Teamchefs üben Kritik an neuen Regeln: "Wie im Supermarkt"

, 18.03.2016

Ferrari-Rennleiter Arrivabene fürchtet Staugefahr im neuen Qualifying - Red-Bull-Kollege Horner ätzt gegen verschärfte Funkregeln: "Schicken wir doch eine SMS"

Die Formel 1 bleibt einem ungeschriebenen Motto treu: keine Regeländerung ohne Kontroverse. Das "Reise-nach-Jerusalem"-Qualifying und die verschärfte Handhabe der FIA bei Fahrtipps im Funk bilden keine Ausnahme. Ehe die neuen Bestimmungen beim Australien-Grand-Prix an diesem Wochenende erstmals zur Anwendung gekommen sind, hagelt es aus den Reihen der Teamchefs Kritik. Maurizio Arrivabene wittert verstopfte Rennstrecken, Christian Horner die digitale Steinzeit.

Der Ferrari-Teamchef befürchtet, dass aufgrund des erhöhten Drucks im Zeittraining insbesondere im ersten Abschnitt das Glück über den Erfolg entscheidet. Schließlich könnte es mit 22 Autos auf der Bahn nicht nur am Boxenausgang zu Staus kommen, sondern auch zu vielen Behinderungen auf dem Rest des Kurses. "Sicher ist, dass zu Beginn zugehen wird wie sonst nur samstags an der Supermarktkasse. Jeder wird rausgehen wollen", blickt Arrivabene auf die Premiere des Formats.

Der Italiener, der seinen Reformwillen in der Vergangenheit betonte und sich für mehr Anreize für die Zuschauer stark machte, ist mit einer Veränderung des Modus aber grundsätzlich einverstanden. "Ich will mich nicht gegen Veränderungen stemmen", so Arrivabene. Er will dem Qualifying eine Chance geben, obwohl er es für einen Schnellschuss hält: "Es wäre nicht fair, es zu kritisieren, ehe es stattgedunden hat. Ich denke nur, man hätte den Teams Zeit geben sollen, an Ideen zu arbeiten."

So viel Milde lässt Kollege Christian Horner nicht walten, wenn es um die schärfere Auslegung der Funkregeln geht. "Wie in der modernen Technologie und der Kommunikation heutzutage üblich, arbeiten wir mit Textnachrichten. Vielleicht ist es einfacher, dem Fahrer eine SMS zu schicken, wenn wir schon nichts sagen", bemerkt der Brite süffisant über den Umgang mit Informationen, die nicht über den Äther laufen dürfen. Er stellt klar: "Wir sind in Sachen Funk zu weit gegangen."

Während Mercedes-Sportchef Toto Wolff in eingeschränkter Kommunikation einen Grund für Unfälle wie den Nico Rosbergs im Freien Training in Melbourne erkennt, befürchtet Horner, dass auch das Entertainment leidet. "Es nimmt uns ein Element des Dialogs zwischen Fahrer und Ingenieur", bedauert er mit Blick auf zahlreiche Gespräche mit dem Kommnadostand, die der Szene im Gedächtnis geblieben sind. "Genau das kann für die Fans spannend und unterhaltsam sein."

Dritter Kritikpunkt Horners: "Wir denken nicht an die Konsequenzen." Ein weiteres Problem sei die Komplexität der Autos mit ihrer trickreichen Elektronik und den anspruchsvollen V6-Hybriden. Längst sind in den Cockpits unzählige Schalter und Knöpfe verbaut, die viele Piloten nach eigener Aussage nicht mehr im vollem Umfang verstehen. "Die Hilfe, die vom Kommandostand notwendig ist, ist eine ganz andere als noch vor vier oder fünf Jahren", warnt der Red-Bull-Teamchef.

"Die Regeln an die Funktionsweise der Auto anzupassen, ist eine Sache. Sich an den sportlichen Ansprüchen zu orientieren eine andere", untererstellt Horner der FIA, wichtige Sachverhalte bei der Regelgestaltung außer Acht gelassen zu haben. Für sind ist ohnehin nicht die Gespräche mit dem Fahrer, sondern die Dialoge der Verantwortlichen am Kommnadostand selbst des Pudels Kern - wenn etwa der Teamchef, der Dateningenieur und der Chefstratege über die richtige Boxentaktik oder mögliche Stallregie sprechen. "Wir würden liebend gerne den Mercedes-Funk hören", flachst Horner.

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