Timo Scheider: "Man muss Angst um die DTM haben"

, 04.11.2016

Timo Scheider nach seinem Abschied aus dem DTM-Kader von Audi: Angebote aus diversen Serien und große Sorgen um die politischen Spiele im Hintergrund

Mit einer emotionalen Pressekonferenz hat sich Timo Scheider am Finalwochenende der DTM in Hockenheim aus der Szene verabschiedet. Auf offenbar wenig stilvollem Wege hatte der zweimalige Champion kurz zuvor per Telefon erfahren, dass er in den DTM-Planungen der Ingolstädter ab 2017 keine Rolle mehr spielen wird. Mehr noch: Die Aussage war, dass man für ihm gesamten Konzern keine Zukunft sehe. Der Audi-Vorstand hat Scheider zwar die Tür geöffnet, aber die Stimmung ist vergiftet.

Der 37-Jährige könnte sich einen Verbleib in der Szene vorstellen. Allerdings nur bei BMW, nicht bei Mercedes, denn zum Hersteller aus Stuttgart habe er "noch nie eine Verbindung gehabt, die mich gereizt hat", so Scheider im Interview mit der 'Auto Bild motorsport'. Da die Reduktion auf nur noch sechs Fahrzeuge pro Hersteller zur Saison 2017 die Chancen auf ein BMW-Cockpit schmälern, schaut sich der gebürtige Lahnsteiner nun auch anderweitig um.

"Die ersten Angebote kommen bereits rein. Aus praktisch jeder Motorsport-Szene gibt es Kontaktaufnahmen. Außer Formel 1 und MotoGP ist alles dabei, Offroad wie Onroad, ob nun Formelautos, Langstreckenautos, GT-Autos oder Sprintautos", sagt Scheider. "Ich versuche grundsätzlich zu schauen, wo offene Türen sind und wo ich mich ins Spiel bringen kann. Da ist mit Sicherheit auch die DTM weiterhin ein Thema."

Allerdings macht der DTM-Dauerbrenner nicht den Eindruck, als reize ihn ein weiteres Engagement in der Serie über alle Maßen. "Ich bin der Meinung, dass sich die DTM auf einem falschen Weg befindet, politisch und im Umgang miteinander, um Perspektiven und Reglements zu schaffen und Einigkeit zu finden", sagt er. "Die Art und Weise, wie die Hersteller das machen, finde ich extrem egoistisch. Am Ende wird immer das große Ganze vergessen - die DTM."

Hersteller gegeneinander: Wer hat eigentlich das Sagen?

Im Hintergrund finde stets ein Gerangel zwischen Audi, BMW und Mercedes statt. Jede noch so kleine Regelanpassung wird in den drei Häusern analysiert, die eigenen Vor- und Nachteile abgewogen und anschließend nur die vorteilhafte durchgesetzt. Mit allen Mitteln: Rückzugsdrohungen sind im politischen Spiel der DTM nahezu an der Tagesordnung. Es fehlt an klarem Kurs. "Mein Bauchgefühl sagt mir: Wenn es so weitergeht, sehe ich keine so extrem lange Zukunft der DTM mehr", so Scheider.

"Wenn einer der Hersteller immer mit einem Ausstieg droht, ist das nicht richtig. Wenn man diesen Drohungen zu ängstlich begegnet und einlenkt, ist das für die DTM mittelfristig gefährlich", erklärt der DTM-Haudegen. "Es muss ein Reglement geben, und das muss vom DMSB kommen. Und danach müssen sich die Hersteller richten, ob es ihnen gefällt oder nicht. Wenn man sich intensiv mit der aktuellen Situation der DTM beschäftigt, dann muss man berechtigte Angst darum haben, was mit der Serie in zwei Jahren ist."

Die Fahrer in der Szene könnten trotz allen Konkurrenzdenkens einen Konsens finden, sagt Scheider. Den Herstellern gelinge dies nicht. Auf diesem Wege entstünden Reglements, die an Fahrern wie an Fans vorbeidiktiert würden. "Am Ende entscheiden andere Menschen im Sinne der Politik, der Performance und der Technik für ihren Hersteller. Und da schaffen es drei Hersteller nicht, sich zu einigen. Das ist beängstigend."

"Was für uns Fahrer seit Jahren klar ist: Das Auto muss wieder schwieriger zu fahren sein. Wir brauchen mehr Leistung, einen Reifen mit Abbau, weniger Abtrieb und keine 75.000 Flügelchen am Auto. Der Fahrer muss wieder mehr Einfluss bekommen", drückt Scheider seine Ansicht noch einmal klar aus und spricht damit vielen seiner Kollegen aus der Seele. Das Racing sei oftmals zweitrangig, der DTM-Fan werde vor dem Hintergrund der politischen Spiele für dumm verkauft. "Dem Fan ist das Gefühl, das wir mit der Teamorder auf der Strecke transportieren, inzwischen vielleicht auch zu blöd."

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