Motorenpapst Illien als Retter? Was bei Honda schiefläuft

, 05.04.2017

Wie Honda zu Weihnachten völlig unvorbereitet in ein Debakel schlitterte, wo das Problem liegt und welche Rolle Motorenpapst Mario Illien spielen könnte

Nach einem leichten Aufschwung im Vorjahr ist McLarens Antriebspartner Honda dieses Jahr wieder in enorme Probleme geschlittert. Doch wie wollen die Japaner die aktuelle Krise lösen? Und vor allem: Wie rasch ist das möglich? Hondas Sportchef Yusuke Hasegawa hat in der Motorenfabrik in Sakura bereits erste Umstrukturierungen in die Wege geleitet. "Wir nennen keine Details", sagt er gegenüber 'Racer', "aber wir haben in der Organisation und bei den Mitarbeitern Änderungen vorgenommen. Diese Dinge wirken sich aber normalerweise langfristig aus - und nicht in ein oder zwei Wochen."

Bereits nach den katastrophalen Wintertests gab es in Japan ein Donnerwetter. Es ist bekannt, dass Motorenberater Gilles Simon, der lange bei Ferrari und dann auch für die FIA arbeitete, nach den zahlreichen Defekten bei den Versuchsfahrten seinen Hut nehmen musste. Zudem deutet einiges daraufhin, dass Ex-Renault-Berater Mario Illien, der großen Einfluss auf die Fortschritte der Franzosen hatte, nun bei Honda seine Finger im Spiel hat, während 'Auto Bild motorsport' spekuliert, dass Illien McLaren dabei helfen soll, einen eigenen Motor zu bauen.

Auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' war der Schweizer zu keiner Stellungnahme bereit. Und auch ein McLaren-Sprecher meinte bloß: "Es liegt nicht an uns, Spekulationen zu kommentieren, die sich um Motoren-Angelegenheiten drehen." Ein Dementi, dass Illien Honda nun aus der Patsche helfen soll, sieht anders aus.

Erst ab Europasaison Hoffnung auf Fortschritte

Fakt ist aber, dass Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne vorerst mit dem aktuellen Motor, dem es massiv an Leistung fehlt, leben müssen. Erst ab Spanien oder Monaco seien Änderungen realistisch. "Wenn wir eine gute Lösung finden, dann müssen wir den Motor beim fünften oder sechsten Lauf wechseln", meint Hasegawa gegenüber 'Autosport'. "Ich will davor oder rund um diese Zeit unbedingt eine neue Ausbaustufe bringen."

Inzwischen ist auch klar, wie es dazu kommen konnte, dass Honda dermaßen daneben gegriffen hat. "Wir haben die Aufgabe unterschätzt", gibt Hasegawa offen zu und nimmt die Schuld auf sich: "Das war mein Fehler." Ende 2016 kündigte er an, dass man bei der Entwicklung der brandneuen Antriebseinheit auf ein neues, riskantes Konzept setze und so das Niveau von Mercedes erreichen wolle.

Vorkammer-Zündung treibt Honda in den Wahnsinn

Dabei handelt es sich um die Vorkammer-Zündung. Dabei gelangt ein mageres Benzingemisch in die Vorkammer des Zylinders. Rund um die Zündkerze bildet sich daraufhin eine dunstartige Wolke. Wenn es zur Explosion kommt, wird auch das restliche Gemisch perfekt gezündet, wodurch viel mehr Energie entsteht als beim normalen Verfahren.

All das habe bei den Versuchen mit einem Zylinder auf dem Prüfstand auch optimal funktioniert, "aber sobald wir den V6-Motor fertiggestellt hatten, hatten wir viele Probleme", gibt der Japaner Einblicke. "Was wir also bei einem Zylinder erreicht haben, ist auf einem sehr guten Niveau, aber wenn wir genau das gleiche beim V6-Motor machen, dann funktioniert es nicht."

Das geschah laut Hasegawa zu Weihnachten. "Da war es zu spät", seufzt er. Kein Wunder also, dass man bei den Testfahrten nur noch auf Schadensbegrenzung aus war: "Wir mussten einen Kompromiss eingehen, weil wir die letzte Ausbaustufe einreichen mussten." Er bestätigt, dass das aktuelle Problem vor allem die "enormen Vibrationen" sind: "Auf den Prüfständen hatten wir nicht so ein großes Problem, aber gemeinsam mit dem Getriebe, der Antriebswelle und den Reifen gibt es Resonanzen."

Notlage erst "zu Weihnachten" erkannt

Das wirkte sich vor allem auf die Zuverlässigkeit aus, aber auch die Leistung, die "ungefähr gleich wie im Vorjahr ist", lässt zu wünschen übrig. McLaren nimmt er währenddessen klar aus der Schusslinie: "Ich gebe dem Chassis keine Schuld."

Um das aktuelle Problem zu lösen,bräuchte Honda einen Super-Prüfstand, wie ihn Red Bull sein eigen nennt. Dort kann das sich auf Rollen befindende Auto zur Gänze in der Fabrik getestet werden und ist mit dem Fahrsimulator verbunden. Jede Strecke kann also simuliert werden. So ist es Red Bull gelungen, gemeinsam mit Renault der Antriebseinheit seine Kinderkrankheiten auszutreiben. Gut möglich, dass auch Illien in diesem Bereich Input geben kann.

Obwohl weder McLaren noch Honda über eine derartige Anlage verfügt, ist Hasegawa zuversichtlich, dass man die Probleme lösen wird: "Wir haben mit einem Zylinder bereits ein gutes Performance-Niveau erreicht, jetzt müssen wir diese Technologie auf den V6-Motor übertragen. Obwohl wir uns da verbessern müssen, bin ich zuversichtlich, dass wir dieses Niveau erreichen können."

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