Mercedes B 55: Ein brisantes Einzelstück mit V8-Power

, 06.02.2011


Ganz große Augen bekommt man bei dieser Mercedes-Benz B-Klasse: Von außen unscheinbar, verbirgt sich beim Mercedes B 55 unter der Haube ein gewaltiger V8-Motor, der den Kleinen zu einem echten Sports Tourer mit Hinterradantrieb avancieren lässt. Seine Geräumigkeit und praktischen Werte hält diese B-Klasse bei all der Kraft selbstverständlich bei. Wer nun Begehrlichkeit verspürt: Der 388 PS starke Mercedes B 55 ist nur ein Einzelstück - imposant geschaffen von Auszubildenden.


Die Idee zum Mercedes B 55 hatte der Rastatter Mercedes-Werkleiter Peter Wesp, der den Auszubildenden die Aufgabe stellte, auf Basis einer B-Klasse ein ganz besonderes Fahrzeug zu realisieren - wie und was, überließ Wesp der Kreativität seiner Mitarbeiter. Andreas Würz, Meister in der technischen Berufsausbildung, ließ sich nicht lange bitten: Würz schaute sich das große Kompaktmodell genau an, nahm einen Zollstock zu Hilfe und formulierte eine Idee, die nicht nur den Chef und seine Kollegen verblüffte und begeisterte, sondern auch die Auszubildenden: „Eigentlich müsste ein V8-Motor in den Motorraum passen.“

Zusammen mit dem Meisterkollegen Matthias Rieger aus dem Bereich „Montage Elektrik/Elektronik“ stellte Würz ein Team aus 12 Auszubildenden der Berufe Fertigungsmechaniker und Kfz-Mechatroniker aus dem zweiten und dritten Lehrjahr zusammen und formulierte ein Lastenheft: Das Raumkonzept der B-Klasse sollte unverändert bleiben und auch von außen sollten nur dezente Hinweise auf den Umbau erkennbar sein. Der Innenraum sollte entsprechend der angestrebten neuen Fahrzeugklasse aufgewertet werden und das Gesamtergebnis nahezu alltagstauglich sein.

Exterieur: Nur Kleinigkeiten deuten auf das Muskelpaket

Derart sportliche Gene würde man beim Anblick des Mercedes B 55 nicht vermuten. Die serienmäßige Formensprache charakterisieren markante Linien und eine breite Frontpartie. Prägend ist in der Seitenansicht die Keilform. Eigentlich ganz bewusst unspektakulär - halt nach außen hin optisch eine fast normale B-Klasse.

 

Es sind optisch nur Kleinigkeiten, an denen sich die modifizierte B-Klasse erkennen lässt. So erhielt der Mercedes B 55 den finalen Schliff in der Lackiererei des Werkes Rastatt: Im trendigen Weiß, mit dunkel lackierten Kühlerlamellen und rauchdunklen Scheinwerfern steht die B-Klasse jetzt prall da, deutet gleichzeitig aber nur an, dass sie es faustdick unter dem Blech hat.


Power: V8-Motor mit 388 PS in der kompakten B-Klasse

Ein „Opfer“ für den Umbau war schnell gefunden: Ein Mercedes B 200 CDI, der ohnehin zu Ausbildungszwecken an die Ausbildungswerkstatt delegiert war. Während die Auszubildenden dieses Fahrzeug komplett zerlegten, machte sich Würz auf die Suche nach einem geeigneten Motor und wurde fündig. Wenn schon, denn schon: Den 5,5 Liter großen V8-Motor mit 388 PS und 530 Nm Drehmoment transplantierten die Macher samt 7-Gang-Automatik und Motorsteuergerät in die B-Klasse. Dazu war es notwendig, das Steuergerät so umzuprogrammieren, dass es lediglich Signale von den angetriebenen Hinterrädern verarbeitete.

Das V8-Herz passte und die Auszubildenden konnten sogar die originalen Motoraufhängungen verwenden. Ernste Probleme gab es nur mit der Lenkung, aber durch eine Reihe von Modifikationen ließ sich auch hier die alte Harmonie wiederherstellen. Die zweiflutig bis zum Heck führende und dort mittig mündende Abgasanlage schufen die Macher aus verschiedenen Ersatzteilpositionen - ihr ist der typisch brabbelnde Sound des B 55 zu verdanken. So dürften sich beim Drehen des Zündschlüssels gleichzeitig viele in der Nähe befindlichen Köpfe verwundert in Richtung dieser B-Klasse drehen.

Umfangreiche Modifikationen ermöglichen Heckantrieb

Intensive Beschäftigung mit Ersatzteilkatalogen löste das zweite grundlegende Transplantationsproblem: der Antrieb der Hinterachse. Es zeigte sich, dass die Hinterachse einer älteren E-Klasse der Baureihe W 210 geometrisch bestens passen würde. Werkleiter Wesp gab die Beschaffung frei, während Würz und Kollegen einen Hilfsrahmen konstruierten, der nach umfangreichen Blech- und Schweißarbeiten in die Karosserie der B-Klasse integriert wurde und die neue Hinterachse aufnahm. Elegant im Sandwichboden versteckt, passte ohne weitere Modifikationen die Kardanwelle der E-Klasse.

 

Besonders stolz sind die Projektverantwortlichen rund um Meister Würz darauf, dass sich das Gewicht des B 55 gegenüber dem Ausgangsfahrzeug nur um rund 180 Kilogramm auf 1620 Kilogramm erhöhte. Das lässt beeindruckende Fahrleistungen erwarten. Würz: „Gemessen haben wir noch nicht, aber unter 8 Sekunden sollten wir den Sprint auf 100 km/h schon schaffen.“


Fest zupackende Bremsen und optimiertes Fahrwerk

Für die Bremsanlage fand das Team ebenfalls im Ersatzteilkatalog die passenden Komponenten - und zwar beim Mercedes C 32 AMG. Vorne implantierte das Team gelochte und innenbelüftete Scheibenbremsen in 345 x 34 Millimetern, hinten gelochte und innenbelüftete Scheibenbremsen in 300 x 30 Millimetern.

Das Ganze kombinierten die Macher mit AMG-Sporträdern im 5-Speichen-Design und den stattlichen Abmessungen 8,5 x 18 Zoll mit Reifen im Format 235/40 an der Vorderachse und 9 x 18 Zoll mit Reifen der Dimension 255/35 hinten. Dafür wurde der Lenkeinschlag an der Vorderachse gegenüber dem Original beschränkt. Beim Fahrwerk half der Griff ins typische Tuner-Regal: zum Einsatz kam ein Gewindefahrwerk von K&W, das die Wank- und Nickbewegungen reduziert.

Interieur: Der edle Feinschliff

Bei der Innenausstattung kamen die Freunde von der Ausbildungswerkstatt in Sindelfingen zu Hilfe und steuerten Alcantara-Verkleidungen der A-, B- und C Säulen sowie einen ebenfalls mit dem noblen Material bezogenen Dachhimmel bei. Durch eine Leder/Alcantara-Kombination besticht derweil die Sitzanlage, die von den auf dem Werksgelände angesiedelten Spezialisten des Lieferanten Johnson Controls stammt.

9 Kommentare > Kommentar schreiben

28.03.2011

[QUOTE=evotecracing;144052]Nette Idee, einen V8 in die B Klasse einzubauen. ABER ... Die Konkurrenz hatte die Idee schon vorher ... Ich erinnere da an den Hartge H1 5.0 und an die Volkswagen Studie GTI W12 650 , wo ein W12 Turbo Motor mit 650 PS auf der Hinterachse schlummert. ;)[/QUOTE] Ja und weiter ... ?

27.03.2011

Nette Idee, einen V8 in die B Klasse einzubauen. ABER ... Die Konkurrenz hatte die Idee schon vorher ... Ich erinnere da an den Hartge H1 5.0 und an die Volkswagen Studie GTI W12 650 , wo ein W12 Turbo Motor mit 650 PS auf der Hinterachse schlummert. ;)

25.03.2011

Und davon rede ich die ganze Zeit. Beim Nachfolger wird sich AMG (vllt auch bei der A-klasse) an die Kompakten wagen. Und nein ich finde nicht dass der B200 ein Gegner für S3, GTI usw. ist. Das sind alles Sportversionen mit speziellen Fahrwerk, Lenkung und sonstigen Spielereien. Der B200 is einfach nur ne normale B-Klasse mit etwas mehr PS, der man die Leistung nicht mal ansieht...

24.03.2011

Der B200 Turbo reicht als Gegner gegen GTi, ST, 130i , S3 ... RS3, Golf R , Focus RS und 1er M sind noch ne Nummer härter ... Und da fehlt MB noch ein Konkurrenzmodell ...

24.03.2011

Leistungstechnisch ist der 200er durchaus ein Gegner, aber was die sportlichen Eigenschaften betrifft, bestimmt nicht. Der GTI wird vermutlich mit dem neuen B250 anfang 2012 einen passenden Gegner finden. Ich Rede aber von den Richtigen Krachern in der Klasse und das sind 1er, RS3 und Focus RS. Dafür braucht man mehr als 193 PS und biedere Optik. Wenn AMG sich die Sache vornimmt sind die aber auch keine nennenswerten Rivalen mehr:träller:

23.03.2011

Richtig, den GTI würd ich eher gegen den B200 spielen lasssen. Der B55 spielt mit seinen 388 PS in einer ganz anderen Liga.

22.03.2011

Der B200 Turbo is dochn Gegner fürn GTI:träller:

22.03.2011

Ein AMG für die B-Klasse wär cool vorallem wegen der starken Gegner in dem Bereich (Focus RS, GTI) aber bitte erst in der neuen Generation. Der V6 mit 306PS zb. wär doch ne Idee:tanzen: Eine B-Klasse mit 300er Tacho, an den Anblick muss man sich erst ma gewöhnen hehe^^

14.02.2011

Die Idee bzw das Konzept dahinter ist voll mein Geschmack ... Schade das sollche Konzepte nicht die Serienreife erlangen


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