Jaguar F-Type V8 S Test: Raubkatzen-Angriff auf Porsche

, 23.07.2013


Die Automatik dreht die Gänge hoch aus und schaltet entsprechend spät in die nächste Stufe. Selbst im manuellen Modus über die Schaltpaddles am Lenkrad verhindert das „Dynamic“-Programm ein automatisches Hochschalten. Beim Herunterschalten führt das System automatisch ein kurzes, geradezu süchtig machendes Zwischengasmanöver aus, um die Drehzahl optimal anzugleichen. Diese Funktion gestattet das sehr schnelle und mehrfache Herunterschalten während starker Bremsmanöver, um dann im richtigen Gang die nächste Kurve zu nehmen. Der Jaguar F-Type will herangenommen werden, der bestens abgestimmte Automat weiß emotionale Speed-Orgien zu unterstützen und ich liebe es.

Zum reinen Fahrvergnügen gehört immer weniger das knackige Herumrühren in einer Schaltkulisse. Die Handschaltung verliert immer mehr ihre Vorteile gegenüber einer Automatik, da diese mit fortschreitender Entwicklung immer leistungsfähiger und schneller wird. So offeriert Jaguar für den F-Type noch nicht einmal alternativ eine Handschaltung.

Keine Chance für Weicheier

Der Jaguar F-Type ist ein Auto, das man allein um des Fahrens willen fahren möchte. Mit „Grand Tourer“-Weichheiten gibt sich der Jaguar F-Type erst gar nicht ab: Beim „Dynamic“-Modus werden die Gaspedalbewegungen noch unmittelbarer umgesetzt und die Servounterstützung der Lenkung leicht zurückgenommen. Die Lenkung ist derart präzise und vor allen Dingen schnell, dass ich mich erst einmal daran gewöhnen muss, diesen Charakterzug aber nicht mehr missen möchte; denn der F-Type sprintet sauber und agil durch Kurven, wozu ebenfalls der kurze Radstand und der tiefe Schwerpunkt beitragen.

Dies allerdings war noch immer nicht alles. Im „Dynamic“-Modus erfolgt eine noch straffere Abstimmung des Fahrwerkes, das allein 500 Mal pro Sekunde die Stellung des Lenkrades und 100 Mal in der Sekunde die straßenbedingten Karosseriebewegungen kontrolliert und die Dämpferraten zur Optimierung der Stabilität und Agilität blitzschnell neu anpasst. Souverän meistert der F-Type die Kurvenpassagen, während die aktive elektronische Differentialsteuerung ADC die Antriebskraft stets zu dem Rad mit der besseren Traktion leitet, um die Stabilität zu erhöhen. Erst bei sehr starkem Antreiben in Kurven beginnt der F-Type leicht zu untersteuern.

So schnell wie der F-Type in eine Kurve eintaucht, spurtet die Raubkatze auch schon wieder heraus. Dazu das Gefühl der Leichtigkeit, das schnelle Ansprechverhalten und die Fähigkeit zum flinken Richtungswechsel - es ist eine automobile Raubkatze wie aus dem Bilderbuch. Elektronische Regelsysteme wie ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) befinden sich an Bord, greifen aber den Fahrspaß fördernd erst relativ spät ein. Doch eines sollte niemand vergessen: Der Jaguar F-Type V8 S stellt ein echtes Biest dar, so dass die Deaktivierung von ESP bei diesem Sportwagen mit Bedacht erfolgen sollte.

Mittlerweile machen sich bei mir Schmerzen bemerkbar; denn der Jaguar F-Type malträtiert mich gleichzeitig bei aller Begeisterung: Aus meinem Gesicht weicht das stetige und weiter wachsende Grinsen keinen Millimeter und ich spüre einen Muskelkater. Wie schön ist es da, dass der F-Type überraschenderweise dank der adaptiven Dämpfer auf schlechter Wegstrecke eine richtig gute Figur macht und fast geschmeidig dahingleitet, während sich das Fahrwerk bei der Kurvenhatz mit Mr. Hyde idealerweise sehr straff zeigt. Stets in den Ohren liegt dabei dieser emotionale Sound, von dem ich einfach nicht genug bekommen kann.

Als Neuheit in einem Jaguar besitzen Kunden sogar die Option eines frei konfigurierbaren Dynamik-Programms: Hierbei kann der Fahrer auswählen, welche Parameter er verändern möchte. So ist es zum Beispiel möglich, die Lenkung und das Gaspedal in Richtung „sportlich“ zu verstellen, zugleich aber die Dämpfer im Normalprogramm zu belassen. Als weiteres Bonbon eröffnet das konfigurierbare Programm die Einblendung spezieller Informationen auf dem zentralen Touchscreen-Display, wie zum Beispiel eine Stoppuhr, die Zwischenzeiten misst, sowie Angaben zu den Verzögerungskräften oder den in Kurven aufgebauten G-Kräften.

Packend: Die größten Bremsen in einem Serien-Jaguar

Um den Jaguar F-Type zu zügeln, ist eine standfeste Hochleistungsbremsanlage unverzichtbar. Bei seiner Power und der Gier nach Vortrieb wartet der Jaguar F-Type V8 S mit den größten aktuell in einem Serien-Jaguar verbauten Scheibenbremsen auf. Die vorderen Einheiten besitzen einen Durchmesser von 380 Millimetern, die hinteren erweisen sich mit 376 Millimetern als fast identisch groß - die packen entschlossen zu und lassen sich außerdem bestens dosieren. Das Antiblockiersystem ABS, eine elektronische Bremskraftverteilung und ein Notfallbremsassistent sind serienmäßig vorhanden.

Designer-Anzug mit cleveren Features

Es ist die Zukunft von Jaguar, die der neue F-Type darstellt - und die fällt auch optisch so emotional wie schon lange nicht mehr aus. Der F-Type stellt sogar teilweise tradierte Vorstellungen der Briten in Frage - wie den breiten, leicht nach vorn geneigten Kühlergrill oder die neu geformten Heckleuchten von der Konzeptstudie Jaguar C-X 16 aus dem Jahr 2011. Wie einst beim E-Type öffnet die Motorhaube mit Powerdome und zwei Lufteinlässen nach vorn und greift seitlich bis in die Kotflügel über.

Kräftige Hüften symbolisieren die große Power auf der Hinterachse. Damit nichts die ästhetische Form stört, brachte Jaguar den Heckspoiler im Ruhestand unsichtbar unter. Erst ab einer Geschwindigkeit von knapp 100 km/h fährt der Heckspoiler automatisch aus und zeigt dem Fahrer dabei stolz die auf dem Spoiler abgebildete Raubkatze im Rückspiegel. Unterhalb von 65 km/h verschwindet der Heckspoiler wieder in der Versenkung.

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