometern bestraft. Dafür entschädigt der bayerische Brite mit moderaten Versicherungseinstufungen.

[strong]Fazit[/strong]

Ob das Preis/Leistungs-Verhältnis unter diesen Voraussetzungen stimmt, bleibt ganz der eigenen Gewichtung überlassen. In vielen Bereichen ist der Mini auch als Cabrio Klassenbester (Lenkung, Fahrwerk, für viele auch das Design). Dem stehen aber einige Schwächen gegenüber: Müder Motor, schlechte Übersichtlichkeit, karge Serienausstattung, geringer Praxisnutzen. Seinen Fans ist das egal. Der Mini ist süß, wetzt in Rekordzeit um Kurven und vermittelt eine ganz eigene Lebenseinstellung. Oder mit den Worten des eingangs erwähnten Mini-Fans: ,,Mini muss man mögen", um ihn uneingeschränkt lieben zu können.

[strong]Technische Daten (Werksangaben):[/strong]

Leistung: 85 kW (115 PS) / 6.500/min
Max Drehmoment: 150 Nm / 4.500/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h: 9,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
Durchschnittsverbrauch: 7,3 l / 100 km
Grundpreis: 20.550 Euro

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Mini-Testberichte

Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo