Kontroverse Rosberg-Pole: Mercedes winkt ab, Red Bull tobt

, 23.07.2016

Hat Rosberg in Q3 unter Gelb genug verlangsamt? Während Mercedes ihn verteidigt, setzen ihn die Daten und ein tobender Marko unter Druck - Hamilton bleibt gelassen

Als sich der Regen über dem Hungaroring verzogen hatte, hätte Nico Rosberg strahlender Pole-Position-Held des Qualifyings zum Ungarn-Grand-Prix sein können. Statt im Freudentaumel fand sich der Mercedes-Star am Samstag inmitten einer Kontroverse wieder, weil er seinen schnellsten Umlauf in Q3 unter gelben Flaggen gesetzt hatte. "Er ist in dem Sektor absolute Bestzeit gefahren, obwohl doppelt Gelb geschwenkt wurde", beschwert sich Red-Bull-Lautsprecher Helmut Marko.

Rosberg war durch den zweiten Abschnitt gebraust, kurz nachdem sich im Kurvengeschlängel Fernando Alonso im McLaren gedreht hatte. Als der Deutsche an die Unfallstelle kam, hatte der Spanier seine Fahrt gerade im Schleichtempo fortgesetzt. Für Marko ist klar, dass die Rennleitung eingreifen muss, zumal Rosberg an drei Stellen Gelb sah - zweimal auf LED-Tafeln, einmal doppelt geschwenkt durch einen Streckenposten. "Das heißt: Er muss zum Anhalten bereit sein. Das ist so was von offensichtlich. Zumindest diese Zeit muss gestrichen werden", hadert Marko.

Bei den Silberpfeilen befürchtet man hingegen keine Sanktionen. "Er ist da unter Gelb vom Gas gegangen. Er hat auch Zeit verloren. Das sollte in Ordnung sein", winkt Sportchef Toto Wolff ab. Auch Niki Lauda verteidigt seinen Piloten, sieht jedoch Ermessensspielraum bei der FIA, selbst wenn Mercedes die Telemetrie zur Verteidigung Rosbergs vorbringt: "Nach unseren Daten ist er langsamer geworden. Wieviel, das ist die große Frage. Aber er hat auf jeden Fall gelupft."

Rosberg spricht von "sehr, sehr großem Lupfer"

Rosberg stimmt seinen Chefs zu und bezeichnet es als "sehr, sehr großen Lupfer", den er in Q3 auf der Pole-Runde unternommen hätte. "Ich habe viel Zeit verloren, war in dem Sektor langsamer als in der Runde zuvor. Sicher wird das in Ordnung gewesen sein." Marko schüttelt angesichts der Erklärung einer Zeit, die gut genug war für Platz eins, den Kopf: "Dann müsste er drei Sekunden schneller sein! Das ist eine derartige Farce! Ich bin gespannt, ob da endlich reagiert wird."

Auch der Blick auf die Sektorenzeiten sagt etwas anderes: Während Lewis Hamilton, der angesichts des noch stehenden Alonso-Autos auf der Bahn abbremsen musste, in 36,653 Sekunden gestoppt wurde, benötigte Rosberg 28,759 Sekunden. Zum Vergleich: Im trockenen dritten Freien Training hatte er dort eine Bestzeit von 28,858 Sekunden erzielt. Das muss er der FIA wohl erklären.

'RTL'-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock verteidigt Rosberg hingegen und bringt es als Argument vor, dass Alonso nicht mehr auf der Bahn stand: "Ich würde sagen, da war jetzt keine Gefahrenstelle. Da wurde natürlich so lange gelb geschwenkt, wie das Auto da noch stand. Das ist die Verzögerung, bis dann oben auf grün gedrückt wird." Nur: Kann Rosberg das auch ahnen?

Mercedes atmet auf: In Q1 nur mit Glück weitergekommen

Mit dem restlichen Qualifying ist Mercedes zufrieden: Toto Wolff lobt Rosberg und Hamilton, der letztlich mit 0,143 Sekunden Rückstand auf Rang zwei landete: "Unter diesen Bedingungen kann man mehr falsch machen als richtig. Insofern bin ich glücklich", sagt der Österreicher, der im ersten Durchgang auch wegen zahlreicher Unterbrechungen - und wegen des schlechten Timings nicht beendeter Runden - hatte zittern müssen. "Es war dramatisch. Als wir in Q1 Letzter und Vorletzer waren, ist es sich haarscharf ausgegangen. Da haben wir Glück gehabt. Glück des Tüchtigen."

Hamilton befasst sich derweil nicht mit dem Rosberg-Vorfall und spielt seine Enttäuschung in der Pressekonferenz herunter, zumal er im ersten Sektor rund vier Zehntelsekunden schneller unterwegs war als der Teamkollege, ehe die gelbe Flagge kam. "Ich habe getan, was ich tun konnte. Ich war mit meiner Runde zufrieden. Ärgerlich, was mit Fernando passiert ist, aber solche Dinge tragen sich eben zu und ich bin nicht allzu enttäuscht", so der Champion. Boss Wolff tröstet ihn nicht: "Wer vorne ist, war heute eben der Schnellste. Das war einfach knifflig."

Sollte die Startaufstellung unverändert bleiben, ist Rosberg für das Rennen in deutlich besserer Ausgangsposition. "Hier ist es schwierig zu überholen und das Qualifying von großer Bedeutung", betont er und strotzt vor Selbstvertrauen. "Ich habe mich das gesamte Wochenende über wohlgefühlt. Ob mit bei trockenen Bedingungen oder bei Nässe, ob mit vollem oder mit leerem Tank." Timo Glock warnt jedoch vor Hamilton, der nach seinem Crash im Freien Training mit einem neuen Sitz startet. Sein alter war bei dem heftigen Einschlag gebrochen: "Der Nachteil der Pole ist hier, dass der Weg zur ersten Kurve sehr lang ist.Wenn sie beide einen guten Start haben, kann Lewis im Windschatten in der ersten Kurve attackieren." Dafür gebührt Rosberg jedoch die saubere Seite der Strecke.

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