Land Rover Discovery TDV6: Extremtest in Alta Badia

, 27.08.2007


Die Dolomiten in Südtirol. Atemberaubende Felsformationen, und für Offroader: Extreme Pisten. Gerade die Gegend von Alta Badia mit bekannten Wintersportorten wie Corvara und St. Kassian ist ein wahres Paradies, um einen Geländewagen auf jedem erdenklichen Untergrund zu testen. Von gepflegten Asphaltstraßen über Kiesgruben bis hin zu unbefestigten Wegen in über 2.000 Metern Höhe.

Very british: Er hat den Cw-Wert der Klippen von Dover, und durch manch schnell genommene Kurve wabert er wie Plum-Pudding. Aber: Dank modernster Offroad-Technik und robuster Bauweise ist er ein Raubein für steilste Kiespassagen. Wie vielseitig die dritte Generation des Land Rover Discovery tatsächlich ist, finden wir auf alpinen Straßen, Schotterwegen und in ausgetrockneten Flußbetten heraus.

[strong]Kein Straßenfeger[/strong]

Deutlich hörbar warnt der noble Brite vor allzu großem Übermut. Er ist kein Rennwagen, sondern mit wiegendem Federungskomfort eher ein lässiger Gleiter. Immerhin: Vorbei sind die Zeiten von Wünschelruten-Lenkung und Hollywood-Schaukel-Fahrwerk, der Discovery von heute fährt bis zum Grenzbereich solide und stabil. Der von Jaguar adaptierte V6-Turbodiesel arbeitet kraftvoll, sanft und leise und bewegt die 2,7 Tonnen relativ sparsam. Die SE-Version beinhaltet Luftfederung und das selbst für Asphalt-Cowboys narrensichere Offroad-System ,,Terrain Response".

Je nach Untergrund stehen fünf Offroad-Fahrprogramme zur Wahl. Nach der ,,Standard"-Einstellung kommt als erstes Spezialprogramm ,,Gras/Schnee/Schotter". Automatisch verändert es das Verhalten von Differenzialsperren, Niveauregulierung, Bremse sowie Motor und Getriebe. Aufgrund der Analyse von 50 verschiedenen Geländebeschaffenheiten wirkt sich ,,Terrain Response" außerdem auf die Stabilitätskontrolle aus oder aktiviert eine automatisch bremsende Bergabfahrhilfe.

[strong]Bedienungsfreundliches ,,Terrain Response"[/strong]

Das Schnee- und Schotter-Programm ist ideal, um zügig und mit genügend Traktion eine Hochebene in Alta Badia zu erklimmen. Folge: Sanfte Gasannahme, frühes Hoch- und spätes Runterschalten, mittlere Bodenfreiheit. Die Räder drehen in leichtem Gelände oder auf Schnee nicht durch, Mitten- und Hinterachssperre werden nach Bedarf angesteuert. In 15 Minuten Schotter-Fahrt legen wir problemlos 450 Höhenmeter zurück. Praktisch: Der Fahrer könnte sich um die Gelände-Einstellungen wie Bodenfreiheit, Reduktion oder Differenzialsperren selbst kümmern, muss er aber nicht.

Durch das kantige Trutzburg-Design wirkt der Discovery so sicher wie die Bank von England. Ähnlichkeiten zum großen Bruder Range Rover sind gewollt. Besonders in der Seitenansicht fallen die riesigen Glasflächen auf - nicht unbedingt schick, aber gut für die Rundumsicht im 4,84 langen Offroad-Briten. Der biedert sich nicht modernistisch an, sondern bewahrt die klassischen Discovery-Proportionen seiner Vorgänger. Pluspunkte sammelt der Discovery vorne wie hinten beim Platzangebot. Reichlich Komfort herrscht trotz steiler Rücksitzlehnen auch auf den hinteren Plätzen. Zu Raum und Komfort kommt Funktionalität. Beispiel: Das separat öffnende Heckfenster, drei große Schiebedächer oder der große Kofferraum mit der Option, im Handumdrehen zum Siebensitzer aufzurüsten. Dem nüchternen Innenraum fehlt es an Chrom oder Holz, aber alle Schalter sind gut erreichbar, Ablagen und Fächer sind zahlreich vorhanden.

[strong]Fahrprogramm für Schlamm und Spurrillen[/strong]

Gelände-Programm, eine Stufe stärker: ,,Schlamm/Spurrillen" zur Überquerung von losem, zerfurchtem Untergrund. Gefragt sind jetzt hohe Achsverschränkung und Bodenfreiheit. Optimaler Traktion zuliebe kann es zum Ausbrechen des Hecks, also Übersteuern kommen. Dafür gräbt sich der Discovery mit diesem Programm förmlich durch tiefen Schlamm, ohne aufzusetzen oder wegen Schlupf Antrieb zu verschwenden. Im realen Offroad-Einsatz wählen wir das Spurrillen-Programm für ein Flussbett. Neben losem Geröll und Treibgut fordert feuchter, schlammiger Untergrund die Abstimmung von Schlupfregelung und Sperren heraus. Solange das Heck kontrolliert ausbricht, macht das Spaß. Aber man muss im Flussbett stets vorausschauend fahren, die ständig nötigen Lenkmanöver gehen in die Arme.

[strong]Offroad pur mit ,,Felsenkriechen"[/strong]

Den härtesten Konkurrenten Mercedes M-Klasse und VW Touareg hat der Gelände-Brite eines voraus: Die Bergabfahrhilfe ,,Hill Descent Control". Knopfdruck genügt, und knapp drei Tonnen Lebendgewicht werden im Gefälle automatisch optimal eingebremst. Offroad pur: ,,Felsenkriechen" heißt der Gipfel der Gelände-Fahrprogramme. Damit geht der Discovery in Sachen Achsverschränkung und Bodenfreiheit ans absolute Limit. Dazu sanfte Gasannahme und maximale Sperrwirkung. Das Felsen-Programm funktioniert nur bei eingelegter Geländeuntersetzung, also bis 60 km/h.

Im südtiroler Flussbett stoßen wir auf Hindernisse, die das Felsen-Programm herausfordern. Sofort erhöht die Niveauregulierung die Bodenfreiheit, und mit optimalem Geländevortrieb geht's weiter. Auffallend die Robustheit des Briten: Selbst bei extremer Verschränkung knarzt und knirscht rein gar nichts.

[strong]Schwachpunkt Bodenfreiheit[/strong]

Der Klettermaxe hat nur einen Schwachpunkt offroad: Die Bodenfreiheit beträgt selbst mit Luftfederung nur 240 mm. Da setzt der Discovery mit den Schutzteilen der Auspuffanlage früher auf als erwartet. Die steile Uferkante erklimmt der Land Rover erst im anderen Einfallswinkel mit flacherer Rampe.

Unter dem Felsenmodus leidet ein wenig das Ansprechverhalten des Motors, der jetzt auf´s Gaspedal so zurückhaltend reagiert wie die Briten auf den Euro. Nach der Verzögerung aber wuchtet enormes Drehmoment den Koloss über noch so steile Hindernisse hinweg. In Sachen Wattiefe und Steigungswinkel macht dem Discovery so schnell kein Geländewagen was vor.

[strong]66,4 Liter auf 100 km?[/strong]

Ein typisches Phänomen für extremen Offroad-Einsatz: Der Kriechgang mit Geländereduktion überfordert selbst modernste Bordcomputer. Durch den ständig hochdrehenden Motor ohne wesentliches Fortkommen kommt ein Verbrauch auf 100 km heraus, der keine praktische Relevanz hat: 66,4 Liter! Das ändert nichts am moderaten Verbrauch des britischen V6-Diesels und ist nur ein Beleg dafür, warum eingefleischte Offroader den Verbrauch eines Allradfahrzeugs im extremen Gelände höchstens in Liter pro Stunde, aber nicht pro 100 km angeben.

,,Terrain Response" ersetzt keine fehlende Bodenfreiheit, aber es nutzt optimal das vorhandene Geländepotenzial, ohne dass sich der Fahrer den Kopf über Sperren, Traktion und Untersetzung zerbricht. Der wählt nur das richtige Programm an, genießt unbeschwertes Offroad-Fahren und gelangt entspannt bis hinauf zur bewirteten Berghütte mit landestypischer südtiroler Brotzeit: Heiße Maroni, Speck, Salami und Käse. Alta Badia ist ein Gebiet im Süden des Gadertales in den Dolomiten, das die Gemeinden Corvara, Abtei und Wengen umfasst. Die Bewohner sind hauptsächlich Ladiner, die eine eigene Sprache sprechen. Bekannt ist Alta Badia vor allem als Wintersportgebiet, in dem häufig Skiwettbewerbe ausgetragen werden.

[strong]Bewertung Land Rover Discovery TDV6 SE:[/strong]

+ Platzangebot
+ Geländeeigenschaften
+ Preis-Leistung
- Straßenlage
- Innenraum-Design

[strong]Geräumiger Allrounder für´s Extreme[/strong]

Fazit Land Rover Discovery TDV6 SE: Auch in seiner dritten Generation ist der Discovery ein Allround-Offroader, der im extremen Gelände vor so gut wie nichts zurückstecken muss. Raum für bis zu sieben Personen, hoher Komfort und ein eigenständiges Image machen den klassischen Offroad-Briten zur interessanten Alternative im gehobenen Geländewagen-Segment.

[strong]Datentafel Land Rover Discovery TCV6 SE: Geländewerte mit Luftfederung:[/strong]

Leistung: 190 PS Bodenfreiheit: 130-240 mm
Drehmoment: 440 Nm/1.900/min Wattiefe: 700 mm
0-100 km/h: 12,9 s Rampenwinkel: 27,9 Grad
Testverbrauch: 12,1 l Max. Steigungswinkel: 45 Grad
Preis: 44.100 Euro

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