VW Polo Blue GT Test - Spritsparer mit Zylinderabschaltung

, 19.07.2012


Mit dem neuen VW Polo Blue GT soll die Lücke zwischen dem 1.2 TSI mit 77 kW/ 105 PS und dem Polo GTI mit 132 kW/180 PS geschlossen werden. Durch eine intelligente Kombination aus effizenzfördernden Maßnahmen, soll der neue Blue GT den perfekten Spagat aus Effizienz und Fahrspaß auf die Straße bringen. Wie er sich dabei geschlagen hat, soll dieser Fahrbericht vermitteln.

Hach, was war das damals schön! Mit frisch bestandenem Führerschein gab es zum 18. Geburtstag noch etwas Fahrbares dazu: einen Polo. Genauer gesagt: Einen runtergerittenen Polo II mit brachialen 40 Pferden unter der Haube. Die mussten mittels Choke bei Laune gehalten werden. Hässlich war die Möhre dazu auch noch!

Mal ehrlich, welcher 18-jährige Bube kann einem tannenbaumgrünen Auto mit voller Freude entgegentreten? Nicht zu vergessen: Die schicken Dekorationen in Form von zwei farbenfrohen Klebestreifen, die sich geradezu filigran in die Seitenlinie einfrästen. Aber es war egal. Das war mein erstes Auto und ich liebte es abgöttisch. Die Liebe hielt jedoch nicht lange; denn der kleine Polo verabschiedete sich höchst dramatisch.

Irgendwie sind wir seitdem nicht mehr zusammengekommen. Es sollte drei Polo-Generationen dauern, bis es endlich wieder soweit war. Im Rahmen der Polo Blue GT Präsentation in Amsterdam näherten wir uns also wieder vorsichtig an. Der erste Eindruck: "Mann bis du sexy geworden!" Wenn ich mir die Linienführung des alten Polo II anschaue und die geschickt inszenierten Bügelfalten im Blechgewand des aktuellen Modells vor meinen Augen Revue passieren lasse, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Die markanten Frontscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht werden durch den erfreulich unaufdringlichen Kühlergrill in ihrer Formgebung unterstützt. Für eine bessere Aerodynamik wurden dem Blue GT einige zusätzliche Spezifikationen erweitert. Eine Tieferlegung um 15 mm, neue 17-Zoll-Alufelgen, ein Dachkantenspoiler, Seitenschweller und modifizierte Stoßfänger mit Diffusor am Heck heben den Polo BlueGT von den Standardmodellen ab. Darüber hinaus ziert das GT-Logo den Kühlergrill und die Heckklappe. Insgesamt wirkt der Polo sehr stimmig, vielleicht sogar eine Spur mutiger als der Bestseller Golf.

Unter der Motorhaube pocht ein kleines 1.4 TSI-Herz mit modernster BlueMotion-Technologie. Als besonderes Merkmal erweist sich die Zylinderabschaltung (ACT). Das aktive Zylindermanagement bewirkt durch eine temporäre Stilllegung des zweiten und dritten Zylinders unter niedrigen und mittleren Lastzuständen eine Verbrauchssenkung von circa 0,4 l/100 km. Bei konstanter Fahrt mit 50 km/h im dritten oder vierten Gang soll sich sogar eine Verbrauchseinsparung von bis zu 1,0 Liter erreichen lassen.

Das ACT funktioniert dabei so perfekt, dass man von dem Vorgang im Grunde genommen gar nichts wahrnimmt. Über das manuelle Sechsgangschaltgetriebe sollen 4,6 Liter auf 100 km erreicht werden. mit dem 7-Gang-DSG-Getriebe sogar 4,5 Liter möglich sein. Das soll aber nicht heißen, dass hier ein schleichender Streber seinen Job tut. Im Gegenteil: Mit seinen 140 Pferden auf der Vorderachse, beschleunigt der Polo Blue GT in passablen 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Maximal sind 210 km/h möglich, die fix erreicht werden. Der gut abgeschirmte Motor fällt dabei soundtechnisch kaum zur Last.

Der Innenraum ist genauso wie man es bei VW gewohnt ist. Alles sitzt an seinen Platz und die Haptik bewegt sich auf einem hohen Level. Die Rundumsicht ist absolut zufriedenstellend ebenso die Polsterung der bequemen Sitze. Auch auf der Rückbank lässt sich als Erwachsener problemlos eine längere Fahrt aushalten. In meinem alten Polo wurde bei Verbannung auf die Rücksitzbank um den erlösenden Gnadenschuss gebettelt. So ändern sich die Zeiten. Der Kofferraum lässt sich bei Bedarf, dank der getrennt umklappbaren Rückbank, von 636 auf 1252 Liter erweitern.

Die Soundanlage ist absolut ausreichend für ein wenig Radiogedudel, wirkt bei basslastigen Songs aber schnell überfordert. Warum man es beim Polo noch nicht schaffte, den MMI-Anschluss in die Mittelkonsole zu positionieren, ist ein Rätsel, das zu lösen gilt. Die Bedienung des optionalen Navigations- und Multimediasystems fällt unter die Kategorie kinderleicht. Grundsätzlich wäre aber ein größeres Display durchaus wünschenswert gewesen. Zur Serienausstattung des Polo GT gehören unter anderem eine erweiterte Multifunktionsanzeige mit ACT-Zylinderabschaltungshinweis, eine Reifendruckkontrolle, eine Geschwindigkeitsregelanlage und Sportsitze vorn.

Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand und setzt Lenkbefehle präzise um. Gasbefehle werden zügig angenommen und über das optionale DSG-Getriebe zu Höchstleistungen getrieben. Dabei wird das höchste Drehmoment von 250 Newtonmetern schon bei 1.500 U/min erreicht. Die flotte Gangart setzt der Polo Blue GT auch auf der Landstraße fort. Das ESP regelt behutsam, zu zackig gefahrene Kurven werden hier und da mit einem schiebenden Gruß über die Vorderräder beantwortet. Das sportlich-komfortabel abgestimmte Fahrwerk federt dabei die gröbsten Bodenwellen anstandslos weg und gibt ein gutes Feedback in Richtung des Fahrers.

Fazit: Ein gelungenes Wiedersehen

Der neue VW Polo Blue GT überzeugt mit einem frischen Design, einem verhältnismäßig großem Platzaufgebot und sehr guter Verarbeitung. Die Symbiose aus Dynamik und Effizienz darf, nicht zuletzt dank der tadellosen Zweizylinderabschaltung, als gelungen betrachtet werden. Ab dem vierten Quartal 2012 kommt der neue Polo BlueGT auf den Markt. Der Grundpreis in Deutschland wird 19.650 Euro betragen. Eine kleine Differenz zu meinem alten Polo, den es damals für 500 D-Mark gab. Spaß gemacht hat er trotzdem!


Technische Daten Volskwagen Polo Blue GT:

Antriebsart: Frontantrieb | Hubraum: 1.395 ccm | Leistung: 103 kW (140 PS) bei 5.600 U/min | Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 - 3.500 U/min | Vmax: 210 km/h | Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 Sekunden | Durchschnittsverbrauch: 4,5 l/100 km | CO2-Emission: 105 g/km | Preis: ab 19.650 Euro

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Volkswagen-Testberichte

Den Beinamen Passat hat der VW CC verloren, sein Markengesicht ist weiterhin erkennbar.

VW CC V6 Test - Phaeton Junior die Zweite

Vier Jahre Später, also in der Gegenwart angekommen hat der Passat CC eine optische Überarbeitung bekommen. Volkswagen nennt dies „Design-DNA“ setzt dem neuen Model das typische VW-Markengesicht auf. Somit …

Zwar musste VW einigen Spott über sich ergehen lassen, doch erfolglos war der VW Jetta nie.

VW Jetta VI Test - Ohne Rucksack auf die Erfolgsstraße

Jetta, Bora und Vento waren bisher immer als „Rucksack-Golf“ verschrieen Er hörte bisher auf drei verschiedene Namen, aber es nützte nichts: Seit dem ersten Golf mit angeflanschtem Kofferraum namens Jetta …

VW Volkswagen Scirocco 2.0 TSI Test - Eine Ikone …

Das Design des Scirocco besteht aus Gegensätzen, die sich zu einem sportlichen Gesamtauftritt zusammenfügen: vorne kantig, hinten bullig. Bestimmen an der Frontpartie eher gerade und scharf gezogene Linien …

Phaeton Junior lässt grüßen - VW Passat CC

Wenn eine Einladung von VW auf den Tisch kommt und da steht auch noch Passat drauf, kommt eigentlich schon der Gedankengang: Augen zu und durch. Das soll nicht heißen, dass VW schlechte Automobile baut, …

VW Touareg V10 TDI Testbericht: The best one

Aber diese kleinen Luxuspanzer haben auch etwas an sich, das einem so manches Mal teuer zu stehen kommt. Durst… und was für einen. SUVs gehören noch zu der Gattung der entgegenlaufenden Tachonadeln. Zeigt …

AUCH INTERESSANT
VW ID.R: Die spektakulärsten Rekorde des Elektro-Racers

AUTO-SPECIAL

VW ID.R: Die spektakulärsten Rekorde des Elektro-Racers

500 kW/680 PS, schneller als ein Formel-1-Rennwagen und dazu ein unglaublicher Rekordjäger: Der VW ID.R ist der erste elektrische Rennwagen von Volkswagen und fährt auf den legendärsten sowie …


TOP ARTIKEL
Citroen e-C4 Test: Geheimtipp für ein Familien-Elektroauto
Citroen e-C4 Test: Geheimtipp für ein …
Nissan Qashqai 2021: Alle Infos und Daten - der erste Check
Nissan Qashqai 2021: Alle Infos und Daten - der …
Audi Q3 Hybrid Test 2021: Fast ohne Benzin mit dem Stecker
Audi Q3 Hybrid Test 2021: Fast ohne Benzin mit …
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
World Car of the Year 2021: Die Top 3 ist bereits bekannt
World Car of the Year 2021: Die Top 3 ist …
Mazda CX-5 2021 Test: Wie er noch besser und sparsamer wird
Mazda CX-5 2021 Test: Wie er noch besser und …
Citroen e-C4 Test: Geheimtipp für ein Familien-Elektroauto
Citroen e-C4 Test: Geheimtipp für ein …
Nissan Qashqai 2021: Alle Infos und Daten - der erste Check
Nissan Qashqai 2021: Alle Infos und Daten - der …
Villa mit Rennstrecke im Garten steht zum Verkauf
Villa mit Rennstrecke im Garten steht zum Verkauf


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo