Kehrtwende: Warum Fernando Alonso bei McLaren bleibt

, 01.09.2017

Plötzlich schwärmt er in den höchsten Tönen von Honda und sieht Chancen auf die WM: Fernando Alonso deutet an, dass er bei McLaren bleiben wird

"GP2 Engine", "embarrassing", "Engine failure, Engine failure": Die Liste der Funksprüche, mit denen Fernando Alonso McLarens Motorenpartner Honda immer wieder öffentlich gedemütigt hat, ist lang. Eine Zeit lang schien es schwer vorstellbar, dass er eine vierte Saison bei McLaren anhängen würde - zumindest mit Honda als Motorenpartner. Doch nun bestätigen sich Informationen, die 'Motorsport-Total.com' bereits am Spa-Wochenende veröffentlicht hat.

Am Samstagmorgen vor dem Grand Prix von Belgien, so haben wir aus McLaren-Management-Kreisen erfahren, verständigten sich McLaren-Teamchef Zak Brown und Alonso bei einem gemeinsamen Frühstück auf die grundlegenden Bedingungen für eine weitere Zusammenarbeit. Stand Sonntagabend in Spa mussten nur noch Formalien geklärt werden.

Das erklärt auch, warum Alonso am Donnerstag in Monza eine Kehrtwende vollzogen hat, was seine Äußerungen über McLaren und Honda angeht. Nach monatelangem Gemeckere macht er nun plötzlich ganz auf Teamplayer. Daraus könnte man schließen: Weil er nicht mehr um seine Vertragsposition pokern muss, kann er die öffentliche Kritik jetzt abstellen.

Lobende Worte für McLaren, neuer Glaube an Honda

Und das klingt dann so: "Wir haben jetzt einige Zutaten, um Weltmeister zu werden. Das Team hat sich in den vergangenen drei Jahren, seit ich gekommen bin, stark verbessert. Ich glaube, wir haben das Talent im Team, wir haben die Ausstattung, wir haben alles. Wir müssen nur etwas schneller werden, was zugegeben am wichtigsten ist. Jetzt schauen wir uns mal die Zahlen für nächstes Jahr an, und dann treffen wir eine Entscheidung."

Was zwischen den Zeilen suggeriert, dass er den Vertrag noch nicht unterschrieben hat. Kurz vor Monza wurden sogar Gerüchte gestreut, Alonso könnte doch ein Jahr Formel-1-Pause machen und stattdessen IndyCar fahren. Doch das ist ebenso haltlos wie ein kolportierter Wechsel zu Williams. Dafür hat sich nur Paddy Lowe wirklich stark gemacht. Realistisch war die in Spa gezielt gestreute Spekulation zu keinem Zeitpunkt.

Alonso kann es nur recht sein, wenn er mit anderen Optionen in Verbindung gebracht wird. Das verbessert seine Position im Gehaltspoker mit McLaren und Honda. Honda ist ihm aber plötzlich kein Dorn mehr im Auge - und alleine das spricht schon Bände über seine Planung: "Das ist absolut nicht wahr", dementiert er entrüstet Berichte, wonach er McLaren verlassen sollte, falls Honda bleibt.

Alonso plant Erkundungsflüge nach Japan

"Es ist genau wie mit Ferrari 2014/15, als sie beim Motor einen Riesenschritt gemacht haben. Wenn du beim Motor einmal den Dreh raus hast, der Verbrenner funktioniert und alles besser wird, dann kommen sehr schnell Ergebnisse dabei raus", hofft er. "Ich muss jetzt für mich feststellen, welche Entwicklungen Honda so plant. Und sie haben die Erfahrung der letzten drei Jahre. Es ist schon möglich, warum nicht?"

Der neu entdeckte Glaube an Honda liegt wohl auch ein bisschen daran, dass Alonso keine Alternativen hat - zumindest keine, die ihn 2018 in ein Siegerauto in der Formel 1 bringen würden. Vom McLaren-Chassis ist er überzeugt - so sehr, dass er in Spa meinte, mit einem Mercedes-Motor hätten er und Stoffel Vandoorne beim Grand Prix von Belgien Doppel-Pole geholt. Und von Hondas Ambitionen will er sich nun überzeugen. Zur Not mit Flügen nach Japan.

Sein Ex-Team Renault ist jedenfalls kein Thema: "Renault wird immer in meinem Herzen sein", sagt er und verweist darauf, dass Renault sogar einer der Vertragspartner seiner Kartbahn in Spanien ist. Aber: "Ich bin extrem glücklich, wo ich bin, und ich glaube, dass wir ein Paket haben, mit dem ich Weltmeister werden kann. Außerdem hat Renault diese Woche schon gesagt, dass sie noch nicht so weit sind. Das finde ich sehr ehrlich."

Alonso möchte Ende 2018 alle Freiheiten haben

Vermutlich läuft nun alles darauf hinaus, dass Alonso einen Einjahresvertrag unterschreibt, um 2019 frei zu sein, wenn sich bei Mercedes, Ferrari und Red Bull etwas bewegen könnte. Oder er handelt einen Mehrjahresvertrag mit Ausstiegsklauseln aus. "Wenn sie es nicht hinbekommen, könnte ein Jahr funktionieren", sagt er ganz offen - und lächelt: "Oder drei, oder fünf. Ich bin noch jung genug!"

Denn dem Angriff der "jungen Wilden" hält der 36-Jährige immer noch stand: "Ich bin fitter denn je und schneller denn je. Stoffel ist ein großes Talent, genau wie Leclerc in den Nachwuchsklassen. Er hat jedes Rennen dominiert - und trotzdem war der Vorsprung auf meinen Teamkollegen im Qualifying und Rennen noch nie so groß wie dieses Jahr. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich diese neuen Autos auf einem Level fahren kann, das ich vorher nicht erreicht habe."

Nachsatz: "Ich höre erst auf, wenn ein Teamkollege schneller als ich ist!"

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