Wiesmann Roadster: Extravagante Echse mit britischem Charme

, 27.08.2007


Eine Fahrt im Wiesmann Roadster ist ein anstrengendes, aber lohnendes Erlebnis. Der puristische und exklusive Sportler im Fahrbericht.

Schön wie ein Alter, stark wie ein Junger - der Wiesmann Roadster im Retro-Look ist eine sportliche Schönheit mit 252 kW/343 PS Antriebskraft unter seiner mächtigen Haube. Der Sechs-Zylinder- Reihenmotor von BMW unterstreicht seine Leistung mit einem sonoren Motorensound, der dem automobilen Blickfang und seinen Insassen zusätzliche Aufmerksamkeit sichert. Den Roadster mit dem Gecko auf der Haube zu übersehen ist schwierig, ihn zu überhören unmöglich. Der puristische Sportwagen für schnellen-oben-ohne-Fahrspaß ist ab 98.500 Euro erhältlich.

Die extravagante Zweisitzer stammt aus einer kleinen Manufaktur im Münsterland und hat das Werk bislang rund 600 Mal verlassen. Seine auffällige Optik mit langer Schnauze, ausladenden Kotflügeln, kurzem Heck und viel Chrom erinnert an englische Roadster-Oldies und sprüht vor britischem Charme.

[strong]Echse im sportlichen Look[/strong]

Die Front des Sportwagens wird von einem großen metallenen Kühlergrill dominiert. Hinter der wuchtigen Schnauze mit den runden Scheinwerfern folgt die niedrige Windschutzscheibe mit zwei kleinen Scheibenwischern. Aus dem Fahrgastraum ragen die halbrunden Kopfstützen der Ledersitze. Das kurze und schwungvoll nach hinten abfallende Heck rundet das sportliche Aussehen der Echse ab. Die gesamte Karosserie des Athleten besteht aus Glasfaser verstärktem Verbundmaterial und birgt einen feuerverzinkten Gitterrohrrahmen mit stabilem Seitenaufprallschutz.

Beim Einsteigen rutscht man tief in den kurz über dem Boden liegenden Wiesmann. An die ungewohnte Froschperspektive muss der Fahrer sich gewöhnen, gleich nachdem die niedrige Schwingtür mit einem klangvollen Plopp an der Lederschlaufe zugezogen ist. Auch innen ist der Roadster ein zeitloser Klassiker, an dem Puristenherzen ihre wahre Freude haben: Die Scheiben des Wiesmann wollen noch mit Muskelkraft nach unten gekurbelt werden, das Stoffverdeck ist leicht von Hand zu öffnen und verschwindet rasch unter einer Persenning. Die ledernen Sportsitze muss der Fahrer noch manuell in die richtige Position bringen.

[strong]Reines Fahrvergnügen ohne Ablenkung[/strong]

Es braucht einen Moment der Besinnung, um sich zwischen den zahlreichen runden Instrumenten zurecht zu finden und den richtigen Zeiger der richtigen Information zuzuordnen. Dass der Hersteller die analoge Form für die sieben mittig angeordneten Kreise gewählt hat, liegt auf der Hand. Anstelle der herkömmlichen Armatur findet sich hinter dem Lenkrad ein kleines Display, das nur fürs Nötigste ein Lichtlein angehen lässt. Durch diese Anordnung ist im Geschwindigkeitsrausch schnell vergessen, den rechts liegenden Tacho im Blick zu behalten. Das kann bei 343 Pferdestärken gefährlich werden.

Airbags, Klimaanlage und andere neumodischen Annehmlichkeiten gibt es nicht. Im Roadster geht es um reines Fahrvergnügen, ohne Ablenkung. Nach einem längeren Druck auf den Startknopf springt der Motor brummend an und signalisiert dem Fahrer, dass der Roadster ab sofort seine gesamte Aufmerksamkeit fordert. Kupplung, Gas und Bremse sind keine Mimosen und wollen getreten werden.

Um die Handbremse rechts vor dem Fahrersitz zu lösen, muss man sich schon ordentlich nach vorn beugen. Beim Lösen der Kupplung zieht der Sportwagen sanft und zielstrebig nach vorne. Die fünf Gänge des manuellen Schaltgetriebes rasten problemlos ein. Beim Beschleunigen drückt es den Fahrer im Nu in den Sitz. Nach 4,9 Sekunden erreicht der Wagen Tempo 100 und das Adrenalin schießt durch alle Adern. Das Speedlimit des Roadsters liegt bei 255 km/h.

[strong]Ein sommerliches Spaßauto[/strong]

Über das Dreispeichen-Leder-Lenkrad wollen die Breitreifen auf 20-Zoll-Felgen von Pirelli recht kräftig auf der Straße bewegt werden. Doch die harte und direkte Lenkung führt das Leichtgewicht mit seiner respekteinflößenden Schnauze präzise auch durch kurvige Landstraßen. Das straffe Fahrwerk lässt den Fahrer an der Straßenoberfläche samt Unebenheiten teilhaben und erweitert die Sinneseindrücke: In den Sitz gepresst ist jedes Steinchen zu spüren. Der Fahrer wirft sich in Kurven von rechts nach links, während der Fahrtwind das Haar zerzaust und der Motor sein Lied röhrt.

Der Stauraum im Inneren ist wie bei allen Roadstern eng bemessen und bietet lediglich für eine Sonnenbrille, eine Straßenkarte und ein paar CDs genügend Platz. Auch der Kofferraum ist mit 230 Liter Volumen nicht gerade üppig. Da der Roadster aber kein Reise-, sondern ein sommerliches Spaßauto ist, lässt man ihm das gerne durchgehen. Für einen Picknick-Korb und die obligatorische Tube Sonnencreme reicht es. Und mehr braucht der Fahrer in diesem Gefährt auch nicht.

Am Ende der Tour ist Fahrer und Beifahrer geschafft. Fahrfreude und die Konzentration fordern ihr Attribut. Statt adäquat aus diesem eleganten Auto zu gleiten, heißt es, sich über die hohe Einstiegskante zu hieven. Doch das kann das Glücksgefühl nicht trüben, mit diesem Traum eines Roadster gefahren zu sein.

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