Seat Ibiza Cupra Test - Biene Majas unartiger spanischer Bruder

, 19.01.2012


Da war er, der Tag, an dem der Seat Ibiza Cupra in unseren Redaktionsalltag trat und uns für zwei Wochen als treuer Weggefährte begleiten sollte. Wir hatten Befürchtungen, Wünsche, Ziele und es gab Überraschungen. Doch dazu später mehr in unserem Ibiza Cupra Test. Zugegeben, wir waren schon sehr gespannt auf den kleinen Spanier, der mit 180 PS, dem ausschließlich mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) erhältlichen und kompakten Außenmaßen von der Norm der üblichen Verdächtigen - gemeint ist die Fahrzeuggattung „Stadtflöhe“ - etwas abweicht. Der kleine Spanier wirkt mehr wie der Nachwuchs eines hoch gezüchteten Stiers aus der „Plaza de Toros“, der Stierkampfarena.

Als der Wagen gegen Nachmittag mit seinen spanischen Kanten und Rundungen, den markanten Luftein- bzw. Luftauslässen und einem verdammt sexy aussehenden „Crono Gelb“ auf dem Hof stand, war alles klar: Das werden zwei fahraktive, besonders lässige Wochen mit der kleinen, gelben spanischen Biene Maja.

Natürlich ist der Ausdruck „Biene Maja“ nicht ganz ernst gemeint, ist diese doch als wohl erzogene, niedliche und zuvorkommende Kinderfigur einschlägig bekannt. Deswegen sprechen wir fortan auch vom „spanischen Bruder der Biene Maja“. Es ist vielmehr der unartige Bruder: wohl erzogen, birgt er gut bürgerliche innere Werte aus dem deutschen VW-Konzern in sich, vereint aber unweigerlich das spanische Temperament, das nicht lange aus ihm herausgekitzelt zu werden braucht.


Dank zweistufiger Aufladung gehört das Turboloch der Vergangenheit an

Bleiben wir erst einmal bei den Fakten und den gutbürgerlichen, typisch deutschen inneren Werten, einem Antriebsstrang aus Wolfsburg baugleich mit dem des Polo GTI. Der 1.4-TSI-Motor erzeugt im Ibiza Cupra eine Leistung von 180 PS (132 kW) und schickt ein maximales Drehmoment von 250 Nm über das 7-Gang-DSG an die Vorderachse.

Durch die zweistufige Aufladung gibt es kein Turboloch mehr, da der Kompressor ab Drehzahlstart zur Verfügung steht und vom Turbolader ab 3.500 U/min abgelöst wird, so dass dieser erst einmal Pause für den nächsten Schub machen kann. Die Folge: ein sauberes Drehzahlband ohne Leistungsabfall und Durchzugskraft in jeder Lage.

Etwas störend ist allerdings die kleine Gedenksekunde, die sich der Ibiza Cupra genehmigt, wenn man beherzt auf das Gas tritt. Hier könnte man meinen, dass der Rennzwerg erst noch einmal ein extra großes Brikett ins Feuer wirft, bevor es wirklich zur Sache geht. Die Reaktionszeiten nach dem Tipp auf die Schaltwippe dauern etwas zu lange; besonders beim Herunterschalten macht sich dies bemerkbar.

Im Automatik-Sportmodus gelang Seat eine bessere Lösung, doch die damit verbundene Geräuschkulisse bei permanenten Ausflügen in das Drehzahlband-Maximum nerven recht schnell, so dass hier noch Optimierungsbedarf vorhanden ist, der vielleicht im bald erscheinenden Facelift der Vergangenheit angehört.

Fahrdynamisch zeigt sich der Seat Ibiza Cupra von seiner besten Seite. So vergehen nur respektable 7,2 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h. Der Vortrieb endet erst bei Tacho 240, was laut Seat-Papieren einer realen Geschwindigkeit von 225 km/h entspricht, die wir ihm sofort abnehmen.

Die 17-Zoll-Leichtmetallräder mit Bereifung in der Dimension 215/40 R 17, das sportlich straffe Fahrwerk, das den Ibiza Cupra um 10 Millimeter tiefer legt und die fast schon zu leichtgängige Lenkung lassen den feurigen Spanier spielend einfach durch jede Kurve tanzen - sogar auf schlechten Straßen, auf denen der Komfort mit dem neuen Fahrwerk deutlich gestiegen ist.

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2 Kommentare > Kommentar schreiben

30.07.2012

Dieses verhalten ist mir auch schon des öfteren zu Ohren gekommen. Dabei wundert mich es dann stark, das so etwas anscheinend bei Tests nicht wahrgenommen wird. Oder wird es einfach ignoriert?

24.01.2012

Nur kurz zur Gedenksekunde: Ich glaube - da mögen mich bitte die technikkundigen korrigieren, wenn ich jetzt Blödsinn schreibe - , dass das möglicherweise mit dem DKG in Zusammenhang steht. Beim Z4 erlebe ich ähnliches und ein Kollege von mir bei einem Audi Q5 hat mir auch ein ähnliches Verhalten geschildert. Ich denke einmal, dass da die Kupplungselektronik versucht sich erst zu überlegen, welchen Gang es denn jetzt braucht. Wenn ich aber vorher schon etwas die Drehzahl erhöhe, bevor ich ordentlich aufs Gas steige, dann bleibt diese Gedenksekunde aus und mein Z4 zieht sofort ab. Lästig ist dieses Verhalten nur beim "beherzten" Überholen. Da kann es dann schon einmal eine kurze Schrecksekunde geben, wenn er nicht gleich abzieht.


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