Lexus GS F 2016 Test: Ein Monster! Japans Antwort auf den BMW M5

, 22.11.2015


Lang lebe der V8-Saugmotor: Heutzutage eine Rarität, schmelzen Autoenthusiasten bei diesem Antrieb geradezu hin: Vor allen Dingen, wenn der V8-Hammer wie beim neuen Lexus GS F eine unbändige Kraft und einen großartigen Sound bietet. Leichter als der BMW M5, wollen die Japaner das Segment der Performance-Limousinen mit dem neuen Lexus GS F aufmischen und verpassten ihrem Vertreter feine Zutaten zur Steigerung des bissigen Kurvenhaltens sowie feinste Materialien für den Innenraum. Wir wollten wissen, was der neue Lexus GS F tatsächlich drauf hat, der im Januar 2016 auf den Markt kommt.

So aggressiv wie kein anderer: Bereits optisch setzt der neue Lexus GS F ein klares Statement, das klar auf Angriff ausgerichtet ist. Keinem Konkurrenten ist die Angriffslust derart ins Gesicht geschrieben. Der vergrößerte Diabolo-Kühlergrill mit der speziell den F-Modellen vorbehaltenen Wabenstruktur sowie mächtige Lufteinlässe und schmale, an den Blick eines Raubtiers erinnernde Scheinwerfer mit L-förmigem Tagfahrlicht dominieren unmissverständlich die Front des Lexus GS F.

Von der Seite betrachtet, fallen neben den 19 Zoll großen Felgen die zum Heck hin orientierte Fahrgastzelle und die keilförmigen Seitenschweller ins Auge, während ausgestellte Radhäuser die athletische Präsenz verstärken. Darüber hinaus sorgt die bullige Heckschürze mit einem Carbon-Heckspoiler und einem markanten Diffusor für optimierte aerodynamische Verhältnisse. Vier trapezförmig angeordnete Auspuffrohre mit verchromten Endstücken unterstreichen die dynamische Heckansicht des Lexus GS F.

V8-Saugmotor: So geht es - die schönste Art der Kraftentfaltung

Unter der Haube des Lexus GS F schöpft der V8-Saugmotor aus 5,0 Litern Hubraum ohne Aufladung bemerkenswerte 477 PS bei 7.100 U/min und bietet zwischen 4.800 und 5.600 U/min ein maximales Drehmoment von satten 527 Nm. Das Triebwerk koppelten die Macher an eine extrem schnell schaltende Achtstufen-Automatik mit manuellem Schaltmodus, welche die gewaltige Kraft an die Hinterräder überträgt. Derart ausgerüstet, spurtet der Lexus GS F in nur 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h erfolgt in nur 3,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt elektronisch begrenzte 270 km/h.

Für echte Auto-Enthusiasten eine Wohltat: Lexus setzt auf einen hubraumstarken V8-Saugmotor, statt auf einen Biturbo mit kleinerem Hubraum. Ein Turbomotor mag aus dem Drehzahlkeller stärker beschleunigen. Aber ein Sauger bietet eine wunderbar lineare Kraftentfaltung und dazu noch Kraftreserven im hohen Drehzahlbereich.

Bei niedrigen Drehzahlen lässt sich leise mit dem Lexus GS F cruisen. Doch ab 3.500 Touren beginnt der Spaß und ab 6.000 Touren geht der Lexus GS F richtig zur Sache. Jeder Tritt auf das Gaspedal lässt den V8 mit steigenden Drehzahlen immer lauter erklingen und brüllen, während der GS F nach vorne schießt. Hohe Drehzahlen: Da geht einem Saugmotor nicht die Puste aus. Die Leistung steht in dem Moment unmittelbar zur Verfügung, die das Triebwerk bei der Drehzahl leistet.

Dennoch: Ein bisschen hilft Lexus beim V8-Konzert im Innenraum über das 17 Lautsprecher umfassende Sound-System nach und überträgt verstärkt den kernigen Klang des Achtenders, je nach Gaspedalstellung und Antriebsmodus, in den Innenraum. Dieser Sound klingt authentisch, macht süchtig und verstärkt damit nochmals das sportliche Fahrerlebnis.

Der kann es wirklich: Auf bissiges Kurvenvergnügen ausgerichtet

Doch das 4,92 Meter lange Schiff kann viel mehr, als nur schnell geradeaus zu fahren. Mit einem Fahrzeuggewicht von 1.865 Kilogramm, ist der Lexus sogar leichter als der BMW M5 - ergo ein wichtiges Kriterium für den Kurvenspaß. Damit gaben sich die Japaner noch lange nicht zufrieden. Dank seines innovativen „Torque Vectoring Differential“ (TVD) zur aktiven Antriebsmoment-Verteilung hebt sich der Lexus GS F hinsichtlich seiner Agilität bereits serienmäßig von der Masse ab.

Drei Fahrprogramme stehen zur Wahl: Der „Eco“-Modus unterstützt eine effiziente Fahrweise - sofern sich der Fahrer bei diesem Gerät überhaupt zurückhalten kann. Lexus gibt für den Idealfall einen Durchschnittsverbrauch von 11,2 Litern auf 100 Kilometern an (CO2-Ausstoß 260 g/km). Im „Normal“-Modus setzt das System - ideal auf den Alltag und eine gemächliche Fahrweise ausgerichtet - die Gasbefehle sanft um und sorgt für weiche Gangwechsel.

Sein wahres Gesicht zeigt der Lexus GS F im „Sport S“-Modus mit angepassten Schaltzeiten und einer sportlicher ausgelegten Lenkung. Damit nicht genug: Ein G-Sensor misst die Kräfte und hält die passenden Gänge bereit. Beim Anbremsen vor Kurven schaltet das Getriebe herunter, hält in der Kehre den niedrigen Gang, um dann kraftvoll aus der Kurve mit viel Rückmeldung herausbeschleunigen zu können. Noch einen Schritt weiter geht der „Sport S+“-Modus, bei dem die Gänge noch höher ausgedreht und das Zurückschalten noch früher erfolgt - bestens geeignet zum extremen Kurvenwildern.

Dazu lässt sich der Lexus GS F sehr gut vor Kurven positionieren und dank eines „Torque Vectoring Differentials“ (TVD) so dynamisch und sauber durchfahren, wie das große Schiff es nicht vermuten lässt. Das elektronisch geregelte Differential verteilt - abhängig von Gaspedalstellung, Gierrate, Längs- und Querbeschleunigung - die Antriebsmomente gezielt zwischen den beiden Hinterrädern. Dabei erfolgt die Verteilung der Antriebsmomente unabhängig vom aktuell erzeugten Motordrehmoment.

Beim „Torque Vectoring Differentials“ (TVD) stehen drei Betriebsmodi zur Verfügung, die der Fahrer nach persönlicher Vorliebe über einen Regler in der Mittelkonsole zu aktivieren vermag. „Standard“ steht für ein ausgewogenes Verhältnis von Agilität und Stabilität. Bei „Slalom“ arbeitet das Torque Vectoring intensiver, die Limousine reagiert nun sehr direkt auf Lenkimpulse, wird spürbar agiler und fühlt sich auf kurvigen Landstraßen fast wie ein deutlich leichteres Kompaktfahrzeug an. Auf maximale Kurvenstabilität bei hohem Tempo ist schließlich der Modus „Track“ ausgerichtet, der seine Stärken auf einer Rennstrecke ausspielt. Folge: Eine hohe Traktion und nur ein minimales Untersteuern.

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