Interview mit Aston Martin-Boss Dr. Ulrich Bez: Exklusive private Einblicke

, 21.02.2011

Weil wir in den Großstädten heute nicht nur ein Luftproblem haben, sondern mindestens genau so gravierend ein Raumproblem, bin ich der Meinung, dass für die Stadt kleine, sparsame Autos die beste Option sind. Deshalb bieten wir den Cygnet an, klein und mit geringem CO2-Ausstoß. Dabei ist der Wagen genau so luxuriös und exklusiv wie ein großer Aston Martin Sportwagen. Mit dem Cygnet kann man in einem Ballungszentrum morgens praktisch und mit Stil zum Bäcker und ins Büro fahren oder den Nachwuchs von der Schule abholen, während auf der großen Reise der 6.0-Liter-V12-Motor eines Rapide das Emotionale eines Sportwagens bietet.


Wird es zukünftig einen Aston Martin mit Elektro-Antrieb oder als Hybride zur Reichweitensteigerung geben?

Den Cygnet wird es sicherlich auch mit Elektroantrieb geben. Denn ein Elektrofahrzeug ist ein Fahrzeug, das ideal im Kurzstreckenbereich geht, aber auch nur dort. Für lange Strecken besitzt ein Elektroauto nicht die notwendige Reichweite. Das war vor 100 Jahren so und hat sich seitdem nicht geändert. Das hat auch mit meinem Verständnis von „automobil“, also sich autark bewegen können, nichts zu tun. Von Range Extendern halte ich nichts, denn ein Auto mit Batterie und Range Extender muss zwangsläufig größer sein, um diese Geräte zu beherbergen, und es wird zudem unglaublich schwer. Da wird eine Menge tote Masse bewegt, und das widerspricht der Grundidee eines Sportwagens, der ja so leicht und so effizient wie möglich sein soll.

Sind Sie ein Verfechter der Kernkompetenzstrategie oder sehen Sie auch Möglichkeiten der Aston Martin-Expansion in andere Bereiche, wie z. B. eine Ausweitung des Event-Business?

Einen Aston Martin zu erleben und Menschen zusammenzubringen, die eine Affinität zu Aston Martin besitzen, ist wichtiger Teil unserer Aktivitäten. Da gibt es zum Beispiel unser Winterfahrtraining Aston Martin On Ice, Aston Martin on Track oder Aston Martin on Tour. Darüber hinaus treffen wir unsere Kunden und Freunde der Marke am Rande von Rennveranstaltungen, an denen wir teilnehmen, etwa bei den 24 Stunden-Rennen am Nürburgring oder in Le Mans. Die Aston Martin Familie hat starke Bindungen, das finde ich toll.

Laut Gerüchten, soll Aston Martin für das Design des nächsten Maybachs verantwortlich sein. Sehen Sie in der Strategie, bestimmte Dienstleistungen und Kompetenzen für andere Unternehmen anzubieten - Lotus handhabt es bekanntlich so - eine Erfolgsstrategie für das Unternehmen Aston Martin?

Als unabhängiger Automobilhersteller mit spezieller Kleinserienerfahrung und umfangreichem Technologie- und Design-Know-how sind wir in der glücklichen Lage, mit vielen Parteien über alle möglichen Projekte und Ideen sprechen zu können. Das ist schon seit längerem der Fall und wird auch in Zukunft so sein. Aktuell gibt es allerdings nichts zu berichten.

Die Aston-Martin-Geschichte brachte bereits einige sehr interessante und erfolgreiche Unternehmenslenker hervor. Bieten Personen, wie z. B. David Brown oder Victor Gauntlett, Ihnen Inspirationen oder sehen Sie sie lediglich als „große Personen ihrer Zeit“?

Ich denke, jeder erfolgreiche Unternehmenslenker, egal in welcher Branche, hat in seiner Zeit eine wesentliche Rolle gespielt. Das im Rückblick zu bewerten, steht mir nicht zu. Aston Martin hat zweifellos eine großartige Geschichte mit beeindruckenden Menschen. Ich orientiere mich nach vorne. Wir leben im Heute und wollen unsere Zukunft gestalten.

Als erster Leiter der BMW Technik GmbH gelten Sie als Vater des legendären BMW Z1 Roadsters, der anfangs nur als Forschungsfahrzeug gedacht war.

Der BMW Z1 war von mir und meinen Leuten nie als Forschungsfahrzeug gedacht. Er sollte in Serie gehen. Aber er hat in der Tat als Konzept angefangen. Wie beim Cygnet oder vor ein paar Jahren beim Rapide: Wenn ich etwas zeige, dann hat sich kein Designer mit einer verrückten Idee, jedoch ohne realen Hintergrund, ausgelebt. Wir wollen aus einem Konzept tatsächlich auch etwas machen.

An welche Ereignisse bei der Entwicklung des BMW Z1 erinnern Sie sich noch heute gerne zurück?

Das war ein großartiges Gesamterlebnis. Wir waren ein super Team, das ganz außergewöhnliche Lösungen realisiert hat, die vorher nicht für möglich gehalten wurden. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie der für die Fahrdynamik zuständige Mitarbeiter einen Überschlag mit dem Auto völlig unbeschadet überstand. Der Z1 wies eine äußerst hohe Sicherheit auf.

Sie wurden 1988, kurz nach der Fertigstellung des Z1, bei Porsche Technik-Vorstand. Möchten Sie uns verraten, warum Sie das Unternehmen bereits nach ca. drei Jahren verließen?

Für mich war das eine ganz wichtige Entscheidung, weil ich dadurch meinen Horizont deutlich erweitern konnte, indem ich nach Asien ging und Daewoo half, von einer „No Name“-Position im Automobilbereich zu einer Marke zu werden.

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4 Kommentare > Kommentar schreiben

21.02.2011

WOW ... hat das Spass gemacht das Special zu lesen !!! Ich bin begeistert von dem Interview, von den Eindrücken um die Person Bez und hoffe, dass noch einige Specials dieser Richtung folgen werden :applaus:

21.02.2011

WOW ... Wie bekommt man ein Interview mit so einer wichtigen Person der Autobranche?

21.02.2011

Nice, Gratulation zu dem super Interview! :applaus:

25.02.2011

Gratulation, war echt interssant zu lesen. :applaus:


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