Alfa Romeo MiTo Turbo-TwinAir Test: Charmant und raubeinig zugleich

, 10.06.2014


Fans und Feinde - die Reaktionen auf den 0,9-Liter-Zweizylindermotor des Fiat-Konzerns teilen sich deutlich in zwei Lager auf. Jetzt treibt das raubeinige Drehmoment-Wunder den frisch überarbeiteten Kleinwagen MiTo von Alfa Romeo an. Kann der kleine Italiener damit einen Glanzpunkt in der überschaubaren Modellpalette von Alfa Romeo setzen?

Ich persönlich mag den Turbo-TwinAir: Kernig und charaktervoll meldet er sich von der ersten Umdrehung an zu Wort und lässt bereits akustisch erahnen, was er so drauf hat: Vor allem Schubkraft bereits im tiefsten Drehzahlkeller zeichnet den Motor aus, als würde ein selbstzündender Diesel unter der Haube werkeln.

Stattliche 120 Nm sind für einen City-Floh allerhand - und das bereits bei 1.450 U/min knapp über Leerlauf. In der Spitze treiben im „Dynamic“-Modus sogar stolze 145 Nm Drehmoment den kleinen Italiener voran, mit dem das 0,9-Liter-Motörchen kaum mehr Mühe hat als mit dem Fiat 500.

Der MiTo zeigt, was Sache ist

Das jüngste Facelift bescherte dem Alfa Romeo MiTo äußerlich nur ein wenig Make-up: Die Konturen des Kühlergrills wurden hervorgehoben und die Scheinwerfer erhielten einen schmückenden Lidschatten. Insgesamt verströmt der MiTo nach wie vor ein besonderes Flair im Umfeld von Konkurrenten wie Mini, Opel Adam, Audi A1, Citroën DS3, Seat Ibiza oder Suzuki Swift.

Der kleine Italiener ist durchaus praktisch, sieht aber nach deutlich mehr aus: Er steht satt auf der Straße und schaut seinem Betrachter mit hohem Wiedererkennungswert in die Augen. Besonders der „Scudetto“-Kühlergrill prägt sich zusammen mit den glubschigen Frontscheinwerfern und den kreisrunden Heckleuchten ein.

Im Innenraum fiel die jüngste Überarbeitung ebenfalls eher dezent aus. Dazu gehören eine neue Farbgestaltung und ein neues Multimediasystem, bei dem die Macher die Bedienung, die Anzeigequalität und den funktionalen Umfang verbesserten. Bereits in der Basisausstattung ohne Navi zeigt ein fünf Zoll großer Touchscreen, was Sache ist. Je nach Aufpreisliste kommen zum Beispiel Digitalradio oder Navi hinzu. Alles funktioniert tadellos und lässt sich auch so bedienen.

Motor: Der schiebt in allen Lebenslagen kraftvoll an

Damit hat es sich bereits, was man im eigentlichen Sinne unter dem Facelift verstehen kann, und wir konzentrieren uns voll und ganz auf den neuen Antrieb im Italo-Kleinwagen: den 0,9-Liter-Zweizylinder-Benziner namens TwinAir. Aus nur 875 cm³ Hubraum schöpft der akustisch stets präsente Euro-6-Winzling immerhin die stattliche Leistung von 77 kW/105 PS. Was ihn im Praxistest aber bei weitem interessanter erscheinen lässt: In allen Lebenslagen schiebt er an wie ein deutlich hubraumstärkerer, antrittsstarker Diesel.

Schon zwischen 1.000 und 2.000 U/min geht das Triebwerk recht kraftvoll zu Werke; denn bereits bei 1.450 U/min stehen immerhin 120 Nm Drehmoment bereit - etwas mehr, als der 1,4-Liter-Basisbenziner aus dem Hause Alfa Romeo maximal bietet. Bei immer noch niedrigen 2.000 U/min liegen stolze 145 Nm an und machen dem Fahrer das Leben leicht. Bei 184 km/h endet leider der Vortrieb. Die Start-Stopp-Automatik funktioniert schnell und unmerklich, die Handschaltung ist knackig und präzise.

Der Laborwert bescheinigt dem Alfa Romeo MiTo TwinAir einen sehr bescheidenen Durst von durchschnittlich nur 4,2 Litern Benzin pro 100 Kilometer. Aber es wäre kein Alfa, wenn er seinen Fahrer nicht wenigstens bisweilen zu sportlich forscher Fahrweise animieren würde. Deshalb kamen wir im Praxisverbrauch nicht unter 6,0 Litern auf 100 Kilometern, was aber angesichts der gebotenen Fahrleistungen in Ordnung geht.

Bei aller Schubkraft von tief unten heraus: So richtig zur Sache geht der kleine Zweizylinder ab 3.000 U/min und galoppiert dann drehwillig dem Begrenzer entgegen, der das Tourenklettern relativ früh bei 6.000 U/min beendet.

Fazit:

Der Gesamteindruck, den der Alfa Romeo MiTo hinterlässt, ist geprägt von einem sehr guten Platzangebot vorne (Kopf- und Beinfreiheit ermöglichen selbst 2,0-Meter-Riesen ausreichend Platz), hohem Sitzkomfort bei ausgeprägtem Seitenhalt, dynamischer Agilität und hoher Fahrstabilität. Das bezahlt man allerdings in manchen Situationen mit Komforteinbußen und deutlich vernehmbaren Abrollgeräuschen.

Ein überzeugter Alfisti wird all das jedoch ebenso locker wegstecken wie die hohe Ladekante im 270 Liter großen Kofferraum und das geringe Platzangebot auf den Rücksitzen, das eher nur für Personen unter 1,70 Meter geeignet ist. Schließlich genießt der Käufer in erster Linie den charaktervollen Kleinwagen mit einem ebensolchen Zweizylinder-Antrieb, die beide als Kombination ein im B-Segment unverwechselbares Flair verströmen.

Alles in allem ist der schicke, praktische MiTo mit dem knackigen TwinAir-Triebwerk eine harmonische Paarung, für die sich meiner Überzeugung nach viele Alfisti in der Kleinwagenklasse getrost entscheiden können.


Technische Daten Alfa Romeo MiTo 0.9 8V Turbo-TwinAir:

Antriebsart: Frontantrieb | Hubraum: 875 cm³ | Leistung: 77 kW/105 PS bei 5.500/min | Drehmoment: 145 Nm bei 2.000 U/min im Dynamic-Modus (sonst 120 Nm bei 1.450 U/min) | Vmax: 184 km/h | Beschleunigung 0-100 km/h: 11,4 Sekunden | Leergewicht: 1.205 Kilogramm | Durchschnittsverbrauch: 4,2 l/100 km | Preis: ab 15.800 Euro

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