BMW M3: Sag zum Abschied leise Servus

, 27.08.2007


Doch was heißt hier ,,leise"?! Heiser brüllend war Motorvision mit dem bald abgelösten BMW M3 auf Abschiedstour - ein Abschied mit Wehmut!

Eine Ära geht zu Ende: Nach 15 Jahren hat BMWs formidabler Reihensechszylinder als Antriebsquelle des M3 ausgedient. 1992 mit Erscheinen des M3 E36 eingeführt, kommt im sportlichsten aller 3er BMWs bald ein V8-Triebwerk zum Einsatz. Doch das gibt uns Gelegenheit, uns vom Reihensechser-M3 zu verabschieden. Motorvision war mit dem M3 E 46 im Münchner Umland unterwegs. Die Erkenntnis: Der König der 3er muss abdanken, aber in Rente geht er deshalb noch lange nicht. Denn dafür ist er noch viel zu gut in Form!

Seine Power sieht man dem M3 erst auf den zweiten Blick an. Zu gering sind einfach die Unterschiede, die ihn von den Standard-E46ern unterscheidet. Nur die Kenner unter den ,,Linksspur-Trödlern" wissen, was sie zu tun haben, wenn sie die mit großen Lufteinlässen gespickte Frontschürze und den dezenten Powerdome, welcher der Motorhaube Kontur verleiht, erblicken. Weitere Alleinstellungs-Merkmale sind die charakteristischen Außenspiegel, die mit M-Logo versehenen Seitenkiemen und die markanten 18- (auf Wunsch 19-)Zöller, die sich in stärker ausgeformten Radkästen verstecken. Von hinten betrachtet ist es mit dem Understatement allerdings vorbei: Vier weit in die Mitte gerückte Auspuff-Endrohre sehen nicht nur sportlich aus, sondern klingen auch so.

[strong]Kopfschütteln und ,,Daumen hoch"[/strong]

Womit wir bereits beim Thema wären: Der M3 macht gar keine Anstalten, sich heimlich, still und leise von der Sportwagen-Bühne zu verabschieden. Bereits beim Anlassen - noch ganz ,,old school" per Schlüsseldrehung - hüllt das Endrohr-Quartett die nähere Umgebung in eine dumpfe Soundkulisse. Für den Stadtverkehr schlägt der Münchner eine dezente und unaufgeregte Tonart an, um am Ortsausgangschild heiser jubilierend die Rockröhre zu geben. Richtig provokant wird es beim Herunterschalten: Das SMG gibt automatisch kurz Zwischengas und markiert damit den Halbstarken, was spießige Passanten schon mal den Kopf schütteln lässt und Fans dazu motiviert, den Daumen zu heben. Herrlich!

Zu begeisterten Reaktionen beim Fahrer fordert auch der Motor heraus, obwohl ihm nur 3,2 Liter Hubraum zur Verfügung stehen und weder Turbo noch Kompressor bei der Arbeit helfen. Das Zauberwort heißt deshalb ,,Drehzahl". Bei 7.900 Touren erreicht das Triebwerk die Höchstleistung von 343 PS, bei 4.900 Umdrehungen liegt das Drehmoment-Maximum von 365 Newtonmetern an. Eine Drehorgel also, sollte man meinen. Doch wer glaubt, im Drehzahlkeller wehe nur ein laues Lüftchen, sieht sich getäuscht: Gaspedalbefehle setzt der M3 ohne jede Verzögerung in Vortrieb um und legt dabei eine Drehfreude an den Tag, als würde bei jedem Erreichen des roten Bereiches eine Belohnung auf ihn warten.

[strong]Der M3 in seinem Element[/strong]

Dieser ändert sich übrigens mit fortlaufender Fahrzeit. Je mehr sich Kühlwasser- und Motoröl-Temperatur an den optimalen Bereich annähern, umso höhere Drehzahlen gibt die Elektronik frei. Sind die richtigen Temperaturen erreicht, kann man es wagen, die dezent in der Mittelkonsole versteckte ,,Sport"-Taste zu aktivieren. Diese lässt das rechte Pedal noch schärfer ansprechen, weshalb sich der Fahrer mit dem Hochschalten erst recht sputen muss. Ist die sechste Fahrstufe erreicht, verharrt die Tachonadel bei 250 km/h im Ruhezustand - mehr erlauben die elektronischen Fesseln nicht.

Seiner wahren Bestimmung geht der M3 aber auf kurvenreichen Landstraßen nach. Hier zeigen Heckantrieb, Lenkung und Fahrwerk, welch eingespieltes Team sie sind. Präzise wie ein Laser schlägt die angenehm straffe Lenkung die Richtung ein, die der Fahrer am dicken, alcantara-bezogenen Lenkradkranz vorgibt. Das Parieren eines ausbrechenden Hecks (was nur bei sturem Ignorieren vorheriger Warnhinweise und ausgeschaltetem DSC provoziert werden kann) fällt damit erstaunlich leicht. Das straffe Fahrwerk minimiert die Seitenneigung und begradigt damit Kurven, die man in den meisten anderen Autos nach dem Motto ,,mit Vorsicht zu genießen" eingeordnet hätte. Am Kurvenausgang hilft das serienmäßige Hinterachs-Sperrdifferenzial, die Power beim Beschleunigen auf den Asphalt zu übertragen und auf der Geraden der nächsten Kurve entgegen zu jagen. Bemerkenswert, welches Gripniveau der M3 trotz Winterbereifung an den Tag legt! Die Bremsen tragen mit ihrem ausgeprägten Druckpunkt und Bissfestigkeit ihren Teil zum Fahrspaß bei.

[strong]Komfortabel cruisen können andere[/strong]

Die Kehrseite der Medaille: M-typisch wirft das Fahrwerk fast alle Komfort-Attribute über Bord. Schlaglöcher, Bodenwellen und Querfugen dringen recht ungehindert ins verlängerte Rückgrat der Insassen durch. Auch das SMG gibt sich wenig komfortorientiert: Cruist man im Automatikmodus durch die Stadt, gönnt es sich lange Schaltpausen und fordert die Besatzung nur allzu gerne zum Kopfnicken heraus. Die ,,Drivelogic"-Funktion, mit der der Pilot die Schaltzeitpunkte des SMG-Getriebes bestimmen kann, ist eine nette Spielerei, aber allenfalls bei Rennstreckeneinsätzen nützlich. Die knapp 3.300 Euro SMG-Aufpreis kann man sich getrost sparen, die manuelle Sechsgang-Box ist die deutlich ausgewogenere Alternative.

Trotzdem kann der M3 auch beim Thema Alltagstauglichkeit punkten. Mit vier vollwertigen Sitzplätzen (vorne mit serienmäßigen, straff gepolsterten Sportsitzen) und dem 410 Liter großen Kofferraum hat das Coupé auch als Reisebegleiter seine Qualitäten. Selbst der Verbrauch kann nicht schrecken: Rund 12,5 Liter im Schnitt sind - angesichts ausgeprägter Vollgas-Etappen - ein akzeptabler Wert. Und der Grundpreis von 56.900 Euro ist für einen Fast-Gebrauchtwagen zwar viel Holz, mehr Sportlichkeit im alltagstauglichen Gewand bekommt man sonst aber nirgends. Zumal angesichts des bevorstehenden Modellwechsels satte Rabatte locken.

Fazit: Der M3 E46 geht in Rente. Eigentlich viel zu früh, wie uns diese Testfahrt gezeigt hat. Für einen Vorruheständler ist er noch viel zu gut in Form und steckt die meisten moderneren Alltagssportler fahrdynamisch locker in die Tasche. Klar, das Design mag ein wenig Staub angesetzt haben, und das knorrige SMG gegen die manuelle Sechsgang- Schaltung den Kürzeren ziehen. Aber unterschätzen sollte man den Sportwagen-Opa deshalb noch lange nicht. Kurz: Der neue M3 tritt in riesengroße Fußstapfen!

[strong]Technische Daten BMW M3 E46 (Werksangaben):[/strong]

Leistung: 252 kW (343 PS) / 7.900/min
Max. Drehmoment: 365 Nm / 4.900/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h: 5,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (elektronisch abgeregelt)
Verbrauch: 11,9 l / 100 km
CO2-Ausstoß: 287 g/km
Grundpreis: 56.900 Euro

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