Subaru BRZ Test - Der japanische Boxer mit der Lizenz zum Driften

, 15.02.2013


Betrachtet man die technischen Daten des Subaru BRZ ganz nüchtern, so scheint es, als ob wir uns nach all den potenten und aufgeladenen Fahrzeug-Tests der letzten Monate heute einem auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden kleinen Renner im Test widmen. Weit gefehlt oder doch nicht?

Der 4,24 Meter kurze und 1,78 Meter schmale Japaner bringt die aus einem 2,0 Liter großen Vierzylinder-Boxermotor generierten 200 PS über die Hinterachse auf den Asphalt. Dank eines Leergewichtes von nur 1.220 Kilogramm (6-Gang Schalter in der Ausstattungsvariante „Active“) vergehen für den Sprint von 0 auf 100 km/h lediglich 7,6 Sekunden. Spätestens bei Schlagworten wie „knapp 1.200 Kilogramm“, „200 PS Boxer-Drehzahl-Orgel“ und „Heckschleuder“ sollte jedem „Speed Head“ klar sein, dass die anfangs so nüchtern scheinenden technischen Daten für übertriebenen Fahrspaß sorgen werden.

Doch bleiben wir für einen Moment bei den Fakten. Der niedrig und weit in den Radlauf positionierte 16V-Boxermotor benötigt ordentlich Drehzahl; denn sein Leistungshoch generiert das Triebwerk erst bei etwa 7.000 U/min. Im Vergleich zu aufgeladenen Turbo- oder Kompressor-Motoren sorgt dies freilich für eine fehlende Spritzigkeit in der Beschleunigung. Bei der spektakulären Kurvenhatz im Quermodus spielt das allerdings eine untergeordnete Rolle.

Spätestens seit Walther Röhrls Zitat „Gute Fahrer haben die Fliegenreste auf den Seitenscheiben" wissen wir alle, dass der größte Fahrspaß beim Übersteuern eines Fahrzeugs entsteht. Was wir landläufig als Drift bezeichnen, ist mit dem Subaru BRZ bei deaktivierter Elektronik in seiner vollen Pracht möglich - selbst unerfahrene „Drifter“ kommen ausgesprochen gut und schnell damit zurecht.

Auf das Rennfeeling scheint Subaru bzw. Toyota, die mit dem Toyota GT86 den baugleichen Zwillingsbruder zum Subaru BZR entwickelten, besonderen Wert gelegt zu haben. Das Fahrwerk ist knüppelhart abgestimmt und sorgt für eine sehr gute Kurvenlage. Die Abstimmung gelang sogar so gut, dass selbst weniger geübte Fahrer damit sicher und extrem agil zur Kurvenhatz blasen können.

Die Einzelradaufhängung und die MacPherson-Federbeine an der Vorderachse maximieren die Festigkeit und sorgen für sehr direkte Lenkeingriffe des Fahrers. Der Subaru BRZ giert förmlich nach jeder Kurve und er scheint sich regelrecht darauf zu freuen, mit deaktivierter Elektronik quer durch die Kurven zu „fliegen“ - besonders die Ausstattungsvariante „Sport“, die ein Torsen-Sperrdifferenzial an der Hinterachse beinhaltet, das sich als identisch mit dem im leistungsstarken WRX STI erweist, steigert den Fahrspaß noch einmal deutlich.

Der Innenraum konzentriert sich auf das Wesentliche

Dieser Charakter setzt sich auch im Innenraum fort. Dort ist alles auf das Wesentliche beschränkt und das fehlende Navigationssystem in unserem Testwagen vermissen wir keine Sekunde. Selbst das fummelige Radio und die Anzeigen im Stil der 1990er-Jahre verzeiht man dem Subaru BRZ nach einigen Minuten am Steuer sofort.

Der Drehzahlmesser nimmt im Vergleich zur Geschwindigkeitsanzeige einen deutlich größeren Platz ein, was uns besonders gut gefiel. Die Übersichtlichkeit im Alltag leidet darunter keinesfalls; denn die Geschwindigkeit wird zusätzlich digital in einem kleinen Display am Drehzahlmesser angezeigt, wie man das auch von Porsche kennt.

Die Sportsitze bieten einen sehr guten Seitenhalt bei tiefer Sitzposition und die Gänge flutschen mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe (optional ist eine Automatik erhältlich) förmlich durch die Schaltkulisse. Besonders gut klappt das bei dem kurzen Schaltweg mit etwas Zwischengas, was zugleich die „nickende Kopfbewegung“ des Beifahrers minimiert.

Wählt der Käufer die Ausstattungslinie „Sport“, kommen die Sitze und das Lenkrad mit schicken roten Ziernähten daher. Da das Fahrzeug extrem authentisch ist, verschwendet niemand einen Gedanken an die klangtechnisch verbesserungswürdige CD-Audio-Anlage. Wer dennoch auf etwas mehr Komfort nicht verzichten mag, bekommt ein Navigationssystem samt Touchscreen zum Aufpreis von 860 EUR. Die Frage der Sinnhaftigkeit dieses „Audio-Gerappels“ stellt sich dennoch, hat man mit dem Subaru BRZ immerhin einen richtigen „Drifter“ unterm Hintern, der mehr Spaß bringt als jeder Lautsprecher generieren kann.

Rennfeeling für den schmalen Geldbeutel

Toyota/Subaru erschien der Renncharakter noch nicht genug. Gemeinsam mit den Ingenieuren wurde das Fahrzeug so konstruiert, dass bei umgeklappter Rückbank ein kompletter Satz Felgen mit aufgezogenen Reifen für den Rennstreckeneinsatz in den Kofferraum des BRZ passt. Was man nicht erwartet: mit den umklappbaren Rücksitzlehnen ist sogar genug Platz für umfangreiches Gepäck vorhanden. An dieser Stelle ein ganz großes „Chapeau“! Es ist einfach wunderbar zu sehen, dass sich ein Hersteller über solche Feinheiten Gedanken macht und ein Auto konstruiert, das zum bezahlbaren Preis (ab 29.500 EUR) den Spagat zwischen Alltagsgerät und Rennstreckentool schafft.

Neben den Vorzügen als Rennstreckentool für den eingefleischten Hobby-Drifter meistert der Subaru BRZ auch den Alltag mit kleinen Abstrichen sehr gut. So erfolgt das Ein- und Aussteigen etwas mühselig und ein vollständiger Wohnungsumzug ist damit freilich nicht zu bewerkstelligen. Natürlich ist der BRZ nicht so komfortabel wie eine rückenschonend gefederte Limousine. Aber das darf bei einem Sportwagen wie dem Subaru BRZ auch niemand ernsthaft erwarten.

Der flinke Japaner besitzt nur die nötigsten elektronischen Gimmicks und technischen Spielereien an Bord, bietet aber für den Winter eine Heizung, eine Heckscheibenheizung und sogar eine Sitzheizung. Selbst die Fensterheber brauchen nicht mit der Hand gekurbelt zu werden, sondern fahren elektrisch - herrlich. In der Ausstattungsvariante „Sport“ sind sogar die Außenspiegel elektrisch anklappbar und in Wagenfarbe lackiert.

Neben dem „Keyless Access“ (schlüsselloser Zugang) bietet der BRZ einen Knopf zum Starten des Motors. Die Klimaanlage läuft dann gegenüber der „Active“-Ausstattung statt auf manuell auch im Automatik-Modus. Xenon-Scheinwerfer sind in beiden Ausstattungslinien enthalten.

Wer mehr benötigt, wird in der Sonderausstattungsliste fündig. Hier gibt es neben dem angesprochenen SD-Karten-Navigationssystem mit Touchscreen eine Ultraschalleinparkhilfe hinten. Den richtigen „Speed Head“ interessiert vermutlich das Zubehörprogramm mit Optikteilen in Chrom- und Carbon-Look mehr. Die „Sport“-Ausstattung beinhaltet übrigens bereits eine Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) für die Warmduscher da draußen.

Die Verkörperung des intensiven Fahrcharakters

Die flache Front wirkt dank kurzer Überhänge, sportlich niedriger Dachlinie und muskulös ausgeprägten Radläufen aggressiv. Dieses Bild betonen die Xenon-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht zusätzlich. Die Seitenlinie setzt den sportlichen Look fort und sorgt durch die dadurch bedingten kleinen Seitenscheiben nach der B-Säule für ein etwas eingeschränktes Blickfeld im Fahrzeuginnern.

Der auf dem kurzen Heck sitzende Heckspoiler, der die Luftströmung optimiert und der Diffusor, der die Duplex-Abgasanlage umrundet und zusätzlichen Abtrieb nebst einer besseren Straßenlage ermöglicht, sorgen für Respekt beim „Verfolger“. Leider könnte das Klangbild der Abgasanlage deutlich kräftiger, sonorer und aggressiver ausfallen. Hier sorgen allerdings die Tuner mit ihrem umfassenden Angebot schnell für Abhilfe. Dann tönt es sogar passend zum sonst sehr sportlichen Image aus den Endrohren des Subaru BRZ.

Die 5 Jahre Subaru-Garantie bis 160.000 km steht für Sorgenfreiheit

Dass es Subaru mit der Alltagstauglichkeit und insbesondere der Haltbarkeit ehrlich meint, zeigt die „5 Jahre Garantie bis 160.000 km“, die unter anderem eine 12 jährige Garantie gegen Durchrostung, 3 Jahre Garantie gegen Oberflächenkorrosion und 2 Jahre Garantie auf Original-Ersatzteile und Zubehör enthält. Den Geldbeutel freut zudem, dass sich der Subaru BRZ lediglich 6,9 Liter auf 100 Kilometern im Mittel genehmigt. Selbst bei extrem sportlicher Fahrweise brachten wir den Kurvenabräumer kaum über die 9-Liter-Grenze. Bei diesen Werten tankt man gerne das etwas teurere Super-Plus (98 ROZ), das Subaru empfiehlt.

Fazit: Der perfekte Spagat zwischen Alltagsgerät und Rennstreckentool für den Speed Head von heute.

Subaru gelang der Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Sportwagen, der auch wunderbar für den Einsatz auf der Rennstrecke funktioniert, perfekt. Die durchdachten Feinheiten für diesen Einsatzzweck verdienen ein besonderes Lob. Die kleinen Schwächen in Haptik und Ausstattung sind sofort verziehen, hält man sich vor Augen, was das Fahrzeug wirklich darstellt und wofür es gebaut wurde.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass Subaru bzw. Toyota ein noch leistungsstärkeres STI-Modell auf den Markt bringt. Wie wäre es wohl, den Subaru BRZ bei gleichen Fahreigenschaften und technischen Voraussetzungen mit 300 PS+ durch die Kurven zu prügeln? Wir freuen uns drauf; denn es gilt als relativ sicher, dass eine solche Version kommt.


Technische Daten Subaru BRZ:

Antriebsart: Hinterradantrieb | Hubraum: 1.998 cm³ | Leistung: 147 kW/200 PS | Drehmoment: 205 Nm bei 6.500 U/min | Vmax: 230 km/h (210 km/h mit Automatik-Getriebe)| Beschleunigung 0-100 km/h: 7,6 Sekunden (8,2 Sekunden mit Automatik-Getriebe) | Durchschnittsverbrauch: 6,9 l/100 km | CO2-Emission: 159 g/km | Preis: ab 29.500 EUR

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