Seat Ibiza Cupra Test - Biene Majas unartiger spanischer Bruder

, 19.01.2012


Spielend einfach kommt man mit der Rennsportbremse zum Stehen. Die Elektronik sorgt dabei für die nötige Sicherheit und auch bei Beschleunigung und Kurvenhatz erzielt man damit, insbesondere dank der elektronischen Differenzialsperre XDS, eine erstaunlich gute Traktion mit wenig Untersteuern - trotz reinem Frontantrieb.


Im sportlich betonten Innenraum fühlt man sich schnell wohl

Sportlich geht es im Innenraum weiter, insbesondere das unten abgeflachte perforierte Lederlenkrad mit schicken Ziernähten und die Sportsitze mit rautenförmig abgestepptem Polster und eingesticktem Cupra-Logo, die einen richtig guten Seitenhalt geben, sind hier hervorzuheben. Die Haptik der verwendeten Materialien ist gut und wirkt nicht billig, auch wenn man in dieser Fahrzeugklasse nicht gerade von Leder und Alcantara erschlagen wird.

Leider gibt es im Innenraum ein kleines Manko: das sind die fehlenden Lenkradknöpfe. So lassen sich zwar gepflegt mit den Schaltpaddels am Lenkrad die Gänge reinknallen, aber nicht das Radio oder der Tempomat bedienen. Hierzu ist es erforderlich, sich erst einmal mit einem Bedienhebel auf der linken Seite des Lenkrades vertraut zu machen, was etwas dauert. Bekanntlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier und man gewöhnt sich letztlich an alles.

Die sportliche Optik zeigt sich für jeden ersichtlich im äußeren Erscheinungsbild. Gerade die Lackierung in „Crono Gelb“ bringt die Kurven und schnittigen Kanten des feurigen Ibiza Cupra richtig zur Geltung. Dazu trägt neben der von riesigen Lufteinlässen gesäumten Frontpartie das ebenso sportlich-aggressive Heck bei, das unter anderem durch den mächtigen Diffusor jedem „Angreifer“ schnell klar macht, dass hier kein 0815-Ibiza über die Landstraße tuckert.

Man sollte allerdings nicht zu genau auf den mittig montierten und wuchtig erscheinenden Auspuff starren; denn sonst wird es peinlich und man erkennt die mickrig wirkenden doppelflutigen Endrohre im inneren der verchromten Auspuffblende.


Sportliche Fahrweise fordert ihren Tribut - aber es macht einfach zu viel Spaß

Als kombinierten Durchschnittsverbrauch gibt Seat bescheidene 6,4 Liter auf 100 Kilometern an, was bei dynamischer Fahrweise jedoch nicht wirklich machbar ist. Der kombinierte Verbrauch in unserem zweiwöchigen Test lag zwischen 8 und 9 Litern pro 100 Kilometern. Bei Vollgassprints auf der Autobahn ging der Verbrauch noch einmal deutlich nach oben.

Stellt man den Verbrauch in Relation zur Leistung und sportlichen Abstimmung, ist dieser aber immer noch vertretbar und lässt sich durch vorausschauende Fahrweise auf einem niedrigeren Niveau halten, was wir ebenfalls erfolgreich praktizierten.

Der Basispreis des Ibiza Cupra startet bei 22.250 EUR und liegt damit im selben Preissegment wie die Konkurrenz aus Italien (Fiat Grande Punto Abarth, 160 PS, 22.600 EUR), Frankreich (Renault Clio RS, 201 PS, 22.500 EUR) und Deutschland (Opel Corsa OPC, 192 PS, 23.100 EUR).

Mit der Sonderausstattung, unter anderem Bi-Xenon, Lederpaket, Technik-Paket 2 und Navigationsvorbereitung, kam unser Testwagen auf 25.005 EUR. Wie so oft entscheidet hier das persönliche Gusto, für welchen der fahragilen Kompakt-Sportler man sich letztendlich entscheidet. Preislich sind die Unterschiede eher marginal.


Fazit: Das gewisse Etwas an „Unartigkeit“ für sportlich ambitionierte Fahrer

Natürlich besitzt der Seat Ibiza Cupra seine Stärken und Schwächen. Aber wer weg vom Einheitsbrei des deutschen Straßenbildes möchte, wem sportliche Werte auch in der Kompaktklasse wichtig sind und für wen ein absolut bestechendes, sportlich-aggressives Erscheinungsbild einfach dazu gehört, der ist beim Ibiza Cupra hervorragend aufgehoben.

Und mal ganz ehrlich: Wer will schon ein glatt gebügeltes Auto ohne Ecke und Kanten, ohne Emotionen und ohne diese gewisse „Unartigkeit“?! Also liebes Seat-Team: Bitte versorgt unser Straßenbild auch weiterhin mit so feurigen sportlichen Kompakten und sorgt in Zukunft weiterhin für Emotionen auf deutschen Straßen.


Datenblatt Seat Ibiza Cupra:

Antriebsart: Frontantrieb | Hubraum: 1.390 cm³ | Motor: 4-Zylinder Turbo-Kompressor | Leistung: 132 kW/180 PS bei 6.200 U/min | Drehmoment: 250 Nm bei 2.000 - 4.500 U/min | Vmax: 225 km/h | Beschleunigung 0-100 km/h: 7,2 Sekunden | Durchschnittsverbrauch: 6,4 l/100 km | CO2-Emission g/km: 148 (EU5) | Leergewicht nach DIN: 1.169 kg | Preis: ab EUR 22.250,00

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2 Kommentare > Kommentar schreiben

24.01.2012

Nur kurz zur Gedenksekunde: Ich glaube - da mögen mich bitte die technikkundigen korrigieren, wenn ich jetzt Blödsinn schreibe - , dass das möglicherweise mit dem DKG in Zusammenhang steht. Beim Z4 erlebe ich ähnliches und ein Kollege von mir bei einem Audi Q5 hat mir auch ein ähnliches Verhalten geschildert. Ich denke einmal, dass da die Kupplungselektronik versucht sich erst zu überlegen, welchen Gang es denn jetzt braucht. Wenn ich aber vorher schon etwas die Drehzahl erhöhe, bevor ich ordentlich aufs Gas steige, dann bleibt diese Gedenksekunde aus und mein Z4 zieht sofort ab. Lästig ist dieses Verhalten nur beim "beherzten" Überholen. Da kann es dann schon einmal eine kurze Schrecksekunde geben, wenn er nicht gleich abzieht.

30.07.2012

Dieses verhalten ist mir auch schon des öfteren zu Ohren gekommen. Dabei wundert mich es dann stark, das so etwas anscheinend bei Tests nicht wahrgenommen wird. Oder wird es einfach ignoriert?


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