Testbericht Lada Niva 1.7i Autogas

, 27.08.2007


Es gibt ihn jetzt seit über zwanzig Jahren, und obwohl ein riesiges Imperium neben ihm ins Nichts zerfiel, blieb er ganz der Alte. Der Lada Niva ist im tiefsten Inneren seiner Differentialsperre so russisch wie Kalinka-Puppen und Wodka. Daran ändert auch der von Lada Deutschland offerierte Flüssiggasantrieb nichts - sozusagen als Dieselersatz für Spritkostensparer.

Wer ihn fährt, muss zupacken können, denn die Lenkung ist schwergängig und der Lada immer auf der Suche nach eigenen Wegen. Sein Fahrverhalten ist also nicht ganz frei von Tücken. Doch sein Komfort lässt immerhin die Wirbelsäule noch heil. Die Bremsen müssten mit einem Bremsweg von über 50 Metern deutlich mehr Biss haben.

Wenn man den Niva auf Gasantrieb umschaltet - was ganz einfach während der Fahrt per Tastendruck funktioniert - wird der Russe etwas langsamer. Das merkt der Fahrer aber kaum, denn der Beschleunigungswert steigt um rund eine Sekunde und liegt dann bei 17,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt im Autogas-Betrieb bei 137 km/h. Zum Mitschwimmen im Verkehr reicht das allemal - auch im Gasantrieb.

Auch im Inneren bleibt der Niva ein echter Russe: Seine Ausstattung ist ein Abbild der Siebziger Jahre. Der verwendete Kunststoff und die Verarbeitungsqualität scheinen noch immer vom täglichen Mangel des ehemaligen Kommunismus zu erzählen: ,,Sei froh, Genosse, wenn du überhaupt ein Auto hast." Es gibt nur das, was man zum Fahren braucht, und das ist gut so. Denn Luxus geht nur schnell kaputt, und die nächste russische Werkstatt ist vielleicht gerade tausend Kilometer entfernt und hat sowieso nie Ersatzteile vorrätig.

Der Lada Niva ist ein Geländewagen mit permanentem Allradantrieb, dem man eine eher harmlos wirkende und eckige Karosse übergestülpt hat. Er ist ein ziemlich ungehobeltes Raubein und sicher kein Funcruiser. In seiner Heimat muss er sich schließlich über wirklich schlechte Straßen mühen und dort noch einen Weg bahnen, wo eigentlich keiner mehr ist. Der Niva ist ein Arbeitstier: Ohne gute Manieren, stur wie ein Traktor. Dafür aber mit unglaublichen Parkplatzqualitäten: Schließlich ist der Lada kürzer als ein VW Polo und durch seine kantige Form sehr übersichtlich.

Die Sitzpolster sind schweißtreibend wie ein KGB-Verhör, und lediglich ein einziger versteckter Hebel öffnet die Heckklappe zum eher bescheidenen, aber noch ausreichenden Kofferraum.

Sein wirkliches Talent beweist der Niva erst abseits unserer schön geteerten Straßen. Die Daten seiner Geländetauglichkeit bringen jeden Offroad-Fan ins Schwärmen: 58% Steigfähigkeit, eine Bodenfreiheit von 21 Zentimetern, kurzer Radstand, Sperrdifferential und Untersetzung.

1.900 Euro kostet der Flüssiggasumbau mit Eintrag in die Papiere und zwei Jahren Garantie. Autogas selbst ist rund 60 Cent billiger als Superbenzin. Bei 5.000 Kilometern im Jahr amortisiert sich der Umbau erst nach knapp sechseinhalb Jahren. Wer 10.000 Kilometer im Jahr fährt, kommt nach gut drei Jahren ins Plus, bei 15.000 km/Jahr bereits nach zwei Jahren, trotz 1,4 Liter Mehrverbrauch im Gasbetrieb.

Der Lada Niva ist also ein echter Geländewagen und wirkt trotz der schlampigen Details technisch robust und ausdauernd. Ab 11.274 Euro wühlt sich der rüstige Russe durch jeden Morast. Für 1.900 Euro extra gibt´s von Lada Deutschland einen preisgünstigen Flüssiggasumbau, der sich bei 10.000 Kilometer im Jahr bald rentiert und mit dem 60-Liter-Zusatztank auch nicht den Raum einschränkt. Ein guter Kompromiss, weil kein Diesel lieferbar ist und die CO2-Diskussion ganz Deutschland überrollt hat.

Ja, die Jahre sind an ihm vorbeigegangen, der Niva aber bleibt, was er immer schon gewesen ist: Ein russisches Arbeitstier, das im luxusverwöhnten Westen zwar entwurzelt, aber gerade deshalb sympathisch wirkt.

[strong]Technische Daten[/strong]

4-Zylinder-Reihen-Benziner, 1690 ccm, 60/81 kW/PS bei 5.000/min, 128 Nm bei 4000/min, Scheiben- bremsen vorne, Trommelbremsen hinten, 1.305 kg Leergewicht, 305 kg Zuladung, 3.720 mm Länge, 1.680 mm Breite, 1.640 mm Höhe, 210 mm Bodenfreiheit, 650 mm Watttiefe, Fünfgang- Schaltgetriebe mit Geländereduktion, Allradantrieb permanent über manuell sperrbares Zentraldifferential, Steuer/Jahr (Euro 4): 62 Euro, Typklassen HPF/VK/TK 12/11/10, Preis mit Gasanlage: ab 13.000 Euro

Werte mit Autogas (Quelle Autobild): 0-100 km/h: 17,8 s; 0-130 km/h: 41,1 s; Höchstgeschwindigkeit: 137 km/h, Testverbrauch im Schnitt: 12,6 Liter

Werte mit Benzin (Quelle Autobild): 0-100 km/h: 16,5 s; 0-130 km/h: 36,9 s; Höchstgeschwindigkeit: 142 km/h, Testverbrauch im Schnitt: 11,2 Liter

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