Neuer Asphalt: Rundenrekorden in Ungarn zu erwarten?

, 18.07.2016

Ein neuer Fahrbahnbelag, schnellere Autos und weniger Bodenwellen: Die Formel 1 wird am Grand-Prix-Wochenende 2016 in Budapest auf Rekordjagd gehen

Mit dem Grand Prix von Ungarn 2016 geht die Formel 1 am kommenden Wochenende in ihr vorletztes Rennen vor der Sommerpause. Die Teams - außer Sauber - haben sich bereits in der vergangenen Woche bei Testfahrten in Silverstone auf die Besonderheiten des Hungarorings eingestellt. Zur Saison 2016 wurde an der Strecke nahe der ungarischen Hauptstadt Budapest vieles erneuert. Unter anderem wurde die 4.381 Meter lange Bahn mit einem neuen Asphalt versehen.

"Die Autos sind in diesem Jahr schneller, der neue Asphalt bietet mehr Grip. Da sind neue Streckenrekorde nicht ganz unwahrscheinlich", freut sich Pirelli-Formel-1-Projektleiter Mario Isola auf Topzeiten am kommenden Wochenende. Der Hungaroring ist nach dem Red-Bull-Ring in Spielberg die zweite Strecke des Jahres, die mit einem neuen Belag aufwartet. Im weiteren Verlauf der Formel-1-Saison 2016 kommt man auch noch in Malaysia (Sepang) auf frischen Asphalt.

Pirelli hat sich die veränderten Bedingungen in Budapest vor rund drei Wochen bei einem Kurzbesuch vor Ort angeschaut. "Die Beschaffenheit ist nur wenig anders als bei dem alten Asphalt, aber wir mussten uns natürlich ein Bild vom neuen Griplevel machen. Es ist immerhin möglich, dass der Asphalt diesmal anders aufbereitet wurde", sagt Isola. Beim Auftragen einer neuen Schicht geht es nicht nur um die verwendeten Baustoffe, sondern auch um die Nachbehandlung.

"In Österreich hat man mit hohem Wasserdruck das Bitumen etwas ausgespült. Das hat man getan, um den Asphalt quasi künstlich altern zu lassen - damit verhindert man, dass sich die Oberfläche bei Benutzung zu sehr verändert. Ich weiß nicht, ob man so etwas in Budapest auch gemacht hat", sagt der italienische Pirelli-Manager. Schon beim ersten Blick auf die Strecke wurde jedoch klar, dass der frische Asphalt erheblich dunkler ist als der alte, der mit den Jahren ausgeblichen war.

Rekord für Hybridautos ja, absoluter Rekord nein

"Eines ist klar: Bei einem sehr dunklen Asphalt heizt sich alles erheblich mehr auf. Die Schwankungen sind viel größer", sagt Isola. Gerade unter der prallen Sonne Ungarns könne dies Auswirkungen haben. "Wir haben das in Baku gesehen. Beim Rennstart hatten wir 52 Grad auf der Strecke, als dann Schatten fiel, gingen die Werte deutlich zurück - nämlich auf nur noch 40 Grad. Der Reifenverschleiß zu Beginn des Rennens und zum Ende war komplett unterschiedlich."

"In Ungarn muss man immer im Hinterkopf behalten, dass es dort kaum längere Geraden gibt. Das bedeutet, dass der Reifen immer in einem hohen Temperaturfenster bleibt, weil es gar keine Phase gibt, in der er wirklich etwas abkühlen kann", erklärt Isola. "Auf vielen anderen Strecken werden die Reifen beim Beschleunigen und Bremsen sehr belastet, in Budapest eher weniger. Dort wirken im Vergleich sehr hohe Lateralkräfte, was für hohe Temperaturen in den Pneus sorgt."

"Wir bei Pirelli können zwar den mechanischen Grip abschätzen, aber das ist nicht alles. Was über Adhäsion an Grip entsteht, müssen wir dann schauen. Das hängt sehr von den Materialien ab, die dort verwendet wurden", meint der Italiener. "Wir haben uns die Erfahrungen anderer Serien angehört. Es scheint ein bisschen aggressiver geworden zu sein. Am Mittwoch vor dem Rennen werden wir alles noch einmal genau unter die Lupe nehmen und die Daten dann den Teams weiterleiten."

Am Rennwochenende der Tourenwagen-Weltmeisterschaft Wurde Ende April sehr deutlich, dass der Grip auf dem neuen Asphalt erheblich zugenommen hat. Die Autos WTCC waren um Welten schneller als im Vorjahr. Die Qualifyingbestzeit im April war um satte 2,7 Sekunden besser als der Vergleichswert aus der Saison 2015 - bei vergleichbaren Bedingungen. Die Formel 1 sollte also ebenfalls zulegen können. Ob man allerdings in die Regionen der Saison 2004 (Rundenrekord von Michael Schumacher: 1:19.071 Minuten) vordringen kann, darf bezweifelt werden.

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