Toyota GT 86 Test: Emotionen in den Asphalt radiert

, 18.02.2013


Begleitung mit kehlig-heiserem Fauchen

Stets präsent ist vor allem beim Hochdrehen unter Vollgas der kernige Klang des Motors, der einem kehlig-heiseren Fauchen gleicht. Anteil daran besitzt ein Soundgenerator, der allerdings nicht wie andere Hersteller den Insassen elektronisch einen Sound vorgaukelt, sondern beim Toyota GT 86 aus einem Dämpfer im Einlassbereich besteht, der bei bestimmten Frequenzen durch die auftreffenden Druckwellen zum Mitschwingen angeregt wird. Der auf diese Weise entstehende Ton optimiert das Motorengeräusch und wird über ein Rohr direkt in den Innenraum geleitet. Dennoch: der Sound dürfte gerne noch kräftiger sein.

Der Verbrauch hängt vom individuellen Fahrstil ab - und einen Toyota GT 86 wird vermutlich kein Käufer stets besonders effizient und geruhsam durch Kurven fahren. Sollte es trotzdem so ein: Im Idealfall konsumiert der Nippon-Sportler im Durchschnitt 7,8 Liter pro 100 Kilometer. Dem gegenüber steht ein immens hoher Fahrspaß, den es vielmehr zu erleben gilt. Aber welcher Fahrer kann sich bei der Dynamik zurückhalten, die dieser scharfe Kurvenjäger verströmt und entfacht?

Ein Kofferraum für die Rennstrecke

Als besonders praktisch erweist sich der Kofferraum, der eine Möglichkeit bietet, die so niemand erwarten würde. Mit hochgeklappten Rücksitzlehnen fasst der Kofferraum 243 Liter - mehr sind bei diesem handlichen Coupé nicht zu erwarten. Werden die Rücksitzlehnen umgeklappt, entsteht damit ausreichend Platz für einen kompletten Reifensatz und weiteres Rennsportzubehör. So bewährt sich der Toyota GT 86 nicht nur im Alltag, sondern auch bei Ausflügen zur Rennstrecke oder Clubsport-Veranstaltungen, ohne auf das wichtige Zubehör verzichten zu müssen.

Spannösen im Ladeabteil würden die Praktikabilität steigern und die Beladung vor Verrutschen sichern. Das Umklappen der Rücksitzlehen erfolgt aufgrund der engen Platzverhältnisse im Fond leider etwas umständlich.

Interieur: Ganz auf den Fahrer fokussiert

Das Cockpit des Toyota GT 86 rückt den Fahrer in den Mittelpunkt. Die sportlichen Sitze mit einer besonders tiefen Sitzposition bieten bei allen Fahrbedingungen eine ausgezeichnete Unterstützung. Dank eines höhen- und längsverstellbaren Lenkrades und eines höhenverstellbaren Fahrersitzes lässt sich die ideale Sitzposition schnell finden. Weiche Kniepads in den Türverkleidungen und an der Mittelkonsole geben Halt und helfen dem Fahrer, sich selbst bei extremer Querbeschleunigung abzustützen.

Ein großer Drehzahlmesser bildet das Zentrum des Kombiinstrumentes. Bei Gestaltung und Anordnung der Displays und Anzeigen spielten Sichtbarkeit und Ablesbarkeit bei sportlicher Fahrweise die entscheidende Rolle. Alles lässt sich einfach verstehen und intuitiv bedienen. Was Toyota unbedingt ergänzen sollte: Eine kleine Anzeige für die Öltemperatur, damit der Fahrer weiß, wann er bei diesem hochdrehenden Motor richtig Gas geben kann.

Serienmäßig an Bord befinden sich außerdem eine Zweizonen-Klimaautomatik und das Multimedia-Audiosystem „Toyota Touch“ mit einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung, einem AUX-Anschluss und einer USB-Schnittstelle mit iPod-Steuerung und ein CD/Audio-System mit MP3- und WMA-Wiedergabefunktion. Für den Sound sorgen sechs Lautsprecher samt einer automatischen Lautstärkeanpassung.

Touch & Go: Preiswertes Navigationssystem mit cleveren Extras

Für nur 550 Euro Aufpreis gibt es „Toyota Touch & Go“, ein Navigationssystem mit cleveren Extras und einem 6,1 Zoll großen Farbtouchscreen-Monitor. Das einfach zu bedienende System umfasst alle beliebten Navigationsfunktionen wie etwa eine erweiterte Stauvermeidung sowie eine Anzeige der zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

In Verbindung mit einem Bluetooth-fähigen Mobiltelefon ermöglicht „Toyota Touch&Go“ über die „Google Local Search“-Funktion den Zugriff auf die riesige Datenbank von „Google Maps“, über die sich Ziele und Sehenswürdigkeiten bequem von zu Hause herunterladen oder direkt als Fahrziel eingeben lassen. Schließlich stehen zahlreiche „Touch&Go“-Apps zum Download bereit, um beispielsweise aktuelle Benzinpreise, die Parkplatzsituation vor Ort oder regionale Wetterdaten abzufragen. Selbstredend, dass das System eine Facebook-App integriert, um mit seinen Freunden aus dem Fahrzeug heraus Kontakt zu halten.

Applikationen im Carbon-Design, ein schwarzer Dachhimmel, rote Nähte, Kippschalter im Flugzeug-Stil und eine Sport-Pedalerie aus Aluminium setzen optisch Akzente. Das Fahrzeug ist zudem mit 12V-Bordspannungsanschlüssen, praktischen Getränke- und Flaschenhaltern für Fahrer und Beifahrer ausgestattet, die in den Türen sogar große Flaschen aufnehmen. Das Handschuhfach könnte allerdings etwas größer ausfallen.

Ebenfalls ohne Aufpreis an Bord: eine Geschwindigkeitsregelanlage und ein „Smart Key“-System zum schlüssellosen Öffnen und Schließen der Türen und zum Starten des Motors per Knopfdruck sowie elektrische Fensterheber samt Auf- und Abwärtsautomatik.

Der Toyota GT 86 bietet immensen Fahrspaß und eine gute Ausstattung für einen Sportwagen, der für 30.450 Euro erhältlich ist. Doch wo wird gespart? Leider trübt im Interieur eine große, jedoch solide verarbeitete Plastikkulisse das ansonsten überzeugende Interieur.

Fazit:

Toyota gelang ein großer Wurf: Endlich gibt es wieder einen richtigen Sportwagen zum erschwinglichen Preis auf dem Markt. Der Toyota GT 86 besitzt genau die richtigen Zutaten für eine emotionale Rennsemmel, die puren Fahrspaß bietet: handliches Coupé, Frontmotor mit Hinterradantrieb, niedriger Fahrzeugschwerpunkt, knackiges Fahrwerk und geringes Gewicht.

Weitere Pluspunkte: Der Toyota GT 86 und der Saugmotor sollen sich durch einen geringen Verschleiß auszeichnen. Darüber hinaus offeriert Toyota nach eigener Aussage die Ersatzteile für den neuen Sportwagen zu einem günstigen Preis.

Bereits ohne Turbo bietet der Toyota GT 86 einen ausufernden Fahrspaß. Getreu dem Motto, für wenig Geld einen echten Sportwagen zu bieten. Doch wie wäre es, noch stärker beschleunigen zu können und von unten heraus mehr Power zur Verfügung zu haben? Es wäre brutal, aber auch begehrenswert.

Viele werden sich noch die Frage stellen, woher die Bezeichnung „GT 86“ stammt. Diese verweist auf zwei Meilensteine von Toyota: Das „GT“ stellt eine Reminiszenz an den Toyota 2000 GT dar, dem ersten Supersportwagen von Toyota, der 1965 vorgestellt wurde und sogar zum Dienstwagen von James Bond avancierte. Noch wichtiger die „86“: Diese bezieht sich auf den legendären Corolla Levin AE86 - ein von 1983 bis 1987 gebautes kleines Leichtbau-Coupé, das für viele Toyota-Fans nach wie vor die Verkörperung des schlichten, erschwinglichen Spaßmobils darstellt.

Ebenso durchdacht zeigt sich das „GT 86“-Logo mit der von zwei Boxer-Kolben eingerahmten Ziffer „86“. Diese Embleme stellen nicht nur Bezüge zum Boxermotor her, sondern erinnern zugleich an die Räder eines Fahrzeugs im Four-Wheel-Drift als Symbol für die perfekte Ausgewogenheit des GT86 im Grenzbereich.

Als Zielgruppe sieht Toyota insbesondere junge Autofahrer bis Ende 30, die einen erschwinglichen Sportwagen suchen, aber ebenfalls 40- bis 50-jährige, die sich noch einmal einen echten Sportwagen zum bezahlbaren Preis gönnen möchten. Allen gemein: Die Leidenschaft für eine dynamische Fahrweise, die der Toyota GT 86 zweifellos bietet.


Technische Daten Toyota GT 86 2.0 Boxer 6M/T:

Antriebsart: Hinterradantrieb | Hubraum: 1.998 cm³ | Leistung: 147 kW/200 PS | Drehmoment: 205 Nm bei 6.400 U/min | Vmax: 226 km/h | Beschleunigung 0-100 km/h: 7,6 Sekunden | Durchschnittsverbrauch: 7,8 l/100 km | CO2-Emission: 181 g/km | Preis: ab 30.450 EUR

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