Vergleich Audi Q7 3.0 TDI vs MB GL 320 CDI

, 27.08.2007


Willkommen in der XXL-Gesellschaft, zwei Giganten im Vergleich, mehr Auto geht nicht! Das Ungetüm aus Ingolstadt, der Audi Q7, trifft auf die Edelbrumme aus Stuttgart, den Mercedes GL, die S-Klasse im SUV-Land.

Wir vergleichen den GL 320 CDI mit 224 Diesel-PS und den Q7 3.0 TDI mit 233 PS.
Der wuchtige Audi beschleunigt seine 2,3 Tonnen Lebendgewicht in 9,1 Sekunden auf Hundert, bei 216 km/h bleibt die Nadel stehen, der Verbrauch ist dann sicherlich jenseits der angegeben 10,5 Liter.
Der GL drückt noch mal 200 Kilo mehr auf den Asphalt, verbraucht trotzdem einen halben Liter weniger als der Q7. Beschleunigung (10,5s 0-100km/h) und Leistung (224PS) sind fast auf Augenhöhe, nur der Preis ist mit 65.000 Euro abgehoben, der Audi ist unfassbare 15.000 Euro billiger. Das Dickschiff von Audi schwimmt mit 5 Meter 9 Länge und knapp 2 Meter Breite wie ein Eisbrecher durch den Verkehr.
Mit dem Q7 stößt Audi in eine neue Dimension vor, vergisst dabei aber nicht die markentypische Formensprache. Die Front dominiert der riesige Singleframe Grill, flankiert von böse dreinblickenden Xenonleuchten.

Wuchtiges Überholprestige vorne, coupe-hafte Züge am Heck, der Q7 versprüht schon im Stand lauernde Aggressivität.
Majestätisch dagegen der GL, kernige Gelände-Optik, Ecken und Kanten. Unverkennbar die Verwandtschaft zur robusten G-Klasse. Einer uneinnehmbaren Burg gleich, ist der Schwabe 10 Zentimeter höher als der Audi, jedoch 6 Zentimeter schmaler. Die Formen sind deutlich rustikaler, nicht so rund wie beim Audi.
Die putzigen Außenspiegel des GL passen allerdings besser zu winzigen Stadtflitzern.
Mit Adaptive Air Suspension, zu deutsch regelbarer Luftfederung für 2575 Euro, pumpt sich der Q7 in 4 Stufen von 18 Zentimetern auf 24 Zentimeter maximale Bodenfreiheit. Vorne beträgt der Böschungswinkel 25 Grad.
Serienmäßig an Bord, die bewährte Quattro-Technik, ein selbstsperrendes Mitteldifferential schickt bei Bedarf bis zu 65 Prozent der Kraft auf die Vorderachse, an die Hinterachse maximal 85 Prozent.

Verlust an Traktion einzelner Räder regelt eine elektronische Differenzialsperre automatisch durch unterstützende Bremseingriffe.
Der Q7 schlägt sich ganz gut in der Disziplin ,,Über Stock und Stein", mangels zuschaltbarer Sperren sollte man schweres Gelände aber meiden.
Hier fühlt sich der GL zu Hause, keine Rampe zu steil, keine Pfütze zu tief. Großer Pluspunkt, die Niveauregulierung pumpt den Luxus-Kraxler auf unglaubliche 30,7 Zentimeter. Vorne 10 Zentimeter Überhang weniger als beim Q7 ergeben einen Rampenwinkel von 33 Grad, Kratzer am Unterbodenschutz können bei drei Meter Radstand nicht ausgeschlossen werden.
Feinste Offroad-Technik, und das serienmäßig. Mercedes spendiert dem GL Gelände-Untersetzung und ein zu 100 Prozent sperrbares Mittel- und Hinterachsdifferential, dazu elektronische Traktions-Regelung, Räder ohne Bodenhaftung werden automatisch abgebremst. So nimmt der Koloss Steigungen bis 100 Prozent in Angriff.
Der GL fühlt sich pudelwohl im Dreck und abseits asphaltierter Strassen.

Er trägt nicht zu Unrecht das G auf der Heckklappe.
Das L steht dann wohl für Luxus und Platz, der GL hat von beidem mehr als ausreichend.
Der Kofferraum schluckt bis zu 2300 Liter Gepäck, bei einer Zuladung von maximal 775 Kilo, optional gibt es eine dritte Sitzreihe für 1566 Euro, das freut die anvisierte amerikanische Käuferschar.
Der Innenraum erinnert an einen veredelten ML, geschaltet wird per Hebel am Lenkrad. Vor dem Fahrer baut sich eine endlose Lederlandschaft auf, feinste Materialien und perfekte Verarbeitung. Den betuchten GL-Herrschaften soll es an nichts mangeln, das hat seinen Preis, unser Testwagen hatte Extras im Wert von 15.000 Euro an Bord, serienmäßig sind lediglich Klima und die elektrisch verstellbaren, sehr bequemen Sessel.
Deutlich sportlicher und kühler präsentiert sich der Q7. Die Platzverhältnisse im Fond sind auf Augenhöhe mit dem GL.
Maximal 2035 Liter Gepäck lassen sich im Audi verstauen, 265 weniger als beim GL, kein Wunder, schließlich ist er auch 10 Zentimeter niedriger.
Eine optionale 3. Sitzreihe gibt es ab 720 Euro Aufpreis. Klima, CD-Radio und die obligatorischen Parksensoren gehören zur Serienausstattung. Die Verarbeitung ist auf Topniveau, leider auch die Aufpreispolitik von Audi, die Ledervollausstattung mit formidablen Sportsitzen kostet mal locker 5600 Euro. Im Cockpit des Q7 fühlt sich der Fahrer wie auf der Brücke eines Raumgleiters, die wuchtige Mittelkonsole wird umrahmt von einem modernen Material-Mix aus feinstem Alcantara und Alu.

Nun aber ab auf die Piste.
Der GL, die rollende Festung wiegt eine halbe Tonne mehr als eine S-Klasse. Ist er auch genauso komfortabel? Ja. Das Luxus-SUV gleitet förmlich über den Dingen. Zur Geräuschdämmung packten die Stuttgarter eine Extraportion Dämm-Material unter die Haube. Nur beim beherzten Kickdown schleicht sich ein feines Knurren ins Gehör des Fahrers, schließlich zerren 510 Newtonmeter Drehmoment an den Achsen des Benz. Der 3 Liter V6-Diesel im GL 320 CDI schiebt sehr gleichmäßig an, ideal ergänzt durch die sanft schaltende 7 Gang-Automatik. Die Fahrwerksabstimmung ist, wie nicht anders zu erwarten, kompromisslos auf Komfort getrimmt, Bodenwellen und Schlaglöcher verpuffen in den Federn und Dämpfern.
Mehr Zielwasser und Feedback könnte die Lenkung vertragen, enge Kurven und Lastwechsel quittiert das Ungetüm mit wildem Geschaukel und Untersteuern.
Deutlich besser in punkto Agilität und Fahrdynamik ist der Q7, seine Luftfederung reguliert heftige Wankbewegungen und sorgt bei hohen Geschwindigkeiten für eine automatische Tieferlegung um bis zu 30 Millimeter.
Der Herr der Ringe fährt sich deutlich aggressiver, der Motor quittiert den Kickdown mit dumpfem Grollen und schiebt den Audi in 9,1 Sekunden auf Hundert, eine gute Sekunde schneller als der GL. Weniger erfreulich der Verbrauch, bei engagierter Fahrweise sind bis zu 15 Liter drin, auch Umweltschützer weinen bei CO2-Emmisionen jenseits von 280 Gramm pro Kilometer.
Q7-Fahrer freuen sich über die angenehm direkte Lenkung und spontan reagierende Sechsgang-Automatik.

[strong]Fazit:[/strong]

Wer schnürt das beste Hochsitz-Luxus-Paket, die Sportgeister aus Ingolstadt oder die Edelschmiede aus Stuttgart?
Der Mercedes punktet mit üppig viel Platz und tollem Komfort, dazu verfügt er über grandiose Offroad-Fähigkeiten.
Angst einflößend sind die Ausmaße und ein Blick in die Preisliste.
Der Q7 ist 15.000 Euro günstiger, bietet einen durchzugsstarken Motor und ein für diese Klasse straffes Fahrwerk.
Die Übersichtlichkeit im Stadtverkehr ist katastrophal, ebenso der hohe Schadstoff-Ausstoß von 282 g/km.
Politisch korrekt sind beide nicht. Am Ende gewinnt der Q7 knapp vor dem GL. Der Mercedes glänzt als komfortabler Luxus-Offroader, doch entscheidend ist die Performance On-Road und hier hat der sportlichere Q7 eindeutig die Nase vorn.

Den ausführlich Vergleich sehen Sie in der aktuellen Folge von Motorvision # 181 - ab 06.06. - 20:15 Uhr im DSF.

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