Porsche 911 4S vs. Audi RS4

, 24.08.2007


Zwei Sportwagen, acht angetriebene Räder, 775 PS. Die Allradboliden Audi RS 4 und Porsche 911 4S gehören zur Oberklasse der Kurvenräuber.

[strong]Familienkutsche als Supersportler[/strong]

Die Gene des Elfers verheißen Sportwagen pur, der RS4 basiert dagegen auf einer viertürigen Limousine. Familienkutsche? Von wegen! Der Audi hat es faustdick unter der biederen Haube. 420 PS und Null auf Hundert in unter fünf Sekunden für unter 70.000 Euro. Und wie macht man eine Limo zum Sportwagen? Ganz einfach: Mit einem Triebwerk, das schneller auf Achttausend ist, als Reinhold Messner in seinen besten Zeiten. Infernalisch brüllend liefert der 4,2 Liter große Achtzylinder brutalen Schub. Bei Bedarf bis Tempo 250. Dann knallt der RS 4 in eine elektronische Wand. Abgeriegelt! Lobenswert: In Ingolstadt ist selbst ein Wahnsinnsauto vernünftig. Genau das charakterisiert den Audi: Ein braver Viertürer mit den Fahrleistungen eines Supersportlers.

[strong]Sportler von Natur[/strong]

Ganz anders der 911er, Sportwagenprototyp schlechthin. Trotz fast 70 PS weniger beschleunigt er genau so schnell wie der Audi. Die Gene machen's... Im 911 4S sorgt traditionell ein Boxermotor für Vortrieb. Das Kürzel ,,4S" lässt sich Porsche vergolden. 16.000 Euro Aufpreis zum Standard-Elfer. Ganz schön happig für Allradantrieb, 30 PS mehr und elektronisch geregeltes Sportfahrwerk. An den Fahrleistungen ändert sich fast nichts, aber an der Beherrschbarkeit. Unter unversierten Fahrern gilt der 911 seit jeher als diffizile Heckschleuder. Der Allradantrieb nimmt ihm diesen Schrecken endgültig.

[strong]Wer ist der Schönste im ganzen Land?[/strong]

Sportwagen und Limousine - kann man diese Autos überhaupt vergleichen? Optisch macht auch der RS 4 auf Sportwagen. Riesige 18-Zoll-Felgen, Lufteinlässe und eine gnadenlos zupackende Bremsanlage. Dank dicker Auspuffrohre und muskulöser Kotflügelverbreiterungen wirkt er wie ein A4 auf Anabolika. Optisch und akustisch gelungen: Der hochdrehende V8. Die klassische 911er-Silhouette ist seit vierzig Jahren unverändert. Nicht umsonst gilt er als Designikone. Fast schon brutal: Die Vierkolben-Bremsanlage. Die muskulöse Heckpartie mit vier Endrohren wirkt schon im Stand schnell. Nach wie vor unvergleichlich: Der heisere Ruf des Sechszylinder-Boxermotors.

Im Interieur setzt der Porsche Maßstäbe. Feinste Materialen, komfortable Sportsitze, ein höchst sensibles Lenkrad, übersichtliche Instrumente und - als sportliche Zugabe - eine Stoppuhr. Kehrseite: Auf die zweite Sitzreihe passen höchstens Zwerge, und der Kofferraum verdient diesen Namen nicht. Jetzt schlägt die Stunde des Audi. Auch sein Innenleben präsentiert sich wohl sortiert und gut verarbeitet. Sportlichkeit vermitteln der Starterknopf und die schraubzwingenartigen Sportsitze. Im RS4 macht die Rückbank das, wofür sie eigentlich da ist: Sie bietet Platz. Genau wie der geräumige Kofferraum.

[strong]Quertreiben als Härtetest[/strong]

Die Emotionswertung geht klar an den Porsche, praktischer ist der Audi. Nun prüft ADAC-Instruktor Markus Müller die beiden Renner auf ihre Sportlichkeit. 4S oder RS 4 - jetzt fällt die Entscheidung. Erster Testkandidat: Der Audi. Schon nach wenigen Metern winseln die Reifen um Gnade. Die unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte - Heckmotor beim Porsche, Frontmotor beim Audi - kommen jetzt voll zum Tragen. Der RS4 untersteuert gnadenlos. Selbst mutwillige Misshandlungen erträgt der Audi mit stoischer Ruhe. Wer diesen Wagen zum Driften bringt, heißt entweder Walter Röhrl oder ist nicht von dieser Welt. Auf dem engen Handlingkurs verrichten Chassis und Fahrwerk Schwerstarbeit, zuverlässig verteilt das variable Allradsystem die Kraft an das passende Rad. Doch trotz harter Abstimmung und bissiger Bremsen zeigt der Audi hier kleine Schwächen. Ein reinrassiger Sportwagen ist er nicht. Er kann und will seine Limousinen-Gene nicht verleugnen. Der RS4 ist ein Multitalent. Schade: Bei Vollgas mutiert der Biedermann zum Säufer, zudem bietet der etwas schwächere Audi S4 für viel weniger Geld fast das gleiche.

Auf der Rennstrecke voll in seinem Metier: Der Porsche. Nicht umsonst gilt der Elfer als König der Rennstrecken. Ein Auto, das in der Boxengasse genauso gut funktioniert wie vor dem Nobel-Restaurant. Dank Allrad lässt sich der Porsche leicht kontrollierbar quer treiben. Kehrseite der Medaille: Das Fahrwerk ist so hart, dass ein Chiropraktiker im hohen Kaufpreis inbegriffen sein sollte. Sportlichkeit hat ihren Preis. Ein weiterer Wermutstropfen liegt auf der Hand. Wer 4S fährt, braucht entweder viel Geld oder verzichtet auf Familie. Denn ohne Zweitwagen macht der Elfer keinen Sinn. Der Porsche ist emotionaler, der Audi rationaler. Unvernünftig und faszinierend zugleich sind sie beide.

Den spektakulären Vergleichstest Audi RS4 vs. Porsche 911 Carrera 4S sehen Sie in Abenteuer Allrad am Freitag (13. Oktober), 19:05 auf N24. Hier geht´s zu den weiteren spannenden Themen und den Wiederholungsterminen.

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