Toyota Verso Life 2013 Test: Familienfreund mit neuem Wohlfühlfaktor

, 26.04.2013


Wer die Passanten auf der Straße nach einem Auto fragt, das die Fahrzeuggattung der Minivans verkörpert, nennen vermutlich recht viele den Toyota Corolla Verso, der fortan nur noch den Beinamen „Verso“ trägt. Eine biedere Familienkutsche? Weit gefehlt: Der neue Verso setzt die erfolgreiche Produktoffensive Toyotas fort und möchte mit einem dynamischeren Auftritt und einer deutlichen Aufwertung weiter punkten. Wir nahmen die neueste Fassung des kompakten Vans in der mittleren, besonders beliebten „Life“-Ausstattung mit dem 124 PS starken Diesel in einem Test unter unsere Fittiche, um uns einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Der geliftete Verso behält die dynamische, über die ganze Länge des Fahrzeugs gezogene Charakterlinie bei, wirkt im Design jedoch deutlich kraftvoller. Das attraktive Front- und Heckdesign zielt darauf ab, das Auto weniger hoch wirken zu lassen, und stattdessen Breite wie Länge optisch in den Vordergrund zu stellen. Besonders markant fällt die neue, scharf gezeichnete Front mit einem großen trapezförmigen unteren Kühlergrill und den schmaleren, sportlicher gezeichneten Scheinwerfern ins Auge. Ein Diffusor verleiht dem Verso fortan in der Heckansicht ein breiteres, stabileres Erscheinungsbild.

Edle und moderne Akzente setzen an unserem Testwagen die Chromspange im Kühlergrill, integrierte Nebelscheinwerfer mit verchromten Einfassungen und die kleineren, dynamischer wirkenden Außenspiegel mit integrierten Blinkern. Von vorne betrachtet, wirkt der überarbeitete Verso wie eine neue Generation - und dennoch ist es „nur“ ein Facelift.

Innenraum: Platz bis ganz hinten?

Die siebensitzige Variante des neuen Toyota Verso bietet in der Tat viele Sitzgelegenheiten, eignet sich durch den kompakten Raum allerdings nur für eine Mutter, die ihre Kindergartenbande abholen möchte. Versucht ein Erwachsener sich nach ganz hinten in den Fond zu setzen, sollte diese Person entweder sehr gelenkig sein oder sie überlässt es von vornherein den kleineren Erdenbürgern. So erweist sich der Siebensitzer als idealer Minivan für Eltern mit mehreren Kindern oder bei Fahrten, wenn die Nachbarskinder gleich mit dabei sind.

Wer allerdings auf die dritte Sitzreihe verzichten kann, bekommt ein Auto, das auch einem groß gewachsenen, rund 1,90 Meter langen Mitfahrer ausreichend Platz in der zweiten Reihe bietet. In seiner Klasse bietet der Verso mit 97,5 Zentimetern den größten Abstand zwischen der ersten und zweiten Sitzreihe. Werden alle Sitze der zweiten (und dritten) Reihe umgeklappt, entsteht im Verso ein komplett ebener Ladeboden von 1,575 Metern Länge und 1,430 Metern Breite mit 1.696 Litern Ladevolumen. Über Verzurrösen im Laderaum lässt sich das Gepäck sicher befestigen.

Die Haptik des Toyota Verso änderte sich im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich. So fühlt sich beispielsweise das mit Leder bezogene Lenkrad spürbar besser an. Selbst das aus Hartplastik gefertigte Armaturenbrett macht einen besseren Eindruck als beim Vorgänger. Zahlreiche neue Applikationen und dekorative Details werten das Interieur weiter auf, wie zum Beispiel ein seidenmattes schwarzes Finish auf zahlreichen Oberflächen und Soft-Touch-Materialen auf dem Armaturenbrett. Mattierte Chrom-Applikationen akzentuieren derweil die Einfassungen der Instrumente und des Instrumentengehäuses sowie die Lufteinlässe, die Armaturentafel, die Schaltkulisse und die Haltegriffe der Türen.

Als anfangs etwas gewöhnungsbedürftig erweist sich die neue Anordnung des Tachos, des Drehzahlmessers und des Bordcomputers in der Mitte des Armaturenbrettes, die sich durch die weiße Hintergrundbeleuchtung bestens ablesen lassen. Der freigewordene Platz über dem Lenkrad bleibt ungenutzt; hier hätte Toyota beispielsweise eine weitere Ablagefläche integrieren können. Die teillederbezogenen Sitze bieten derweil genügend Seitenhalt für einen Kompaktvan und schließen das insgesamt überzeugende Gesamtbild des Innenraums stimmig ab.

Als echter Kompaktvan hält der neue Verso außerdem zahlreiche Staufächer und Ablagemöglichkeiten bereit, die sich beim Reisen mit Familie und Kindern als sehr nützlich erweisen. Dazu zählen unter anderem ein zweigeteiltes Handschuhfach mit einem klimatisierten Abteil für eine 1.5-Liter-Flasche und eine 8,2 Liter große Dokumentenablage. Weitere Beispiele stellen ein geräumiges Fach in der Mittelkonsole, großzügige Türablagen, Taschen hinter den Rückenlehnen der Vordersitze, ein Schubfach unter dem Beifahrersitz und Klapptische mit integrierten Getränkehaltern dar. Dazu kommen Unterflurfächer in der zweiten Sitzreihe, eine Dachkonsole sowie Ablagen für Mobiltelefon und MP3-Player für Fahrer und Beifahrer.

Antrieb: Durchzugsstarker Spritsparer mit neuer Agilität

Nach den kosmetischen Veränderungen im Innenraum stellt sich die Frage, wie es unter der Haube aussehen mag. Der von uns gefahrene 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 124 PS, den Toyota generell mit einer 6-Gang-Handschaltung kombiniert, überzeugte auf ganzer Linie. Dank einer neu entwickelten Turbolader-Technologie liegt das maximale Drehmoment von 310 Nm bereits ab einer Motordrehzahl von nur 1.600 U/min an und behält diesen Wert bis 2.400 U/min voll bei. Der Fahrer darf sich auf das spontan abrufbare Drehmoment freuen, das einen kraftvollen Durchzug von unten heraus ermöglicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h

Ebenso wichtig war es den Konstrukteuren, ein sportlicheres Fahrwerk zu schaffen, damit sich der Verso mit seiner präzisen Lenkung noch spritziger auf der Straße bewegen lässt. Die Japaner setzten dies in der Praxis um, so dass der Kompaktvan nicht nur komfortabel die Familie kutschiert, sondern dabei sogar Fahrspaß und Agilität bietet.

Die Fahrwerksgeometrie spielt dem flotten Fahrer ebenfalls in die Karten; denn durch die etwas straffere Abstimmung liegt der rund 1,5 Tonnen schwere Verso bestens auf der Straße, ohne seinen Komfort zu verlieren, der ebenfalls stärkere Fahrbahnunebenheiten schluckt. Ein störendes Unter- oder Übersteuern tritt nicht auf, was der Fahrsicherheit zugutekommt. Mag es der Fahrer lieber gemütlich, schaltet er einfach etwas früher hoch und gleitet sanft über die Landstraße.

Spritsparer dürften sich freuen, da der Verso im Idealfall durchschnittlich nur noch 4,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer benötigt. Ein überzeugender Wert, den eine leider bei der beliebten Motorisierung nicht vorhandene Start-Stopp-Automatik weiter senken könnte.

Drei verschiedene Modellvarianten

Toyota offeriert den Verso in drei verschiedenen Modellvarianten. Dank des aufgewerteten Innenraums und einer noch umfassenderen Serienausstattung bietet das neue Modell ein nochmals verbessertes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die ab 21.150 Euro erhältliche Basisversion „Verso“ besitzt serienmäßig 16-Zoll-Räder und praktische Dinge wie Funktionstasten auf dem Lenkrad, Halogen-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht, LED-Rückleuchten und Nebelscheinwerfer. In der Grundversion „Verso“ ist der Minivan jedoch nicht als Siebensitzer erhältlich, sondern erst ab der nächsthöheren „Life“-Ausstattung.

Bei der Sicherheit der Insassen machte Toyota keine Kompromisse und spendierte dem Verso serienmäßig unter anderem sieben Airbags, ein Antiblockiersystem (ABS) mit elektronischer Bremskraftverteilung, einen Bremsassistenten, eine elektronische Stabilitätskontrolle mit Antriebsschlupfregelung und eine Berganfahrhilfe.

Die Marktforscher von Toyota erwarten, dass sich 84 Prozent der Kunden für den Verso Life entscheiden werden, der ab 23.550 Euro in der Preisliste steht und von uns getestet wurde. Die Serienausstattung fällt hier bereits deutlich üppiger aus und umfasst unter anderen anklappbare und beheizbare Außenspiegel, markante 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine Geschwindigkeitsregelanlage, eine Klimaautomatik, das schlüssellose Smart-Key-System sowie das Multimedia-System „Toyota Touch“ mit einem 6,1 Zoll großen Touchscreen und einer integrierten Rückfahrkamera.

Das einfach bedienbare „Toyota Touch“ umfasst einen MW/UKW-Tuner mit optionalem digitalem „DAB+“-Receiver, einen MP3-kompatiblen CD-Spieler, eine Bluetooth-Schnittstelle für die Freisprecheinrichtung und das Streaming von Audio-Daten. Dazu kommen ein AUX-Anschluss und ein USB-Port zum Anschluss tragbarer Musik-Player.

Aufbauend auf dem „Toyota Touch“-System bietet Toyota mit „Touch & Go“ für den neuen Verso ein optionales In-Car-Navigationssystem an. Die mit einem digitalen DAB/DAB+/DMB-Tuner erhältliche Premium-Ausführung „Toyota Touch Pro“ bietet zahlreiche modernste Features wie eine dreidimensionale Darstellung von Städten und Online-POI-Recherche. Das System weiß durch die einfache Bedienung und die starke Grafik zu überzeugen.

Das Topmodell der Baureihe für 28.550 Euro trägt den klangvollen Namen „Verso Executive“, bei dem die Serienausstattung besonders umfassend und komfortabel ausfällt: die Sitzwangen, die Mittelarmlehne und die Türverkleidungen tragen Bezüge aus doppelt vernähtem Leder. Ebenfalls an Bord befinden sich unter anderem das „Smart Key“-System mit Startknopf, eine Einparkhilfe, eine Zweizonen-Klimatisierungsautomatik, Sonnenrollos für die hinteren Seitenscheiben, 17-Zoll-Leichtmetallräder und Bi-Xenon-Scheinwerfer.

Fazit:

Uneingeschränkt alltagstauglich, sparsam und doch sportlich - so lässt sich der neue Toyota Verso am besten beschreiben. Durch das Ersetzen von insgesamt 470 Teilen klotzte Toyota anstatt zu kleckern. Besonders auffällig: der im Vergleich zum Vorgänger extrem aufgewertete Innenraum mit einem neuen Wohlfühlfaktor. Familien wird der Toyota Verso mit dem großen Platzangebot viel Freude bereiten, die bereits in der Basis bei 21.150 Euro beginnt. Wer sich eine attraktive Ausstattung wünscht, sollte die mittlere „Life“-Version wählen, die ab 23.5450 Euro in der Preisliste steht.


Technische Daten Toyota Verso 2.0-l-D-4D Life (Fünfsitzer):

Antriebsart: Frontantrieb | Hubraum: 1.998 cm³ | Leistung: 91 kW/124 PS | Drehmoment: 310 Nm bei 1.600-2.400 U/min | Vmax: 185 km/h | Beschleunigung 0-100 km/h: 11,3 Sekunden | Durchschnittsverbrauch: 4,9 l/100 km | CO2-Emission g/km: 129 | Preis: ab 25.900 Euro

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