Suzuki LJ80 Test: Der gnadenlose Spaß zum Kampfpreis

, 03.08.2015


Zu den absoluten Kult-Autos, die ein Autoenthusiast einmal gefahren haben müsste, gehört der Suzuki LJ80, mit dem die Japaner 1980 ihren Markteintritt in Deutschland feierten und einen echten Hit landeten. Aus heutiger Sicht ist das Fahren mit dem „Eljot“ fast kriminell und zugleich eine Riesengaudi, da die Insassen hin und her geworfen werden. Wir wollten den Spaß selbst erleben und erfahren, was den Kult um den Suzuki LJ80 ausmacht. Ein Test musste her - kein leichtes Unterfangen; denn die meisten LJ80 sind mittlerweile weg-gerostet und gut erhaltene Exemplare ziemlich rar.

Ein Auto wie den Suzuki LJ80, die Abkürzung „LJ“ steht für „Light Jeep“, gab es damals in dieser Form in Deutschland noch nicht: voll geländetauglich, bewusst spartanisch, 39 PS, mit 820 Kilogramm extrem leicht und selbst mit aufgesetztem Reserverad am Heck nur 3,195 Meter lang. Die Breite beträgt kuschelige 1,395 Meter (sogar der Smart ist mit 1,663 Metern deutlich breiter) und die Höhe 1,845 Meter. Wer vor einem Suzuki LJ80 steht, muss unweigerlich an ein cooles Spielzeug-Auto denken, das sich aber in echt fahren lässt.

Mit einem Kampfpreis von 12.500 D-Mark (6.391,15 Euro) kam der Eljot auf den Markt und machte Allradler plötzlich erschwinglich. Für die Türen waren, wer sie haben wollte, 150 D-Mark (76,69 Euro) und für das Planen-Verdeck nochmals 330 D-Mark (168,73 Euro) erforderlich. Bereits 1981 folgte das erste Sondermodell, das - wie sollte es auch anders sein - „Eljot“ hieß, auf 500 Exemplare limitiert war und sich mit einem weißen Verdeck, einem weißen Kühlergrill, einem weißen Frontschutzbügel und weißen Stahl-Felgen im Kontrast zur blauen Metallic-Lackierung richtig in Szene setzte.

Komfort und Raumfreiheit: das sind Fremdworte für den Suzuki LJ80. Nach dem Einstieg schmiegt sich die Tür dicht an das Bein und den Oberkörper, während die Augen über nacktes Blech schweifen. Die Serienausstattung umfasste vorne kleine, unbequeme Sitze, hinten zwei Klappsitze längs zur Fahrtrichtung, eine Heizung mit Gebläse und Umluft-Schaltung sowie zweistufige Scheibenwischer im Kleinstformat, die sich über minimalistisch angebrachte Hebel steuern lassen. Dazu kommen ein Tacho bis 120 km/h, eine Kraftstoffanzeige und eine Anzeige für die Kühlwassertemperatur - das musste reichen.

Antrieb: Von LKWs angeschoben

Für den Vortrieb des Suzuki LJ80 sorgt ein kleiner Vierzylinder-Benziner mit einem Hubraum von 797 cm³, der 39 PS bei 5.750 U/min und ein maximales Drehmoment von 60 Nm bei 3.500 Touren generiert. Auf dem Asphalt quält sich der Eljot in 25 Sekunden von 0 auf 100 km/h und außerhalb der Ortschaften schieben Lastwagen den kleinen Japaner förmlich an. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt rührende 107 km/h.

Die 4-Gang-Handschaltung ist aufgrund der kaum vorhandenen Durchzugskraft äußerst kurz übersetzt, wobei sich die Gänge, bis auf den Rückwärtsgang, sogar überraschend einfach finden lassen. Auf der Landstraße fährt der LJ80 quasi unter Volllast und begnügt sich dabei mit rund 10 Litern Sprit auf 100 Kilometern.

Ein Geradeauslauf ist quasi nicht vorhanden und das Spiel der Lenkung immens. Fest zupackende Bremsen? Ein Fremdwort. Dazu rappelt und klappert es und das Verdeck schlägt gegen die Bügel. Um offener als jedes Cabrio zu fahren, müssen zahlreiche Druckknöpfe gelöst werden.

Kann das alles wirklich Spaß bereiten? Und was für einen!

Abseits der Straße auf Feldwegen und Wiesen hoppelt der mit extrem harten Blattfedern ausgestattete Suzuki LJ80 über Unebenheiten und kennt keinen Halt. Das ist der pure Spaß, verbunden mit einem Gefühl von Freiheit, das heutige Autos nur noch selten bieten. Man wird hin und her geworfen und kann wie bei einer kurvigen Rutsche nicht genug davon bekommen. Dazu gehört der kurze Radstand von nur 1,930 Metern, der für einen besonders kleinen Wendekreis sorgt und das Überfahren von Kuppen ohne Aufsetzen ermöglicht.

Der TÜV wollte es: Suzuki LJ80 in Deutschland mit einer Besonderheit

Der Suzuki LJ80 war bereits damals absoluter Kult und bestach durch seine überragenden Geländeeigenschaften. Der während der Fahrt über einen zweiten Schalthebel zuschaltbare Allradantrieb, im Normalfall wird der „Eljot“ über die Hinterräder angetrieben, sowie das Zwischengetriebe mit Geländegang und Differenzialsperre hinten lassen den kleinen Offroader lässig durch echtes Gelände fahren.

Dass der hierzulande verkaufte Suzuki LJ80 eine mechanische Hinterachssperre mit 100 Prozent Sperrwirkung besitzt, ist der deutschen Zulassungsbehörde zu verdanken. Die Handbremse wirkt nur auf die Kardanwelle und nicht direkt auf die Fahrzeugräder - das reichte dem TÜV damals zur Erteilung der allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) nicht aus. Daher war die Differentialsperre nicht für den Einsatz im Gelände, sondern nur als Parksperre gedacht und entsprechend schwach ausgelegt. Wer vergisst, die Sperre auszuschalten, riskiert sogar einen Bruch der Hinterachse. Auf der anderen Seite gibt es genug Achsen auf dem Ersatzteilmarkt, da diese nach dem Wegrosten der Karosserie übrig bleiben.

Die Bodenfreiheit von 24 Zentimetern und die Wattiefe von 45 Zentimetern sind für den Suzuki LJ80 kennzeichnend. Selbst der aktuelle Jeep Renegade Trailhawk, der sich wie ein Großer über Offroad-Pisten wühlt, besitzt „nur“ eine Bodenfreiheit von 22 Zentimetern und eine Wattiefe von 48 Zentimetern. Für den Kontakt zum Boden sorgen bei unserem Testwagen derweil 15-Zoll-Räder mit Reifen im Format 195/80 R15.

Fazit:

Böse Zungen behaupten, der Suzuki LJ80 roste schneller als er fährt. Doch durch den sensationell günstigen Preis, den großen Spaßfaktor und die hohe Geländetauglichkeit schlossen die Autoenthusiasten den Eljot schnell in ihr Herz und der Kleine avancierte zu einem Bestseller. Der Suzuki LJ80 war vom Start weg Kult - und ist es mit seinem besonderen Charme bis heute geblieben. Die „alte Liebe“ setzte tatsächlich oftmals Rost an, aber mental klappt bei den verbliebenen Exemplaren noch alles. Extrem selten sind die perfekt instand gehaltenen Exemplare wie unser Testwagen.

Auf den Suzuki LJ80, der in Deutschland 1982 vom Suzuki SJ abgelöst wurde, folgten viele weitere Modelle, mit denen Suzuki seine Präsenz auf dem deutschen Markt erfolgreich ausbauen konnte - heute selbstverständlich rostfrei, komfortabel und mit modernster Technik an Bord.

Technische Daten Suzuki LJ80:

Antriebsart: Hinterradantrieb mit zuschaltbarem Allradantrieb
Hubraum: 797 cm³
Leistung: 29 kW/39 PS bei 5.750 U/min
Drehmoment: 60 Nm bei 3.500 U/min
Getriebeart: 4-Gang-Handschaltgetriebe
Vmax: 107 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 25 Sekunden
Preis: 12.500 D-Mark (6.391,15 Euro)

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