Pirelli-Drama: Niki Lauda übt scharfe Kritik an Sebastian Vettel

, 23.08.2015

Niki Lauda weist Sebastian Vettel nach dessen scharfer Kritik an Pirelli zurecht: "Wenn meine Fahrer das machen würden, müsste ich sie heranholen"

Nach seinem Reifenschaden in der vorletzten Runde des Formel-1-Rennens in Spa-Francorchamps, das ihn den dritten Platz beim Grand Prix von Belgien gekostet hat, zog Ferrari-Pilot Sebastian Vettel in ersten Reaktionen über Pirelli her. Unter anderem warf er der italienischen Firma vor, schon seit Jahren schlechte Reifen zu produzieren. Außerdem hätte der Defekt ein paar Meter zuvor, in der berüchtigten Senke Eau Rouge, fatale Folgen haben können.

Den scharfen Tonfall und die Art und Weise von Vettels Kritik kann Niki Lauda, Aufsichtsrats-Vorsitzender des Mercedes-Teams, nicht nachvollziehen: "Wenn ein Fahrer abfliegt, ist er emotionell. Das sind genauso Menschen, Sebastian ganz besonders. Dass er so reagiert, verstehe ich grundsätzlich, aber dass er so überreagiert, finde ich Pirelli gegenüber nicht ganz richtig. Ich verstehe, dass er emotionell ist, aber dass er so über Pirelli herzieht..."

"Wenn meine Fahrer das machen würden, müsste ich sie heranholen und ihnen sagen: 'Burschen, wir arbeiten alle zusammen, die gehören auch dazu, wir sind alle ein Team.' Einmal machen wir Fehler, einmal macht Pirelli einen Fehler, einmal machen die Fahrer Fehler. So herumschlagen finde ich hart", sagt er. "Du kannst einen Partner nicht derartig diskriminieren, wie Sebastian das gemacht hat. Aber das ist seine Verantwortung. Ferrari wird wissen, was sie zu tun haben."

Vettels Vorwurf, Pirelli habe vor dem Rennen gesagt, die Reifen seien für bis zu 40 Runden unbedenklich (sein rechter Hinterreifen ging nach 28 kaputt), möchte Lauda nicht unkommentiert stehen lassen: "Paul Hembery hat uns allen gesagt, dass es ein Zwei- oder Dreistopprennen ist. Damit kann man nicht von 40 Runden reden. Sebastian hat einen Stopp gemacht und die Rechnung ist ihm nicht aufgegangen. Deswegen würde ich mich nicht aufregen, sondern den Fehler beim nächsten Mal nicht mehr machen."

"Die Strategievorgabe von Pirelli war an alle Teams die gleiche: zwei oder drei Stopps. Punkt", stellt Lauda klar. "Wenn jetzt Ferrari und Sebastian entscheiden, sie wollen einen Stopp machen, ist das auch in Ordnung - aber dann haben sie ein Restrisiko, dass dir die Rechnung eineinhalb Runden vor Schluss nicht aufgeht. Das kann passieren. Da tragen alle die Mitverantwortung, in erster Linie die Ferraris und die Vettels. Damit müssen sie leben, da brauchen sie sich nicht aufzuregen."

"Ich finde es absolut unfair, wenn Sebastian jetzt sagt, Pirelli ist schuld. Alle anderen haben zwei Stopps gemacht", ärgert sich Lauda und räumt ein: "Wenn ich mit Ferrari auf dem achten Platz stehe, würde ich vielleicht das gleiche Risiko eingehen. Er wäre fast Dritter geworden, das war ja auch richtig. Aber die Rechnung ist nicht aufgegangen. Deswegen kann man nur sagen: Fehler gemacht. Aber diese Explosion gegen Pirelli loszulassen, das finde ich unfair."

Gerade in Spa-Francorchamps sei die Wahrscheinlichkeit für einen Reifenschaden erhöht: "Diese Strecke ist sehr anspruchsvoll für die Reifen. Pirelli hat logischerweise allen gesagt, dass durch kleine Schäden von herumliegenden Teilen, die man ja nie ganz wegkriegt, Probleme auftreten können. Das war sicher das Rennen mit der höchsten Reifenbelastung", erklärt Lauda und hält fest: "Pirelli hat alles richtig gemacht, aber solche Dinge können halt passieren."

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