Players Run: 19.02.2003 - San Antonio nach New Orleans

, 20.05.2003

Es ist 6.30 Uhr morgens. Sind wir eigentlich nach der kurzen Nacht schon wach? Egal, die nächste lange Etappe bis nach New Orleans, Louisiana, steht uns bevor. Einige Fahrer scherzen: „Könnt Ihr uns nicht eine Etappe in Eurem BMW mitnehmen?“ Gerade auf der gestrigen Etappe haben wir den Komfort des BMWs mit Klimaanlage, gutem Sound und Sitzmassage genossen – ganz im Gegensatz zum harten Federwerk eines Ferraris.


Der erste Stopp findet bei De Lorean in Humble statt, das nördlich an Houston grenzt. Wir sind gespannt darauf, die Geburtsstätte des Autos kennen zu lernen, das in den 80ern durch den Film „Zurück in die Zukunft“ globalen Ruhm erlangte. Auf dem Weg nach Phoenix erwarten uns viele Cops und verteilen zahlreiche Tickets (Strafzettel). Fast angekommen, sehen wir einen Polizeihelikopter, der über uns kreist und uns nicht aus den Augen lässt. Dann aber ein packender Blick: Zahlreiche De Loreans in einwandfreiem Zustand. Stephen Wynne, der Inhaber von De Lorean, führt Andreas und mich durch sein Unternehmen und erläutert uns, dass es auf den 5 Kontinenten noch mehrere Tausend fahrtüchtige De Loreans gibt und wir uns gerade in dem weltweit größten Ersatzteillager des Traumwagens der 80er befinden. Die Legende auf vier Rädern lebt weiter durch etliche Sammler, die in Humble ihre Ersatzteile bestellen. Stephen überlegt sich sogar, innerhalb der nächsten 2 Jahre vielleicht einen neuen De Lorean auf den Markt zu bringen. Lassen wir uns alle überraschen. Ich würde es Stephen gönnen, denn sein Herz schlägt für „sein“ Auto und er ist ein echter Autoenthusiast.

Bevor wir die nächste Etappe auf uns nehmen, müssen wir noch eine Tankstelle finden. Dort treffen wir durch Zufall eine Mitarbeitern von De Lorean, die uns eine später in die Interstate 10 mündende Abkürzung verrät. Sicherlich ein Vorteil, da die Polizei den Players Run auf dem Highway vermutet. Wir kommen gut voran, doch dann häufen sich die Baustellen und mehrere Staus zehren an der Zeit. Über das Handy erfahren wir von dem Piloten eines Mercedes SL55, dass wir einen Stau vor den anderen deutschen Teilnehmern liegen. Hinter der Staatsgrenze von Louisiana eröffnet sich uns eine grüne flache Landschaft mit geraden Straßen ohne Baustellen, aber auch mit Cops, die sich listig hinter Brücken und Bäumen verstecken.


Der Süden Louisianas ist bekannt für seine Sümpfe und eine Brücke lässt mein Herz höher schlagen: Beide Fahrtrichtungen des Highways verlaufen – getrennt voneinander - auf eigenen Betonbrücken flach über das Moor. Die Strecke ist gerade und die Cops haben hier keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Daher drücke ich mit einem Grinsen das Gaspedal bis zum Anschlag durch, nur gelegentlich gestoppt durch langsam fahrende Autos oder sich gegenseitig überholende Trucker. Nach rund 10 Meilen befinden wir uns noch immer auf der flachen Brücke und das wird auch noch weitere 30 Meilen so bleiben. Was will man mehr?

Vor Baton Rouge müssen wir die Interstate 10 verlassen, denn der nächste Stopp ist der „No Problem Raceway“ in Belle Rose, der – gut versteckt – zwischen entlegenen Dörfern liegt. Laut Karte fahren wir nun ebenfalls auf einem Highway. Aber es gibt Ampeln, einen schlechten Straßenbelag und der Highway führt – wie eine normale Ortsdurchfahrt – durch kleine Käffer. Außerhalb eines Städtchens, wo ich erneut auf das Gaspedal drücke und andere Autos überhole, taucht plötzlich auf der Gegenfahrbahn ein ortsansässiger Cop auf, der – trotz meines Bremsens - eigentlich gesehen haben müsste, dass wir zu schnell unterwegs waren. Glück gehabt, kein Ticket.

Auf dem „No Problem Raceway“ haben wir leider nicht mehr die Möglichkeit, zu fahren, weil dieser für den Players Run nur bis 18 Uhr angemietet wurde und die Zeit fast abgelaufen ist. Ein paar Teilnehmer, die den Stopp bei De Lorean ausgelassen haben, konnten hier ein paar Runden drehen. Nach und nach treffen die nächsten Fahrer ein, während die Polizei bereits auf uns wartet. Doch die Polizei hat nichts Böses im Sinn. Es wurde extra organisiert, dass wir bis zu unserem Hotel in der Innenstadt von New Orleans eine Polizeieskorte erhalten. Und das mit hoher Geschwindigkeit! Nachdem wir uns alle gesammelt haben, fährt ein Streifenwagen mit Blaulicht voraus, dahinter die Teilnehmer des Players Run, zuletzt ein weiterer Streifenwagen. Die Straßen werden für uns komplett abgesperrt, so dass es flott vorangeht. Zurück auf der Interstate 10 hat aber keiner von uns mehr Lust, hinter dem Polizeiwagen in einer Reihe herzufahren, sondern die erste Position zu ergattern. Es wird ein echtes Rennen! Die Polizei fährt mit Blaulicht dennoch weiter und macht uns den Weg frei – zwei der drei Spuren des Highways gehören uns. Die Insassen anderer Fahrzeuge gucken nur mit offenen Mündern staunend auf das Geschehen zu ihrer Linken. Aus der Sicht eines normalen Straßenverkehrsteilnehmers – insbesondere in den USA – muss es unglaublich gewirkt haben: Ein Polizeiwagen rast mit Blaulicht vorbei, gefolgt von einem Pulk Ferraris, Lamborghinis, Porsches, Hummers, BMWs und weiterer Supersportwagen, die sich hinter den Cops auf einem öffentlichen Highway gegenseitig jagen. Diese 45 Meilen gehören bislang zu den verrücktesten meines Lebens.


In New Orleans erwartet uns schon eine weitere, aus 12 Motorrädern bestehende Eskorte, die uns mit hoher Geschwindigkeit in das Herz der „ Voodoo-Metropole“ geleitet, dem berühmten French Quarter. Der Zeitpunkt ist gut, denn die bekannteste Fest-Saison von New Orleans hat begonnen: Mardi Gras. Dieses Fest dient der Selbstdarstellung und ist keineswegs nur auf den „Fetten Dienstag" - den Dienstag vor Aschermittwoch - beschränkt. Vielmehr ist es eine in ganz Amerika bekannte Faschingssaison, die gleich nach Heilige Drei Könige beginnt und sich zwei Wochen vor Aschermittwoch steigert. Und wir sind genau in den letzten zwei Wochen vor Ort. Die Straßen quellen über von feiernden Menschen und wir nehmen unser Abendessen auf einem Balkon direkt an der Bourbon Street ein. Das Abendessen gerät schnell zur Nebensache, da wir alle dem örtlichen Brauch frönen, dem Sammeln – eher Verteilen - von Perlenketten aus Plastik. Die offiziellen Farben des "Fetten Dienstags" sind seit 130 Jahren Gold, Lila und Grün. Gold steht für Kraft, Lila für Gerechtigkeit und Grün für den Glauben. Auch die Ketten spiegeln diese Farben wider. Geduldig warten die Menschen in diesen Tagen auf den Straßen, um diese Ketten zu ergattern - und machen dafür alles mögliche. An unserem Balkon hängen unzählige dieser begehrten Ketten. Als wir auf dem Balkon stehen, rufen wir den Passanten unten zu: „No show, no throw“ (zu deutsch: Keine Show, kein Wurf!). Es bildet sich schnell eine große, feiernde Menschentraube. Die Frauen ziehen sich halb aus, um eine der Ketten zu ergattern, während die daneben stehenden Männer ihre Augen nicht mehr schließen und die Frauen weiter anfeuern. Zwei Teilnehmerinnen rufen vom Balkon zwei jungen Männern „No show, no throw“ zu. Die Burschen lassen direkt ihre Hosen fallen, nichtsahnend, dass „Cop TV“ (TV-Sender der Polizei) direkt neben ihnen steht und die zwei gleich abführt.

In New Orleans wird tatsächlich viel und lange gefeiert. Mittlerweile gehen wir jeden Abend mit rund 15 Personen los, um auch zu später Stunde noch Spaß zu haben. Wir finden immer einen Club, der noch geöffnet hat.


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