Lexus NX 300h Test: Darth Vaders neuer Dienstwagen

, 16.12.2014


Provokant und cool zugleich - dem neuen Lexus NX 300h ist die Angriffslust ins Gesicht geschrieben. Nicht zu Unrecht: Der kompakte Premium-SUV hebt sich von der Masse ab und legt sich in der City nicht nur mit dem BMW X3 und Audi Q5, sondern selbst mit dem Range Rover Evoque an. Der Japaner will es wissen und bringt direkt die passenden Zutaten mit: einen luxuriösen Innenraum, starke Features zur Steigerung von Komfort und Sicherheit und eine umfangreiche Serienausstattung. Selbst Vorurteile werden ausradiert: Lexus möchte zeigen, wie sparsam ein SUV sein kann. Um zu sehen, was der neue Vollhybrid tatsächlich drauf hat, testeten wir den Lexus NX 300h in der Luxury Line.

Aggressiver könnte Lexus seinen Konkurrenten nicht einheizen. Mit Kanten so scharf wie ein Santoku-Messer, zieht der neue Kompakt-SUV die Blicke auf sich - keineswegs verachtend, sondern anerkennend. Lexus landete mit dem mutigen Design tatsächlich einen Volltreffer. Der riesige Diabolo-Kühlergrill, der den Asphalt geradezu verschlingen möchte, die wie Raubtieraugen wirkenden LED-Scheinwerfer, die schnittigen Tagfahrleuchten und die konturierte Motorhaube betonen die Tatkraft. Die LED-Nebelscheinwerfer übernehmen zugleich die Funktion des Abbiegelichtes.

Dazu kommen Kanten und weit ausgestellte Radhäuser - dieser SUV setzt sich attraktiv von der glattgebügelten Masse im Straßenverkehr ab und wirkt wie der neue Dienstwagen von „Star Wars“-Bösewicht Darth Vader. Damit nicht genug: Besitzen die meisten SUVs ein Steilheck, fällt die Dachlinie des Lexus NX sportlich nach hinten ab, während 18 Zoll große Leichtmetallfelgen weitere Akzente in der Seitenansicht setzen. Ebenso attraktiv gestalteten die Macher das Heck, während ein markanter Heckspoiler für eine verwirbelungsarme Luftströmung sorgt.

Antrieb: Die Verführung einer anderen Art

Ganz lässig verzichtet Lexus auf einen drehmomentstarken Diesel und möchte seine Kunden stattdessen mit einem besonders sparsamen Benzin-Hybrid verführen. Die Zutaten für den Antrieb des Lexus NX sind drei Herzen: ein 2,5 Liter großer Vierzylinder-Benzinmotor und zwei Elektromotoren. Der Verbrennungsmotor leistet 114 kW/155 PS bei 5.700 U/min und entwickelt ein Drehmoment von 210 Nm zwischen 4.200 und 4.400 U/min. Dazu kommt an der Vorderachse ein Elektromotor mit 105 kW/143 PS. Je nach Fahrsituation, wird die Vorderachse vom Benziner, vom Elektromotor oder von beiden Motoren gleichzeitig angetrieben. Die Gesamtsystemleistung beträgt 145 kW/197 PS.

Clever wie die Japaner sind, sitzt bei der E-Four-Allradvariante des Lexus NX 300h
ein zusätzlicher Elektromotor mit 50 kW/68 PS auf der Hinterachse, der bei Bedarf die Hinterräder antreibt. Das E-Four System variiert die Antriebsmomente für die Hinterachse in Abhängigkeit von Fahrzustand und Fahrbahnbeschaffenheit.

Damit steht die Antriebsleistung der Hinterachse beispielsweise beim kraftvollen Sprint aus dem Stand und beim Zwischenspurt auf rutschigem Untergrund zur Verfügung und liefert damit echte Allrad-Funktionalität auf der Straße, aber keine Offroad-Fähigkeit. Da der Hinterradantrieb nur dann zuschaltet, wenn er tatsächlich benötigt wird, spart das E-Four-System elektrische Energie und Kraftstoff.

Das ist das Ziel - das kann er wie kaum ein anderer SUV

197 PS klingen auf den ersten Blick nach einem Dynamiker auf der Straße. Doch der Spurt von 0 auf Tempo 100 dauert 9,2 Sekunden und bereits bei elektronisch begrenzten 180 km/h endet der Vortrieb. Bevor das große Geschrei beginnt: Es ist sicherlich schön, einem Sportler auf der deutschen Autobahn und auf den Landstraßen die Sporen zu geben. Die Masse der Autofahrer bevorzugt allerdings das entspannte, sparsame Fahren. Die 180 km/h Spitze reicht vielen Fahrern - zumal in nahezu allen Ländern auf der Welt ein Tempolimit herrscht. Für den tatkräftigen Fahrspaß wird es jedoch ab Februar/März 2015 den Lexus NX 200t mit einem komplett neuen, 238 PS starken 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo geben - und der ist bei der Top-Speed nicht beschnitten.

In der Stadt sorgt der Elektromotor des Lexus NX 300h bereits bei einem sanften Druck auf das Gaspedal für einen flotten, ganz leisen Antrieb. Auch im dichten Stadtverkehr ist das Fahren so entspannt wie in kaum einem anderen SUV. Wenn der Fahrer allerdings bei Zwischenspurts auf Landstraßen beherzt das Gaspedal drückt, dreht das stufenlose CVT-Automatikgetriebe den Benzinmotor schnell hoch, der dann zunehmend lauter wird. Im hohen Geschwindigkeitsbereich geht dem Lexus NX 300h leider die Puste aus. Auf der anderen Seite ermöglicht das CVT-Getriebe über einen weiten Geschwindigkeitsbereich das Fahren mit niedrigen Drehzahlen, was den Spritverbrauch senkt - und genau das ist das Ziel des Lexus NX 300h.

Ein Vorurteil ist, dass alle SUVs Spritschlucker sind. Auf den Lexus NX 300h kann das nicht zutreffen: Die Japaner geben den durchschnittlichen Benzinkonsum mit dem E-Four-Allradantrieb im Idealfall mit nur 5,1 bis 5,3 Litern Benzin auf 100 Kilometern an - für einen SUV ein überzeugender Wert, der sich bei einer bedacht effizienten Fahrweise im Eco-Modus durchaus erreichen lässt. Bei ganz normaler Fahrweise durch Städte sowie über Landstraßen und Autobahnen erzielten wir, ohne besonders auf den Konsum zu achten, einen kombinierten Kraftstoffverbrauch von 5,8 Litern je 100 Kilometer.

Seine Effizienz erzielt Lexus, die Luxusmarke von Toyota, nicht durch große, elektrische Reichweiten, sondern durch die intelligente Kooperation beider Antriebe - und das beherrscht durch eine langjährige Erfahrung derzeit kaum einer so gut wie Toyota. In der Stadt, insbesondere beim Anfahren, kommt der Elektromotor zum Einsatz. Das Zusammenspiel zwischen Benziner und Elektromotor funktioniert völlig ruckfrei und nahezu unauffällig, was insbesondere in der Stadt positiv auffällt.

Ein Vergleich mit den Rivalen: der ebenfalls allradangetriebene Audi Q5 2.0 TDI mit 190 PS erledigt den Spurt von 0 auf Tempo 100 in 8,4 Sekunden und ist 210 km/h flott. Der ab Werk angegebene Durchschnittsverbrauch beträgt sowohl mit Handschaltgetriebe als auch Automatik im Idealfall 5,7 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Beim BMW X3 xDrive20d (190 PS) sind es 8,1 Sekunden für den klassischen Spurt und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Demgegenüber gibt BMW im besten Fall den Durchschnittsverbrauch mit 5,0 bis 5,4 Litern Diesel auf 100 Kilometern bei der Automatik an (5,2 bis 5,6 l/100 km beim Handschalter). Diesem Kraftstoffverbrauch setzt Lexus gelungen einen Hybrid-Benziner entgegen, der sich auch in der Praxis als sparsam erweist.

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