Zu wenig Elektropower: Hamiltons Baku-Problem erklärt

, 27.06.2016

Video: Mercedes-Antriebschef Andy Cowell erklärt die Ursache für Lewis Hamiltons Frust im Grand Prix 2016 von Baku - Wenn der E-Motor ohne Power ist

Nach zwei Siegen in Monaco und Montreal erlebte Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton im Grand Prix von Europa 2016 in Baku einen herben Rückschlag. Beim Triumph seines Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg in Aserbaidschan kam der Brite nur als Fünfter ins Ziel und verlor dadurch den Anschluss in der WM-Gesamtwertung wieder etwas mehr. Ursache für die Hamilton-Schwäche war ein technisches Problem am Mercedes-Antrieb.

Der Silberpfeil des amtierenden Champions konnte das Tempo der Spitze nicht mitgehen. Der Grund: Sein Mercedes litt zwölf Runden lang unter einem sogenannten "De-Rating", einem Verlust von Antriebsleistung in der ersten Beschleunigungsphase. Mit veränderten Einstellungen hätte man Hamilton helfen können, doch das Reglement mit seinen Einschränkungen im Funk verhinderte dies - und sorgte beim dreimaligen Weltmeister für viel Frust.

"Als 'De-Rating' bezeichnen wir die Phasen beim Betrieb des Antriebs, wenn die MGU-K sich abschaltet", erklärt Mercedes-Antriebschef Andy Cowell in einem Video der Silberpfeile, das Hamiltons Probleme darlegt. "Zusammen bringen der V6-Verbrennermotor und die MGU-K rund 900 PS, die MGU-K allein 160 PS", sagt der britische Ingenieur. Während Rosberg die 160 PS vom E-Motor in normaler Form nutzen konnte, setzte bei Hamilton der Zusatzschub vorzeitig aus.

Wenn 160 PS früher als erwartet fehlen

"Der Generator bezieht jene Energie, die beim Bremsen kinematisch sowie von der MGU-H am Turbolader zurückgewonnen wird. Auf beiden Wegen wird die Batterie gefüllt. Diese Energie aus der Batterie wird genutzt, um der MGU-K entsprechend Leistung für die Beschleunigung zu liefern", schildert Andy Cowell die Funktionsweise des Systems. Die rekuperierte Energie muss anhand einer möglichst optimalen Betriebsstrategie für schnelle Rundenzeiten eingeteilt werden.

"Es gibt nicht immer ausreichend Energie, um die MGU-K für den Vortrieb zu nutzen. Dies ist vor allem auf langen Runden der Fall. Bei einer sechs Kilometer langen Strecke wie in Baku ist es schwierig, immer auch Power für die MGU-K zu haben. Runde für Runde immer die gleiche Power - das schafft keiner, auch die anderen Hersteller nicht", sagt der Mercedes-Motorenchef. "In Kanada mit seiner nur 4,5 Kilometer langen Runde ist das easy."

"Wir haben für einen Betriebsmodus des Antriebs eine falsche Kalibrierung gehabt. Das führte dazu, dass die MGU-K nicht maximal lange mit angeschoben hat", nennt Cowell das Problem von Mercedes in Baku. Nico Rosberg hatte vor dem Start eine andere Einstellung gewählt, sodass sein Auto schnell in den optimalen Modus gebracht werden konnte. Bei Hamilton waren mehrere Schritte notwendig, die man ihm im Funk jedoch nicht erklären durfte.

"Frustrierend für einen Fahrer", sagt Cowell. Der britische Techniker verspricht, dass ähnliche Sorgen auf der sieben Kilometer langen Strecke von Spa-Francorchamps, wo Ende August der Grand Prix von Belgien ausgetragen wird, nicht noch einmal auftreten werden. "Wir müssen vor den Rennen mehr solcher Betriebsstrategien testen - und zwar auf der Strecke. Im Rennen haben wir aufgrund der Funkeinschränkungen keine Chance, dem Fahrer schnell zu erklären, wie er die Situation beheben kann."

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