Red Bull: Ausstieg, Audi oder Auferstehung?

, 14.05.2015

Wie geht es mit Red Bull nach der Saison 2016 weiter? Die Diskussionen um Audi dauern an - Vorstandschef Rubert Stadler sieht Formel 1 als "eine Option"

Nach den Weltmeistertiteln in den Jahren 2010 bis 2013 ist Red Bull auf dem absteigenden Ast. Das Team aus Milton Keynes schiebt die mangelnde Performance stets auf die schwachen Antriebe aus dem Hause des langjährigen Partners Renault. Auch wenn deren Geschäftsführer Cyril Abiteboul davon spricht, dass die "Ehe langfristig ausgelegt" ist, bahnt sich womöglich die Scheidung an. Der Vertrag zwischen Red Bull und Renault endet mit Ablauf der Saison 2016.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz verliert beim Blick auf die enttäuschenden Ergebnisse langsam die Geduld. Der Österreicher sprach mittlerweile offen von einem Ausstieg aus der Formel 1, sollte das Team nicht endlich einen konkurrenzfähigen Antrieb bekommen. Auf dem Weg dorthin gibt es nur zwei Lösungen: Entweder holt Renault mit großen Schritten auf, oder man wechselt den Antriebspartner. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name Audi.

"Der Antrieb ist brutal unzuverlässig. Das ist natürlich ein Problem, man ist ständig in der Defensive. So etwas ist für ein Team wie Red Bull, das in den Vorjahren so viele Erfolge gefeiert hat, natürlich schwer zu verdauen", analysiert Ex-Red-Bull-Pilot Mark Webber bei 'Sky Sports F1'. Der Australier sieht die Durststrecke seines Ex-Teams noch lange nicht beendet. "Es wird seine Zeit dauern. Vor allem ist es immer diese letzte und entscheidende halbe Sekunde, die am schwierigsten zu finden ist."

Ausstiegsdrohungen sind ernst zu nehmen

Webber erwartet, dass Mateschitz nicht allein aus Frust eine klare Ansage aus der Hüfte geschossen hat. "Dietrich spricht nicht oft, das wissen wir. Wenn er mal spricht, dann sollte man genau zuhören", sagt der Australier, der mittlerweile für Porsche in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) aktiv ist. "Er ist der Boss. Was er sagt, muss man respektieren. Er hat gewisse Vorstellungen, die durchaus begründet sind. Er ist seit langer Zeit in diesem Sport."

"Es ist schwierig, wenn die Waffen erst einmal in Stellung gebracht wurden", meint Webber und sieht die Ehe von Red Bull und Renault vor dem Bruch. "Mal sehen, wie sich Dietrich in den kommenden Monaten entscheiden wird." Kommt Audi denn tatsächlich als neuer Partner von Red Bull 2017 in die Formel 1? Werden die Ingolstädter das Team sogar ganz übernehmen und als Werksmannschaft im Grand-Prix-Sport antreten? Dies ist äußerst ungewiss.

"Man muss im Leber immer offen sein. Wir sind mit unseren aktuellen Motorsport-Engagements gut ausgelastet, aber bezüglich der Formel 1 warten wir mal ab. Es ist eine Option für Audi. Nicht aktuell, aber es ist eine", hatte Audi-Vorstandschef Rupert Stadler gegenüber 'Auto Express' die Spekulationen weiter angeheizt. Dass der Boss der Ingolstädter ein Formel-1-Fan ist, ist seit langem Bekannt. Doch nicht er allein kann über einen möglichen Einstieg entscheiden, denn dies ist eine Entscheidung, die auf Konzernebene getroffen wird.

Abwarten: Ist Piech wirklich endgültig weg?

Im Volkswagen-Gefüge herrschen nach dem plötzlichen Abschied von Ferdinand Piech neue Verhältnisse. Die Macht muss neu verteilt werden, es werden Personalrochaden folgen, die durchaus auch Stadler oder Porsche-Chef Matthias Müller betreffen könnten. "Im VW-Konzern hat man derzeit andere Sorgen als sich um die Formel 1 zu kümmern", ist sich Red-Bull-Berater Helmut Marko sicher. Eine Entscheidung über ein mögliches Formel-1-Engagement ist kaum in den kommenden Monaten zu erwarten.

"Es ist immer gut, wenn Hersteller hinzukommen - das wäre super. Aber es wird schwierig für sie, weil das Regelwerk so ist und andere großen Vorsprung haben. Honda dachte, es wäre kein Problem. Aber ich hatte ihnen vorher gesagt, dass es eines ist", warnt Bernie Ecclestone in Richtung Ingolstadt. Der britische Vermarkter war wegen seiner Feindschaft angeblich immer der Grund, warum Piech einen Einstieg einer VW-Marke in die Formel 1 verhinderte.

"Ich habe kein Problem damit. Das hat mit mir nichts zu tun", sagt Ecclestone. Hintergrund ist, dass Piech nicht die Person Ecclestone ein Dorn im Auge war - die beiden sind sich in einigen Belangen durchaus recht ähnlich -, sondern die Geschäftstätigkeiten des Briten sorgten bei Piech immer für Irritationen. Dem Österreicher, von dem einige Beobachter meinen, er sei im Machtkampf gegen Martin Winterkorn noch längst nicht endgültig geschlagen, stieß die Geldverteilung in der Formel 1 immer übel auf.

Audi-Wunschdenken: Marko rudert wieder zurück

Piech war es immer ein Dorn im Auge, dass die Verteilung der FOM-Einnahmen derart intransparent vonstatten geht. Außerdem hatte er keinerlei Verständnis für die umfangreichen Sonderleistungen, die Ecclestone seinem Zugpferd Ferrari zugute kommen lässt. "Wenn Ferrari 40 Millionen extra bekommt und wir hundert mal so viele Autos verkaufen, müssten wir demnach vier Milliarden extra bekommen", soll Piech sein Unverständnis mal auf den Punkt gebracht haben.

Eine Ehe zwischen Audi und Red Bull ab 2017 bleibt wohl nur ein Traum. Das hat auch Helmut Marko gemerkt, der von seinen Äußerungen, dass das Team aus Milton Keynes nur dann weitermachen werde, wenn Audi als Partner hinzukommt, nichts mehr wissen will. "Das ist alles Blödsinn, was dort in Kurzform hinausgegangen ist. Ausgangspunkt war, dass Gerhard Berger eine private Meinung kundgetan hat", so der Österreicher bei 'ServusTV'.

"Zusammengefasst meinte er, dass sich Red Bull und Audi zusammentun sollten. Ich habe gesagt: 'Das ist Gerhards Meinung. Momentan haben wir einen Vertrag mit Renault, der noch bis 2016 gilt. Wir sind in einer schwierigen Situation. Diese Situation können wir nur gemeinsam meistern'. Von Audi hat niemand mit uns oder sonst jemandem gesprochen", stellt Marko klar. Wenn Audi nicht kommt, Renault nicht besser wird, bleibt demnach nur noch das, was Mateschitz angedroht hat: der Ausstieg.

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