Seat Leon Cupra 290 Test: Die Kampfmaschine mit noch mehr Power

, 12.10.2015


Er ist richtig heiß und wandelt sich immer mehr zu Kampfmaschine: Der neue Seat Leon Cupra 290 stellt eigentlich das Derivat zum Konzernbruder VW Golf GTI dar. Doch mit 290 PS bietet der temperamentvolle Spanier jetzt deutliche 60 PS mehr als die Performance-Version des Golf GTI und sieht dazu noch schärfer aus. Damit nicht genug: Mit dem neuen Power-Upgrade rückt der Seat Leon Cupra 290 leistungstechnisch ganz nah an den VW Golf R, ist aber deutlich günstiger. Wir nahmen die neue Version samt Performance-Paket unter die Fittiche, um zu sehen, was der Seat Leon Cupra 290 beim exzessiven Fahrspaß drauf hat.

Das sind Emotionen und die pure Angriffslust: Bereits auf den ersten Blick macht der Seat Leon Cupra 290 klar, wer das Sagen hat. Die offensiv gestaltete Front mit den großen Lufteinlässen und den scharf gezeichneten Voll-LED-Scheinwerfern unterstreicht den kraftvollen Auftritt ebenso wie der Dachkantenspoiler sowie die Heckschürze mit Diffusor und den beiden ovalen Endrohren.

Noch cooler sieht der Seat Leon Cupra 290 durch die optionale „Orange Line“ aus, die an den 19 Zoll großen Felgen mit einer zweifarbigen Lackierung, der Umrandung des Kühlergrills und den Außenspiegeln orange Akzente setzt und für noch mehr Pep sorgt. Mit seiner Power braucht sich der stärkste Leon nicht zu verstecken und darf sich optisch durchaus expressiv zeigen. Weitere Farben stehen zur Individualisierung zur Wahl. Wer einen dezenten Look bevorzugt, kann den Kompaktsportler selbstverständlich entsprechend konfigurieren.

Pure Kraft: Jetzt noch stärker und noch schneller

Der 2,0 Liter große Vierzylinder-Turbo hat es in sich - kein Serien-Seat war bislang stärker als dieser: Statt zuvor 280 PS, generiert das Triebwerk jetzt 290 PS bei 5.600 bis 6.500 U/min und ein maximales Drehmoment von 350 Nm, die allerdings über ein jetzt noch breiteres Drehzahlband zwischen 1.700 und 5.800 Touren anliegen. Zum Vergleich: Der Vorgänger Seat Leon Cupra 280 kam auf 280 PS bei 5.700 bis 6.200 U/min und 350 Nm von 1.750 bis 5.600 U/min.

Derart ausgerüstet, spurtet der frontangetriebene Seat Leon Cupra 290 in Kombination mit der bei unserem Testwagen verbauten 6-Gang-Handschaltung in nur 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erzielt eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. So erfolgt der klassische Sprint auf Tempo 100 nochmals 0,1 Sekunden schneller als zuvor.

Damit gab sich Seat nicht zufrieden und verpasste dem Leon Cupra 290 außerdem eine neu abgestimmte Sportabgasanlage, die durch einen noch kraftvolleren Klang besticht, begleitet von einem sonoren Sound, der von einem Soundaktor unterstützt und moduliert wird und die Insassen bei jedem Druck auf das Gaspedal emotional mitreißt.

Den Benzinverbrauch im Mittel gibt Seat für den handgeschalteten Leon Cupra 290 bei defensiver Fahrt im Idealfall mit 6,7 Litern je 100 Kilometer an, was einem CO2-Ausstoß 156 g/km entspricht. Dieser Wert hängt allerdings stets vom persönlichen Gasfuß und der individuellen Fahrweise ab - und bei diesem Test stand die Dynamik im Vordergrund.

Suchtfaktor: Das passiert bei voll durchgedrücktem Gaspedal

Der 2.0 TSI mit dem schnell ansprechenden Turbolader reagiert spontan auf jede Bewegung des Gaspedals und begeistert durch leichtfüßige Drehfreude. Bereits im niedrigen Drehzahlbereich ist die Gasannahme exzellent. Doch wer das Gaspedal voll durchdrückt, erlebt eine lineare Kraftentfaltung, die von 4.000 bis 7.000 Touren besonders schonungslos zuschlägt. Geradezu beeindruckend, wie impulsiv sich die Geschwindigkeit von niedrigen Drehzahlen bis zum Begrenzer aufbaut und den Seat Leon Cupra 290 mit einem wilden Trieb anschiebt. Der feurige Spanier kann aber auch anders: Wird der Seat Leon Cupra 290 nur sachte beschleunigt, zeigt er sich zivilisiert und komfortabel wie der herkömmliche Leon.

Mit dem „Cupra Drive Profile“ lässt sich die Charakteristik des Seat Leon Cupra 290 über einen weiten Bereich spürbar anpassen. Neben den Modi „Comfort“ und „Sport“ steht bei uns der „Cupra“-Modus im Vordergrund. Die Gasannahme ist hier besonders sensibel, der Soundaktor unterstützt den vollen Klang des Turbomotors zusätzlich und die Fahrwerksregelung DCC, die Lenkung sowie die Vorderachs-Differentialsperre arbeiten im jeweils sportlichsten Bereich.

Grip und Kurven-Speed: So holt er das Maximum heraus

280 PS und Frontantrieb - das stellt eigentlich ein Rezept zum Untersteuern dar (Fahrzeug schiebt in schnell durchfahrenen Kurven über die Vorderachse). Doch der Seat Leon Cupra 290 versteift sich im „Cupra“-Modus regelrecht und lässt sich mit unglaublich viel Biss und mit einer imposanten Speed durch enge Kurvenpassagen jagen, ohne Angst davor zu haben, dass der Wagen ohne Kontrolle untersteuert.

Verantwortlich dafür zeichnet eine brillant arbeitende Vorderachs-Differentialsperre, die das Antriebsmoment auf das Rad mit dem meisten Grip überträgt, in der Regel das kurvenäußere Rad. Im Extremfall vermag das System sogar bis zu 100 Prozent der Antriebskraft auf ein Rad zu leiten, so dass der Seat Leon Cupra 290 beherrschbar bleibt und kaum untersteuert. Das Grip-Niveau ist eindrucksvoll hoch. Das Fahren fühlt sich an wie der allradangetriebene VW Golf R - nur ohne den Grip an der Hinterachse.

Die adaptive Fahrwerksregelung DCC passt zudem das Fahrwerk binnen Millisekunden den aktuellen Bedingungen an, während die präzise Progressivlenkung die agile Handlichkeit verbessert und ermöglicht, dass der Fahrer sogar in engen Kurven beim Lenken nicht zu übergreifen braucht. Allerdings zeigt sich auch das Fahrwerk von seiner harten Seite und gibt größere Unebenheiten der Straße bis in die Kabine weiter.

Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP hält sich erfreulich lange zurück und erlaubt eine sehr sportliche Fahrweise bei vollem Erhalt der Sicherheitsfunktion. Für den extrem dynamischen Einsatz, etwa auf einer Rennstrecke, lässt sich das ESP zweistufig abschalten. Die erste Stufe deaktiviert die Antriebsschlupfregelung und setzt das ESP in einen Sport-Modus, der größere Gierwinkel erlaubt. Die zweite Stufe deaktiviert das ESP vollständig. Eine HMI-Anzeige gibt ferner Auskunft über die G-Kräfte, den Turbo-Ladedruck, die aktuelle Motorleistung sowie die Öl- und die Kühltemperatur.

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