Marc Surer: "Toll, dass Rosberg dagegenhält!"

, 07.07.2016

Nico Rosberg musste sich Kritik für sein Manöver in Spielberg anhören, erhält aber auch Zuspruch - Wäre eine Teamorder überhaupt durchzusetzen?

Nach der dritten teaminternen Kollision bei Mercedes in fünf Rennen dürfte Nico Rosberg nicht nur in unserem übertragenen Sinne schlecht geschlafen haben. Der Zusammenstoß mit Lewis Hamilton in der letzten Runde des Rennens auf dem Red Bull Ring brachte ihn um wichtige Punkte in der Weltmeisterschaft und um einige Imagepunkte bei Fans. Aber hat er womöglich richtig gehandelt? Ist das Zeichen, das er mit diesem Manöver gesetzt hat, für die Zukunft vielleicht noch entscheidend?

Über mehrere Jahre hatte sich Rosberg das Image des braven und fairen Sportsmanns angeeignet, der mit dieser Methode aber gegen aggressive Egoisten zu oft auf verlorenem Posten stand. Von der Teamorder in Malaysia 2013, als er sich im Gegensatz Sebastian Vettel an die Anweisung des Teams gehalten hatte, bis hin zur ersten Kurve in Austin 2015 war Rosberg derjenige, der eingesteckt hat. Diese Saison hat er Hamilton bereits zum zweiten Mal aufgezeigt, dass er das nicht mehr mit sich machen lässt.

Dieser Meinung ist jedenfalls TV-Experte Marc Surer. "Ich finde es toll, dass Rosberg dagegenhält!", sagt der ehemalige Grand-Prix-Pilot. "Deswegen muss Mercedes zwar ein paar Kollisionen verkraften, aber Nico ist in dieser Saison endlich ein gleichwertiger Gegner für Hamilton." Anders als etwa Jacques Villeneuve sieht nämlich Surer die Konkurrenz keinesfalls in der Lage, von sporadischen Kollisionen zwischen den beiden Mercedes-Fahrer dauerhaft zu profitieren.

Surer: Konkurrenz zu weit weg

"Einer von beiden wird sowieso Weltmeister", führt der 64-Jährige aus. "Es gibt schließlich keine Konkurrenz, die den beiden in dieser Hinsicht aktuell gefährlich werden könnte." Aus diesem Grunde sei er auch absolut gegen Teamorder. Schließlich sei die Formel 1 ohne das teaminterne Duell bei Mercedes momentan äußerst langweilig. "Wenn man jetzt noch eine Teamorder einführen würde, könnte man damit viele Sympathien verspielen. Das einzige, was Mercedes bei all der Dominanz an Unterhaltung bieten kann, ist genau das Duell dieser beiden Fahrer."

Auch Surer vergleicht das Duell mittlerweile mit dem Stallkrieg zwischen Ayrton Senna und Alain Prost bei McLaren Ende der 1980er-Jahre. "Die Leute sprechen heute noch darüber. Also sollte man die beiden einfach fahren lassen", findet er. "Und wenn es wieder kracht - was soll's? Dann ist Mercedes wieder in aller Munde."

Zwischen Senna und Prost wurden Weltmeisterschaften durch Unfälle entschieden. Zwischen Hamilton und Rosberg ist es zwar noch nicht so weit, doch es ist nicht ausgeschlossen, dass es wieder so enden kann. "Das ist absolut möglich", glaubt Damon Hill. Er kann ein Lied davon singen, was es heißt, als Gentleman in einen WM-Kampf mit jemandem verstrickt zu werden, der bereit ist, für den WM-Titel über Leichen zu gehen.

Stallregie überhaupt durchführbar?

Im WM-Kampf mit Michael Schumacher verlor er 1994 ebenfalls durch eine Kollision den Titel - es sollte das letzte Mal sein, dass die FIA ein solches Manöver in der Formel 1 tolerierte. "Es ist schade, dass viele Weltmeisterschaften durch Kollisionen entschieden wurden", sagt der Weltmeister von 1996. "Das rückt den Sport in kein gutes Licht. In Wimbledon geht doch auch niemand übers Netz und zertrümmert den Schläger des Gegners, wenn er gerade vorn liegt."

Er glaubt aber auch, dass Mercedes selbst über Teamorder nicht wird einschreiten können. Den Teamfunk zu missachten ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, haben in den vergangenen Jahren Sebastian Vettel und Max Verstappen erfolgreich vorexerziert. Verstappen wurde Red-Bull-intern sogar befördert. "Man kann solche Fahrer nicht davon abhalten, Rennen zu fahren", findet Hill. "Sobald sie die Boxengasse verlassen, wird es sehr schwer, sie zu kontrollieren. Sie mögen Möglichkeiten haben, die Fahrer mittels Strategie voneinander zu trennen, aber letztlich stoßen sie doch wieder aufeinander."

Auch Hill glaubt, dass eine Stallregie beim Publikum, das der Formel 1 seit einiger Zeit ohnehin schon skeptisch gegenüber steht, großen Unmut hinterlassen würde. "Die Frage ist, ob man so in die Karriere eines Rennfahrers eingreifen kann", hinterfragt er die Drohung von Toto Wolff, seine beiden Fahrer wenn nötig mit einer Teamorder einzubremsen. "Die Zuschauer wollen sehen, wie Individuen gegeneinander kämpfen - egal mit welchem Auto. Sie wollen ein Rennen sehen, und dazu haben sie jedes Recht."

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