Porsche Targa 4s Testbericht - Rebell im Massanzug

, 15.06.2008


Exklusivität wurde bei Premium-Autombilherstellern durch die Natur der Sache schon immer groß geschrieben. Trotz der hohen Stückzahlen war Porsche da nie anders. Ein Modell der Elfer-Reihe tat sich hier ganz besonders hervor. Der Porsche Targa.

Ein Auto, welches die Vorzüge vom Coupe gepaart mit der Freiheit eines Cabrio in einem präsentiert. Der Targa sorgte bei der Porsche Fan-Gemeinde immer für geteilte Meinungen. Für viele Elfer Fanatiker galt der Targa lange als Misch-Masch aus zwei Welten. Wobei dieser Gedankengang eher unberechtigt war- ist der Targa in der Historie das erste Cabrio der 911er Generation aus Zuffenhausen. Kaum ein Elfer hat so einen wechselhaften Lebenswandel hinter sich gebracht. Die Geschichte des Targa liest sich so: 1965 präsentierte Porsche den 911er auf der IAA mit neuem Dachkonzept. Ursprünglich wurde der Targa als Cabrio Ersatz für die damals geplanten strengen US-Vorschriften bezüglich offener Sportwagen entwickelt. Diese besagten, dass kein Cabrio ohne Überrollschutz in den USA zugelassen werden durfte. Der Targa entstand also aus einer gewissen Not heraus, dern großen und wichtigen amerikanischen Markt nicht zu verlieren, sollte dieses Gesetzt beschlossen werden. Die Bezeichnung "Targa" hat den Ursprung in einem der berühmtesten Straßenrennen der Welt - der "Targa Floria" auf Sizilien. Ein Rennen, bei dem die Zuffenhausener viele Siege für sich verbuchen konnten. Als jedoch 1982 das "echte" Vollcabrio den Einzug in die Modelpalette fand, wurde der Targa zum Außenseiter und die Verkaufszahlen sanken in den dreistelligen Bereich. Zwangsläufig wurden danach keine Verkaufsrekorde mehr erzielt. Der "Schutzschild" des Targa, der doch sehr markankte Überrollbügel war dann doch nicht jedermanns Sache. Dennoch hielt Porsche immer am Targa fest. Tradition verbindet. Und ein Rebell lässt sich nicht so schnell ins Grab bringen. Es scheint, als ob in diesem Auto ein Teil der Seele von James Dean weiterlebt.

Von 1966 bis 1993 wurde der Targa in seiner ursprünglichen Pracht knapp 90.000 Mal gebaut. Besonderes Merkmal des alten Modells war das herausnehmbare Plastikdach. Bis 1969 war es sogar möglich, die Heckscheibe, die ebenfalls aus Plastik bestand, mittels Reißverschluss zu öffnen. Diese wurde jedoch von einer beheizbaren Heckscheibe ersetzt, weshalbd das "echte" Cabrio Feeling nicht mehr richtig gegeben war. Mit der Baureihe des 993 verschwand auch das abnehmbare Dach. Es wurde durch ein Glasschiebdach mit sperat zu bedienendem Sonnen und Kälteschutzrollo ersetzt. Trotz der Panoramaversion sanken die Zulassungszahlen immer weiter, weshalb der Targa Ende 1997 ein vorzeitiges Ende fand. Besagter James Dean sprach einem großen Entscheider in seinen Träumen gut zu; denn man entschied sich 2001, den 911er für Liebhaber doch wieder auf die Straßen zu lassen. Nach wie vor bleibt der Targa ein exklusives Automobilkunstwerk. Sein Marktanteil macht ungefähr 10% der gesamten Modellpalette aus. Doch Porsche bleibt heute beständig und formt sein Schmuckstück immer perfekter zu einem Diamanten.

Erster Blickfang des neuen 997 Targa 4s sind die Aluminumleisten, die sich elegant entlang der Dachkante von den A-Säulen bis zum Fuße der C-Säulen spannen - ein gänzlich neues Profil des 911er prägt sich hier ein. Der Targa ist ein Individualist, ein Gentleman im Bunde der Baureihe. Die besondere Extravaganz zeigt sich im weiterentwickelten Glasschiebedach aus Spezialglas. UV abweisend und dennoch lichtdurchlässig lässt sich das Glasdach über die Mittelkonsole öffnen und gleitet dabei innerhalb von Sekunden unter die Heckklappe. Hier zeigt sich wieder, dass der Targa der Rebell seiner Baureihe sein möchte. Über die Funkfernbedienung oder einem Schalter an der Fahrerfußleiste lässt sich bequem allerlei Gepäck hinter die Vordersitze packen. Seien wir mal ehrlich: Die zwei Hecksitze sind wirklich schon rein gedanklich der absolute Notfall und von vornherein schon Gepäckablage gewesen. Jedoch kann jeder ungeniert in den "Kofferaum" schauen. Ein blickdichtes Rollo fürs Heck, welches sich beim Abschließen des Wagens automatisch zuzieht wäre eine interessante Lösung gewesen. Bis dahin sollten wertvolle Einkäufe jedoch nach wie vor im vorderen Kofferraum verstaut werden. Ist das Glasdach geöffnet, fühlt man sich wie an die Luft gesetzt. Ein halber Quadratmeter Open Air wird dem Fahrer hier gespendet, den sportlichen Porsche Sound gibt es ungefiltert als Zugabe. Die Fahrtwindgeräusche sind anfangs sehr dezent, entwickeln sich aber bei Geschwindigkeiten ab circa 200 km/h zu einem kleinen Orkangewitter. In der Motorenwahl rebelliert der Targa durch und durch. Durften Coupe und Cabrio erst mit den kleinen Hecktrieblern Carrera und Carrera S anfangen, so gibt es für den Targa gleich Allrad oben drauf. Das macht sich im Gesamtbild postiv bemerkbar. Dynamischer denn je präsentiert sich die Außenform. Die Radkästen sind auf Grund des Allradanstriebs um 44 mm verbreitert. Hierdurch wird dem Panorama- Porsche der formvollendete Schliff gegeben.

Die Leistung ist dieselbe wie bei den Brüdern des Targa. Der Targa 4 wartet mit einem 325, der Targa 4s mit einem 355 PS Boxer 6 Zylinder Motor auf. Im Gegensatz zum Coupe schlägt das Mehrgewicht von 60 kg bei den Fahrleistungen mit ein paar Millisekunden mehr aufs Konto. Mit einer Beschleunigung von 5,3 beziehungsweise 4,9 Sekunden von 0 auf 100 gehört der Targa immer noch der zur edlen Sportwagenliga. Somit ist der Targa von Fahrwerten gleichauf mit dem Porsche Cabrio und fährt sich auch dementsprechend. Einem Porsche 997 auf der Straße das Zicken beizubringen, ist mit Allrad und eingeschaltetem PSM schwer. Der Targa 4s lässt sich selbst bei hohen Geschwindigkeiten perfekt um jede Kurve balancieren und fährt sich auch so, wie man es von einem 997 kennt und erwartet: Immer einen Schritt weiter Richtung Perfektion. Das PSM greift behutsam bei Fahrfehlern ein, lässt den Fahrer im Gegensatz zu anderen ESP- Systemen schnell wieder Herscher über das Lenkrad werden.

Das Fahrwerk wurde im Targa auf Komfort optimiert und dementsprechend ein wenig weicher abgestimmt. Wer es sportlicher lieber, kann sich das beim Targa4s serienmäßige PASM im Sportmodus auf den Landstraßen gönnen. Hier hat der Fahrer die Wahl zwischen dem sportlich komfortablen und dem sportlich straffen Fahrwerk; auf Knopfdruck natürlich. Wer dazu absolute Sicherheit buchen möchte, sollte sich optional die Keramik Bremsscheiben ordern. Die Schaltung ist gewohnt knackig und exakt, die Lenkung unglaublich präzise und Feedback gebend. Nach wie vor gehören der Porsche-Motor und das Fahrwerk zur Creme de la Creme deutscher Ingenieurskunst, was sich an den Rekordverkaufszahlen abmessen lässt. Im Verbrauch habe sie die Wahl. Der 911 Targa lässt sich bei zurückhaltendem Gasfuß unter 10 Liter fahren; im Durchschnitt werden sich Alltagsfahrer wohl im Bereich zwischen 15 und 17 Liter einpendeln. Ein lockerer Fuß auf dem Spaßgaspedal und freie Fahrt auf der Autobahn lassen Verbrauch einfach über 20 liter sprinten.

Der Innenraum hat sich bis auf das Glasdach nicht großartig verändert. Übersichtlichkeit und schnelle Verfügbarkeit der gewünschten Funktionen sind hier gegeben. Alles sitzt logisch und nachvollziehbar an seinem Platz und lässt sich schnell einprägen. Keine Lifestyle Drehknopforgie mit langsamer Menuführung a la BMW. Besonders hervorzuheben sind hier das präzise und sehr schnelle Navigationssystem und die optional erhältliche Bose-Soundanlage. Die Sitze sind schon in der Standardausführung bequem und lassen sich perfekt anpassen. Mehrere hundert Kilometer lassen sich ohne Mühe und Bandscheibenvorfall hinter einen bringen. Vorrausgesetzt, der Finger bleibt vom PASM. Passend zur eleganten Dachlinie wurden jedoch ein Innenraumelemente modifiziert. So wurden beispielsweise verbesserte Sonnenblenden eingesetzt, die sich der Dachform anpassen.

Einen Porsche Targa zu besitzen, ist nach wie vor eine Exklusivität sondergleichen. Mit dem neuen Modell 997 wurde der Targa nochmals optimiert und auf den Komfort betonten Kunden abgestimmt. Nie war es schicker, mit einem Targa vorzufahren. An Ihm scheiden sich die Geister, doch James Dean hätte ihm seinen Segen gegeben. Rebellen lassen sich nicht verjagen. Sie leben als Legenden unter uns.

3 Kommentare > Kommentar schreiben

17.06.2008

Wie im ICQ schon gesagt, viele mögen ja den Targa nicht, aber ich mag den Porsche 911 Targa sehr! Der Bericht und die Fotos, wie immer von dir gewohnt, eine Wucht!

16.06.2008

[QUOTE=BeezleBug;52980]...besonders beim History-Rückblick habe ich eine Menge gelernt! Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! BeezleBug[/QUOTE] Kann ich mich mal wieder nur anschließen! Für mich persönlich ist der Targa einfach das schönere 911 Coupé. Aber das ist ja bekanntermaßen Sache des Geschmacks.

16.06.2008

...besonders beim History-Rückblick habe ich eine Menge gelernt! Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! BeezleBug


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