Wenn ausgewählte Personen unter strengster Geheimhaltung erste Entwürfe bewerten und Hunderte Roboter in neu gebauten Werkshallen Millimeterarbeit verrichten, steht bei BMW ein Generationswechsel bevor. Der neue BMW 3er für 2027 markiert dabei weit mehr als einen Modellwechsel. Zwischen geheimnisvollen Design-Kliniken, eisigen Erprobungsfahrten und einer Batterieproduktion im Rekordtempo zeigt sich, wie viel Aufwand hinter der neuen Sportlimousine und ihrem vollelektrischen Bruder BMW i3 steckt.
BMW 3er: Vom ersten Entwurf zum fertigen Design
Die Entwicklung des neuen BMW 3er beginnt mit einer Frage, die sich zunächst wenig mit Karosserielinien und Motorleistung befasst: Was erwarten Autofahrer künftig von einer sportlichen Mittelklasse-Limousine? Um Antworten zu finden, veranstaltet BMW sogenannte Design-Kliniken. Rund 200 bis 400 ausgewählte Personen, insbesondere Technologiebegeisterte und Erstnutzer, bewerten unter strengster Geheimhaltung erste Konzepte und befassen sich unter anderem mit diesen Fragen: Welches Bediensystem erscheint intuitiv? Wie viel Reduktion verträgt ein Cockpit? Woran muss ein BMW in einer zunehmend digitalen Welt auf den ersten Blick zu erkennen sein?
© Foto: Tom Kirkpatrick, BMW
Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den nächsten Schritt. Im Designstudio treten zunächst rund 10 bis 15 Designer mit unterschiedlichen, mitunter bewusst mutigen Interpretationen des BMW 3er-Designs gegeneinander an. Aus der Vielzahl der Ideen kristallisieren sich schließlich drei Exterieur- und drei Interieur-Entwürfe heraus, die nicht nur als virtuelle Renderings auf Bildschirmen existieren. Erfahrene Modellateure formen die ausgewählten Varianten zusätzlich als lebensgroße Tonmodelle im Maßstab 1:1.
Parallel dazu werden die Entwürfe umfassend digitalisiert. Simulationen helfen dabei, die Ergonomie beim Ein- und Aussteigen zu überprüfen, die Luftströmung für eine möglichst gute Aerodynamik zu optimieren und die Alltagstauglichkeit abzusichern. Den entscheidenden Schnitt setzt schließlich der BMW-Vorstand mit der offiziellen Designfreigabe für einen einzigen Exterieur- und Interieur-Entwurf. Grundlegende Änderungen am Design sind ab diesem Zeitpunkt nicht mehr vorgesehen.
Damit ist die Arbeit allerdings längst nicht erledigt. Prototypen müssen in akustischen Testlaboren und auf Erprobungsstrecken rund um den Globus beweisen, dass die Entwicklung auch unter widrigen Bedingungen funktioniert. Von der glühenden Wüstenhitze über Eis und Schnee in Skandinavien bis zur Nordschleife des Nürburgrings reicht das Spektrum. Hier stehen Fahrdynamik und Robustheit ebenso auf dem Prüfstand wie die technische Zuverlässigkeit. Erst danach folgt die Industrialisierung: Produktionsstraßen werden angepasst, Fertigungsabläufe optimiert und die Voraussetzungen für den späteren Serienanlauf geschaffen.
BMW i3 und 3er mit Verbrennungsmotor: Eine gemeinsame Designsprache
Das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses stellt eine Sportlimousine dar, die den Charakter der Neuen Klasse in die BMW 3er-Reihe überträgt. Bemerkenswert ist dabei die enge optische Verwandtschaft der beiden Antriebsversionen. Der vollelektrische BMW i3 und das Schwestermodell mit Verbrennungsmotor folgen derselben modernen Formensprache. Unterschiede bleiben gezielten Details vorbehalten, die den jeweiligen Antriebskonzepten Rechnung tragen.
© Foto: Tom Kirkpatrick, BMW
Der neue BMW 3er präsentiert sich im modernen Design und lässt sich auf den ersten Blick als BMW erkennen. Der lange Radstand und die kurzen Überhänge verleihen der Limousine die typische, heckbetonte Silhouette. Dazu kommen ein weit nach hinten gezogenes Greenhouse und breit ausgestellte Radhäuser, die eine kraftvolle Schulterpartie formen. Eine markante Charakterlinie lässt den optischen Schwerpunkt noch näher an der Straße erscheinen. Die flächenbündig integrierten Türgriffe fügen sich nahtlos in die Karosserie ein und fahren beim Entriegeln automatisch aus.
An der Front interpretiert BMW die klassischen Erkennungszeichen neu. Die Niere und die Doppelscheinwerfer verschmelzen zu einer markanten Lichtsignatur, während bei den neuen BMW M Performance-Modellen die aus dem Motorsport übernommenen M Yellow Lights einen zusätzlichen Akzent setzen. Am Heck unterstreichen horizontal ausgerichtete Leuchten den breiten Stand auf der Straße.
BMW Panoramic iDrive: Das Cockpit der Neuen Klasse
Im Innenraum des BMW 3er setzen die Macher auf eine reduzierte, hochfunktionale Gestaltung. Das zentrale Element bildet das BMW Panoramic iDrive, das unter anderem Informationen über die gesamte Breite der Windschutzscheibe darstellt. Optionalist ein 3D-Head-up-Display erhältlich. Hinzu kommen ein 17,9 Zoll beziehungsweise 45,5 Zentimeter großes, zum Fahrer geneigtes Zentraldisplay und ein neu gestaltetes Multifunktionslenkrad mit vertikaler Speiche. Das groß dimensionierte Panoramadach mit Klimakomfortglas sorgt derweil für ein helles Ambiente.
BMW iFactory: So entstehen die neuen BMW-Modelle
Mit dem neuen vollelektrischen BMW i3 beginnt im Stammwerk München eine neue Produktionsära. An dem Standort, an dem seit mehr als 100 Jahren Fahrzeuge gefertigt werden und 1975 der erste BMW 3er vom Band lief, startet 2026 die Produktion des neuen Elektroautos. Bereits ab 2027 soll das Werk ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge der Neuen Klasse produzieren.
© Foto: BMW
Hinter dem Produktionsanlauf steht eine vierjährige Transformation, die BMW im laufendem Betrieb umsetzte. Während täglich bis zu 1.000 Fahrzeuge gefertigt wurden, entstand auf rund einem Drittel des Werksgeländes eine grundlegend erneuerte Produktionslandschaft. Dazu gehören ein neuer Karosserierahmenbau, eine hochmoderne Montagehalle sowie erweiterte Logistik- und Auslieferungsflächen.
Das Schwestermodell mit Verbrennungsmotor wird dagegen im BMW-Werk Dingolfing gefertigt, dem größten europäischen Produktionsstandort der Gruppe. Wichtige Antriebskomponenten für beide Modellwelten kommen aus dem österreichischen Werk Steyr.
BMW hält bewusst an der Fertigung in Deutschland fest, obwohl die heimische Produktion in der Lieferkette einen kalkulatorischen Kostennachteil von rund 1.000 Euro pro Fahrzeug verursacht. Der Hersteller setzt darauf, diesen Nachteil durch eine hohe Beherrschung der Fertigungskomplexität auszugleichen. Qualifizierte Mitarbeiter und flexible Produktionsstrukturen ermöglichen es, unterschiedliche Antriebsarten und Modellreihen effizient auf denselben Fertigungslinien herzustellen.
Ein wesentlicher Baustein ist die BMW iFactory. Ihr Konzept beruht auf den drei Säulen Effizienz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Wie komplex die Abläufe sind, zeigt Dingolfing: Dort erstreckt sich die Logistikfläche über rund 500.000 Quadratmeter. Etwa 25.000 unterschiedliche Serienbauteile und ein Materialvolumen von rund 32 Kubikmetern müssen pro Fahrzeug zur richtigen Zeit an den richtigen Ort gelangen.
© Foto: BMW
Dafür sorgt eine durchgehende End-to-End-Automatisierung mit autonom fahrenden Transportrobotern, automatisierten Gabelstaplern, Pickbots zum Freilegen von Bauteilen, während Splitbots unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Ein zentrales Flottenmanagementsystem namens ATS koordiniert darüber hinaus Hunderte autonome Einheiten in Echtzeit. Allein in der Produktionslinie arbeiten rund 500 Roboter daran, die hohen Qualitätsstandards einzuhalten.
BMW-Batteriewerk Irlbach-Straßkirchen: Eine Milliarde Euro für die Neue Klasse
Das Herzstück der neuen Elektroarchitektur ist ein bayerisches Batterienetzwerk. Dazu gehört das neu errichtete Werk Irlbach-Straßkirchen in Niederbayern, in das der Hersteller rund eine Milliarde Euro investierte. BMW setzt dort konsequent auf das Prinzip Local for Local, das heißt sämtliche beauftragten Baufirmen stammen aus Deutschland, zwei Drittel davon direkt aus Bayern.
Auf die Planung im Jahr 2024 folgte der Baubeginn 2025. Die Produktion startete am 1. Oktober 2026. Zum Auftakt sind täglich 300 Akkus vorgesehen, bevor die Kapazität im Vollbetrieb auf mehrere Hundert Einheiten pro Tag steigt. Bis 2028 sollen an dem 105 Hektar großen Standort bis zu 1.600 Menschen beschäftigt sein.
Gefertigt wird in Irlbach-Straßkirchen die von BMW entwickelte Gen6-Hochvoltbatterie. Die Zellen werden nach einer gemeinsam mit CATL entwickelten Rezeptur exklusiv für BMW gefertigt. Auf eine eigene Zellproduktion verzichtet BMW, spart Investitionen in Milliardenhöhe und behält zugleich die Kontrolle über Technologie und Qualitätsanforderungen.
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Die Qualitätskontrolle beginnt lange vor der fertigen Batterie. Auf der rund 50.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche erfassen Systeme während der Fertigung mehr als 3.500 Datenpunkte pro Batterie in Echtzeit. Derweil analysieren speziell entwickelte KI-Assistenten die Daten kontinuierlich. Zusammen mit automatisierten Fertigungsprozessen möchte BMW auf diese Weise einen konsequenten Null-Fehler-Ansatz erzielen.
Auch beim Betrieb des Werks verfolgt BMW einen konsequenten Ansatz. Irlbach-Straßkirchen soll im Regelbetrieb vollständig ohne fossile Energieträger auskommen. Der Strom stammt daher unter anderem aus eigenen Photovoltaikanlagen. Durch Sekundärmaterialien bei Kobalt, Lithium und Nickel sowie Grünstrom in der Zellfertigung soll der CO2-Ausstoß pro Wattstunde gegenüber der Vorgängergeneration um rund 33 Prozent sinken.
BMW i3: Bis zu 912 Kilometer Reichweite und 400 kW Ladeleistung
Der technische Aufwand soll sich unmittelbar im Alltag bemerkbar machen. Die Hochvoltbatterie des neuen BMW i3 verfügt über eine Kapazität von 108,7 kWh und beim BMW i3 50 xDrive eine WLTP-Reichweite von bis zu 912 Kilometern ermöglichen.
Die 800-Volt-Technologie ermöglicht an entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäulen Ladeleistungen von bis zu 400 kW. Innerhalb von 10 Minuten soll sich Energie für 423 Kilometer nachladen lassen. Außerdem unterstützt der BMW i3 bidirektionales Laden, kann also je nach Systemkonfiguration Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben.
© Foto: BMW
Die Grundlagen für diesen Technologiesprung entstanden über viele Jahre. BMW beschäftigt sich seit 2008 mit Lithium-Ionen-Batterien und forscht seit 2022 an Festkörperbatterien. Zum Netzwerk gehört außerdem das im Dezember 2025 eröffnete Cell Recycling Competence Center im nahegelegenen Salching, wo sich wertvolle Rohstoffe mithilfe eines Direktrecycling-Verfahrens zurückgewinnen lassen.
BMW 3er: Nachhaltigkeit beginnt bei der Rohstoffbeschaffung
BMW beschränkt den Nachhaltigkeitsanspruch der Neuen Klasse nicht auf den elektrischen Antrieb. Sowohl beim vollelektrischen BMW i3 als auch bei der Variante mit Verbrennungsmotor soll der CO2e-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus sinken. Eine zentrale Rolle spielt dabei das bayerische Produktionscluster: Die Werke in Dingolfing, Landshut, Irlbach-Straßkirchen und München bündeln unterschiedliche Kompetenzen, verkürzen Transportwege und verknüpfen spezialisierte Fertigungsschritte. Ferner stammen rund 70 Prozent der Zulieferer direkt aus der Region. Zudem schafft die Nähe der Standorte wirtschaftliche und ökologische Vorteile.
Der größte Hebel liegt allerdings in der Lieferkette. Durch erneuerbare Energien, höhere Sekundärmaterialquoten und strenge Umweltauflagen für Zulieferer konnten die Macher die Emissionen bereits in der Produktentwicklung reduzieren: beim vollelektrischen BMW i3 um rund 37 Prozent, bei der Variante mit Verbrennungsmotor um etwa 30 Prozent.
Besonders im Fokus stehen Batteriezellen und Aluminium, deren Herstellung besonders energieintensiv ist. Bei den Gen6-Batteriezellen kommen anteilig recyceltes Kobalt, Lithium und Nickel zum Einsatz. Zusammen mit Grünstrom bei der Zellfertigung soll der CO₂e-Fußabdruck pro Wattstunde im Vergleich zur bisherigen Gen5-Zelle um rund 33 Prozent sinken.
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Recycling-Aluminium: Bis zu 85 Prozent weniger CO2e
Wie viel sich durch den Einsatz wiederverwerteter Materialien erreichen lässt, zeigt Aluminium. Selbst bei hochbeanspruchten Bauteilen verwendet BMW Sekundäraluminium. Werden Schmelze und Verarbeitung mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben, lässt sich das CO2e-Einsparpotenzial gegenüber der herkömmlichen Herstellung auf bis zu 85 Prozent steigern. Im Werk Landshut, dem weltweit größten Komponentenwerk von BMW, bestehen zum Beispiel die Kurbelgehäuse und Zylinderköpfe für Verbrennungsmotoren zu zwei Dritteln aus Sekundäraluminium.
Insgesamt erreicht der batterieelektrische BMW i3 50 xDrive eine Sekundärrohstoffquote von rund 31 Prozent am Gesamtfahrzeug. Beim BMW 3er mit Verbrennungsmotor sind es etwa 25 Prozent, was rund 450 Kilogramm recyceltem Material entspricht.
BMW-Werke: Grünstrom, Biomasse und weniger Wasserverbrauch
Auch die Produktionsstätten selbst trimmt BMW auf Ressourceneffizienz. Das Stammwerk München deckt seinen gesamten Fremdstrombedarf aus erneuerbaren Quellen. Im Presswerk werden Stahl- und Aluminiumreste aus dem Stanzen sortenrein gesammelt, recycelt und zu neuen Blechcoils verarbeitet, so dass wertvolle Materialien im Kreislauf bleiben.
Dingolfing bezieht ebenfalls ausschließlich Grünstrom, von dem ein Teil direkt am Standort erzeugt wird. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Dynamikzentrums erstreckt sich über mehr als 100.000 Quadratmeter und liefert bis zu 10,6 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Hinzu kommt ein neues Biomasse-Heizwerk, das rund die Hälfte des Prozesswärmebedarfs abdeckt. Verwertet werden außerdem regionale Resthölzer und ausgediente Holzpaletten.
© Foto: BMW
In der Lackiererei senkt eine moderne Trockenabscheidung mit 80 Prozent Luftrückführung den Energiebedarf um mehr als 40 Prozent und reduziert zugleich den Wasserverbrauch erheblich. Insgesamt konnte BMW die CO2-Emissionen pro produziertem Fahrzeug in Dingolfing um 24 Prozent senken. Der Deponieabfall ging sogar um 77 Prozent zurück, während die Recyclingquote inzwischen bei mehr als 90 Prozent liegt.
EfficientDynamics und Heart of Joy: Mehr Effizienz beim Fahren
Der Nachhaltigkeitsansatz endet nicht am Werkstor, auch bei der Fahrt mit einem BMW soll der Energiebedarf sinken. Dafür entwickelte BMW das EfficientDynamics-Paket für die Neue Klasse weiter. Gezielter Leichtbau, eine optimierte Aerodynamik und rollwiderstandsarme Reifen tragen dazu bei, den Verbrauch zu reduzieren. Eine zentrale Rolle spielt ferner das intern entwickelte Steuerungssystem Heart of Joy in Verbindung mit der Driving Performance Control. Hinzu gelangt moderne Siliziumkarbid-Technologie (SiC) in den elektrischen Antriebseinheiten zum Einsatz, durch die sich die Energieverluste um bis zu 40 Prozent reduzieren lassen.
Damit reicht der Anspruch des neuen BMW 3er weit über eine neue Karosserie und ein modernes Cockpit hinaus. Hinter der Sportlimousine steht ein umfassend neu ausgerichtetes Produktions- und Technologiekonzept: vom gemeinsamen Design für Elektro- und Verbrennermodelle über digitalisierte Werke und eine neue Batteriearchitektur bis hin zu Recycling und effizienteren Antrieben.





























