Essen 2003: Mitsubishi - Weltpremiere des neuen Lancer WRC04

, 15.12.2010

Mitsubishi bot auf der Essen Motor Show eine Weltpremiere und präsentierte das von seiner für den Motorsport verantwortlichen Tochterfirma MMSP entwickelte Fahrzeug, mit dem die Marke in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2004 antreten wird: den Mitsubishi Lancer WRC04. Das komplett neu entwickelte, in neuen Farben lackierte Auto ist zentrales Element der langfristigen Strategie von Mitsubishi, die erfolgreiche Historie in der Weltmeisterschaft fortzusetzen. Der 300 PS starke Mitsubishi Lancer WRC04 mit einem maximalen Drehmoment von 550 Nm bei 3.500 U/min wird bei allen 16 WM-Läufen 2004 an den Start gehen.

Das Reglement für World Rallye Cars (WRC) schreibt als Basis ein Großserienfahrzeug vor, das mindestens 25.000 Mal pro Jahr produziert wird. Der Mitsubishi Lancer WRC04 stammt deshalb wie seine Vorgänger vom Serien-Lancer ab. Das spektakuläre Design deutet jedoch bereits an, dass er mit früheren World Rally Cars von Mitsubishi wenig gemeinsam hat. Erneut wurden für Design und Entwicklung die Ressourcen von Mitsubishi sowohl in Japan als auch in Europa genutzt.

Mitsubishi sieht die Saison 2004 bewusst als Lehrjahr, um Fahrzeug, Team und Fahrer gründlich auf die Zukunft vorzubereiten. Aus diesem Grund wurde der Mitsubishi Lancer WRC04 als Fahrzeug konzipiert, das seine Stärken auf jedem Terrain – Asphalt, Schotter, Schnee – ausspielen kann. Mit konsequenten Weiterentwicklungen im Verlauf der Saison 2004 soll die Basis gelegt werden für zukünftige Erfolge.

„Der Mitsubishi Lancer WRC04 unterscheidet sich stark von unseren früheren World Rallye Cars“, sagt Mario Fornaris, Technischer Direkter und Geschäftsführer von MMSP. „Wir haben etwa 6.000 Änderungen vorgenommen. Wir haben die Freiheiten des WRC-Reglements ausgenutzt. Trotzdem ist es meine Philosophie, in einem ersten Schritt zunächst ein relativ konventionelles Fahrzeug zu bauen. Erst wenn wir damit voll zufrieden sind, werden wir in der Zukunft technisch aufwendigere Lösungen integrieren.“

Die Karosserie des Mitsubishi Lancer WRC reflektiert die zunehmende Bedeutung der Aerodynamik in der Rallye-Weltmeisterschaft. MMSP nutzte fast drei Wochen lang den Windkanal des renommierten Rennwagenbauers Lola, um Front- und Heckschürze, Motorhaube und Heckspoiler zu optimieren. Erste Priorität hatte dabei der aerodynamische Abtrieb. Gleichzeitig galt es aber auch, die Luftführung im Motorraum zu verbessern, um eine optimale Anströmung der Kühler zu erreichen. Darin äußert sich bereits der Konflikt, in dem sich die Designer eines World Rallye Cars befinden. Zum einen garantiert nur ein aerodynamisch perfektes Fahrzeug gute Konkurrenzfähigkeit bei Hochgeschwindigkeitsrallyes. Auf der anderen Seite funktioniert der Turbomotor des Mitsubishi Lancer WRC04 nur optimal, wenn ausreichende Kühlung gewährleistet ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die höchsten Außentemperaturen von stellenweise mehr als 30 Grad ausgerechnet in jenen Ländern angetroffen werden, in denen die Fahrgeschwindigkeit auf den Rallye-Wertungsprüfungen relativ gering ist.

Beim Design des Chassis stand nicht nur das optimale Handling im Vordergrund. Ebenso wichtig waren Robustheit, einfacher Aufbau der Fahrwerkskomponenten und leichte Zugänglichkeit für die Servicemechaniker. Der Mitsubishi Lancer WRC04 verfügt ringsum über Radaufhängungen vom System McPherson. Dieser Aufbau ist nicht nur äußerst stabil und wartungsfreundlich. Die einzelnen Komponenten sind im Bedarfsfall auch weitgehend austauschbar zwischen Vorder- und Hinterachse, rechter und linker Fahrzeugseite. Die meisten Bauteile sind im Sinne größtmöglicher Zuverlässigkeit aus Stahl gefertigt. Große Teile der Lenkung und der vordere Rahmen wurden neu gestaltet, weil der Motor nun – wie vom WRC-Reglement erlaubt – um 20 Grad nach hinten geneigt positioniert ist, um die Gewichtsverteilung zu optimieren.

Der Zweiliter-Vierzylinder verfügt über einen 16-Ventil-Zylinderkopf, zwei obenliegende Nockenwellen und stammt aus der selben Motorenfamilie (4G6) wie die Triebwerke der erfolgreichen Rallye-Lancer der jüngeren Vergangenheit. Er baut ebenfalls auf einem Motorblock aus Gusseisen und einem Zylinderkopf aus Aluminium, wurde aber in vielen Bereichen geändert. Er basiert auf dem Triebwerk des neuen Serienmodells Mitsubishi Lancer Evo VIII. Neu sind allerdings der Turbolader – ausgerüstet mit dem vom Reglement vorgeschriebenen 34-Millimeter-Luftmengenbegrenzer (Airrestrictor) im Ansaugtrakt – Einlass- und Auspuffkrümmer sowie wichtige interne Bauteile. Die Maße für Zylinderbohrung und Hub bleiben zwar unverändert, Kurbelwelle, Pleuelstangen und Kolben wurden jedoch erleichtert. Ebenfalls neu ist das elektronische Motormanagement. Zum ersten Mal arbeitet MMSP mit dem Elektronikspezialisten Magneti Marelli zusammen, der ein System zur Verfügung stellt, das ohne Sicherungen und Schalter auskommt. Es besteht aus zwei Steuereinheiten, jeweils eine für Motor und Chassis. Weil sie miteinander vernetzt sind, kann im Bedarfsfall auch jede für sich die Steuerung sämtlicher elektronischer Fahrzeugfunktionen übernehmen. Diese Konstellation erhöht die Zuverlässigkeit und spart gleichzeitig Gewicht.

Auch das Antriebssystem reflektiert die neue Strategie von MMSP und weist nur wenige Gemeinsamkeiten mit der in früheren WRC verwendeten Technik auf. Der Mitsubishi Lancer WRC04 ist ausgerüstet mit einem quer eingebauten Fünfganggetriebe. Die Schaltung funktioniert manuell. Das Planetendifferenzial in der Mitte, Front- und Hinterachsdifferenzial arbeiten mechanisch.

„Wegen der kleinen Airrestrictoren, die vom WRC-Reglement vorgeschrieben sind, verfügt der Motor des Mitsubishi Lancer WRC04 über ein so hohes Drehmoment, dass die Verwendung eines Fünfganggetriebes die optimale Lösung darstellt“, sagt Mario Fornaris. „Der sechste Gang, wie er in WRC-Fahrzeugen meist üblich ist, erscheint mir verzichtbar. Wir werden trotzdem mit unterschiedlichen Möglichkeiten testen und, falls nötig, neue Techniken integrieren.“

Die Entscheidung, passive Differenziale zu verwenden, ist ebenfalls ungewöhnlich. Sie ist Ausdruck des Bestrebens von MMSP, zunächst das Chassis des Mitsubishi Lancer WRC04 bis ins Detail zu verstehen, bevor technische Änderungen vorgenommen werden. So steht bereits während der Saison 2004 eine halbautomatische Gangschaltung auf dem Entwicklungsplan, die eingesetzt werden soll, sobald MMSP von Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des neuen WRC überzeugt ist. Aktive Differenziale befinden sich ebenfalls in der Entwicklung, jedoch nicht mit hoher Priorität.

Die Bremsen des Mitsubishi Lancer WRC04 stammen vom Zulieferer Brembo und sind – auch in diesem Bereich setzt MMSP zunächst auf Einfachheit – nicht wassergekühlt.

In den ersten drei Monaten der FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2004 wird der Mitsubishi Lancer WRC04 mit Asphalt und Eis in Monte Carlo, Schnee in Schweden sowie Staub und Schotter in Mexiko konfrontiert. „Wir erwarten von dem Auto nicht sofort Topresultate“, erläutert Mario Fornaris. „Im Moment kann man noch überhaupt nichts über die Leistungsfähigkeit sagen. Der Mitsubishi Lancer WRC04 ist brandneu, wir hatten wenig Zeit für Entwicklung und Tests. Wir werden mit Sicherheit zunächst einige Probleme lösen müssen, wie es bei jedem Protoypenfahrzeug der Fall ist. Die Grundidee war, für den Start alles so einfach wie möglich zu halten. Wir wissen, dass wir noch eine Menge über das Auto lernen müssen. Wir hoffen natürlich, dass der Mitsubishi Lancer WRC04 auf Anhieb schneller ist als der Vorgänger. Wir werden das Auto Schritt für Schritt entwickeln und rechnen mit höherer Konkurrenzfähigkeit in der zweiten Hälfte der Saison. Wir werden auf diese Weise schnellere Fortschritte erzielen. Wir stellen uns einem extrem harten Wettbewerb.“

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3 Kommentare > Kommentar schreiben

15.12.2003

Die technischen Daten lassen auf eine spannende Rallysaison hoffen... Aber so wie er da steht gefällt er mir nicht! Da ist sein Vorgänger schon besser... Aber die Straßenversion wird sich noch ändern und annehmbarer werden, denk ich mal...

15.12.2003

Ich jedenfalls freue mich schon auf die Straßenversion :evil:

15.12.2003

Das Heck mit dem zweiteiligen Flügel sieht irgendwie komisch aus, genau so wie die schwebende Hutze auf dem Dach. Von vorne gefällt er mir wirklich sehr gut, von hinten naja. Bin schon auf seinen Einsatz nächstes Jahr gespannt


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