Adrian Sutils 2014: Nicht in jeder Hinsicht Magerkost

, 31.12.2014

"Ich versuche jeden Tag, etwas zu erreichen": Warum das Jahr Adrian Sutil philosophisch stimmt und die Achtzigerjahre bei ihm für Sehnsüchte sorgen

Obwohl es nach dem Wechsel zu Sauber auf der Strecke alles andere als rundlief, genoss Adrian Sutil in der abgelaufenen Saison die kleinen Freuden des Lebens als Formel-1-Rennfahrers. Gutes und landestypisches Essen war trotz Radikaldiät drin und wenn Freundin Jennifer Becks den Kochlöffel schwang, gab es auch nix zu meckern. Im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' berichtet Sutil, das sich seine Sehnsüchte eher um alte Autos und neue Herausforderungen drehen als um ein Festmahl.

Frage: "Adrian, wo würdest du 2014 in deiner Biografie verbuchen?"

Adrian Sutil: "Ich glaube, da brauchen wir nicht lange drüber reden. Es war natürlich nicht so, wie ich es mir erhofft habe. So kenne ich die Formel 1, das ist unberechenbar. Manchmal hat man ein gutes Auto, manchmal nicht. Manchmal klappt's besser, manchmal nicht. Das ist alles... wir sehen es im kompletten Fahrerlager. Manche Teams, die vergangenes Jahr ein Rennen gewonnen haben, sind plötzlich ganz hinten. So einen großen Unterschied gab es selten. Mit den neuen Regeln war es einfach eine große Herausforderung."

Frage: "Hat die Formel 1 noch den gleichen Reiz wie früher? Ist es noch die gleiche Herausforderung?"

Sutil: "Eine Herausforderung ist es auf jeden Fall. Man hat natürlich weniger Grip in den Kurven, aber sehr viel mehr Leistung. Wir sind viel schneller auf der Geraden geworden und somit sind die Rundenzeiten nicht ganz so langsam, wie wir uns das vorgestellt haben. In Sachen Fahren ist es ganz anders geworden, aber sicherlich eine große Herausforderung. Es heißt immer noch Formel 1 - ich glaube, der Name passt immer noch."

Radikaldiät war "keine große Aufgabe"

Frage: "Bist du jemand, der sich am Silvesterabend gute Vorsätze für das neue Jahr macht?"

Sutil: "Nein, eigentlich nicht. Ich mache mir jeden Tag gute Vorsätze. Jeden Tag, wenn ich aufstehe, versuche ich etwas besser zu machen, etwas zu erreichen. Für mich geht das jeden Tag. Ich versuche, mich immer zu steigern."

Frage: "Welche Vorsätze sind erfüllt worden dieses Jahr?"

Sutil: "Sportlich gesehen war es nicht einfach. Das hat gewisse Gründe, aber trotzdem habe ich mein Bestes gegeben. In diesem Punkt bin ich zufrieden und mit vielen anderen Dingen auch. Manche kann man vielleicht noch besser machen, das ist immer so. Aber das ist nicht nur sportlich, das ist auch im Privaten und sonstigen Dingen. Für mich zählt das Ganze und trotzdem bin ich im Moment ein zufriedener Mensch."

Frage: "Die Diäten waren das bestimmende Thema in der ersten Saisonhälfte, du warst besonders betroffen. Hat sich das entspannt?"

Sutil: "Nein, eigentlich nicht. Ich achte nach wie vor extrem darauf, was ich esse und versuche nach wie vor die letzten Gramm am Körper zu reduzieren. Sehr viel Muskelmasse auch - das hat es nicht einfach gemacht, das ganze Jahr durchzustehen. Aber ich fühle mich gut und ich fühle mich fit für die Formel 1. Es war für mich keine große Aufgabe: Wenn du das für etwas tust, das du liebst, dann ist das gar kein Thema."

Drei Michelin-Sterne für Jenny

Frage: "Bei welcher Leckerei fällt es dir am schwersten, zu verzichten? Schokolade? Gummibärchen?"

Sutil: "Ja, Schokolade mag ich ganz gerne. In der Schweiz gibt es sehr gute Schokolade, aber man gewöhnt sich daran. Wenn man nachdenkt, für was man es tut, dann fällt das gar nicht so schwer."

Frage: "Nico Rosberg hat sich als Hobbybäcker an allerlei kalorienarmen Rezepten versucht. Hast du auch schon das Internet durchstöbert? Kochst du überhaupt gerne?"

Sutil: "Nein, noch nicht. Meine Freundin (Jennifer Becks; Anm. d. Red.) ist eine sehr gute Köchin und macht das hervorragend."

Frage: ""Nichts auszusetzen?"

Sutil: "Nein, absolut nicht."

Frage: "Bist du jemand, der sich an exotischen Spezialitäten probiert? Gebratene Bienen auf einem chinesischen Nachtmarkt?"

Sutil: "Ganz Ausgefallenes eher nicht, aber ich versuche immer die Spezialitäten zu essen, das einheimische Essen auszuprobieren. In jedem Land kann man bestens essen, wenn man das nimmt, was es vor Ort gibt. Da gibt es vielleicht die guten und die weniger guten Restaurants, da suche ich mir dann das passende aus. Ich werde auf jeden Fall nicht - oder sagen wir nur in Notfällen - in China zum Italiener gehen. Aber auch dort gibt es gute Italiener, habe ich festgestellt. Ich bin offen für die Küche."

Von wegen Allüren: Freiwillig in die Warteschlange

Frage: "Was war das kulinarische Highlight 2014?"

Sutil: "Das kulinarische Highlight? Ich hatte ein paar gute, tolle Restaurants. (überlegt) In Ungarn kann man sehr gut essen."

Frage: "Das muss etwas mit Paprika gewesen sein..."

Sutil: "Ja, ja, der Klassiker. Da gibt es ein ganz tolles Restaurant mit sehr feiner Küche. In Belgien kann man auch sehr gut essen."

Frage: "Bist du mal so richtig reingefallen? Hast du mal die Katze aus der Küche gejagt?"

Sutil: "Ich war hier und da in ein paar merkwürdigen Läden, aber ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich suche das davor immer gut aus."

Frage:: "Steht man bei Reisen als Formel-1-Pilot eigentlich noch in der Schlange?"

Sutil: "Ab und zu. Wir leben in der Klassengesellschaft, von First Class bis Economy Class, danach ist alles geregelt. Man hat Vorteile im Leben, so ist das alles strukturiert. Wenn es keinen Vorteil gibt, eine Schlange zu umgehen, dann stelle ich mich an. Das gehört dazu: Wenn sich jeder anstellt, dann muss ich das auch."

Die wilden Achtzigerjahre: "Das waren noch Männer!"

Frage: "Fühlt man sich als Formel-1-Fahrer als Prominenter? Inwieweit seid ihr noch Stars?" Sutil: "Ich fühle mich ganz normal. Ich tue das, was ich mag und anscheinend tue ich es ganz gut. Aber für mich gibt es kein VIP: Ich bin wie jeder andere Mensch mit den gleichen Problemen. Eigentlich gibt es keinen Unterschied. Ich sehe das sehr entspannt: Ich respektiere jeden für das, was er tut. Egal, was er ist."

Frage: "Sind Formel-1-Fahrer noch Playboys? Wie es ihnen früher nachgesagt wurde?"

Sutil: "Das ist etwas, das ich mich kaum selbst fragen kann. Das müssen die anderen entscheiden. Ich würde im Fahrerlager mal ein bisschen rumfragen, was die Leute denken. Die Fahrer sind jung geworden, das ist nicht mehr so wie in den wilden Achtzigerjahren, wo es noch richtige Männer waren: 30 bis 40 Jahre alt. Man ist anders, wenn man gerade 20 geworden ist. Ganz klar."

Frage: "Ist das eine Zeit, die dich gereizt hätte?"

Sutil: "Ja, auf jeden Fall. Natürlich sehe ich das nur im Fernsehen. Ich sehe die Autos von damals. Das hätte mich gereizt, die Sechziger-, Siebziger und Achtzigerjahre. Natürlich waren sie sehr gefährlich, aber das nimmt man in Kauf. Das war toller Rennsport damals."

Alte Rennwagen als "richtiges Highlight"

Frage:: "Du würdest sagen: Mehr Risiko in Kauf zu nehmen ist okay, wenn es dafür ein besseres sportliches Erlebnis gibt?"

Sutil: "Ich bin nicht enttäuscht von diesem sportlichen Erlebnis. Ich finde, die Formel 1 war bis jetzt sehr interessant, ich habe viel gelernt, bereue gar nichts. Ich war über die Jahre immer gerne dort und bin es nach wie vor. Aber wenn ich wählen könnte: Ich würde gerne ein paar andere Autos ausprobieren."

"Wir haben einen sehr hohen Sicherheitsstandard und man weiß, dass er früher niedriger war. Trotzdem würde ich es in Kauf nehmen, diese tollen Autos von damals auch mal zu fahren. Mal schauen, wie der Unterschied ist. Bislang hab ich noch kein altes Formel-1-Auto gefahren, aber es sieht gut aus und hört sich gut an. Ich hatte die Möglichkeit für Porsche in Goodwood mit den alten Le-Mans-Autos zu fahren und es war ein großartiges Gefühl, ein richtiges Highlight. Nichts drin, eigentlich hat gar nichts gepasst. Aber es war ein wahnsinniges Fahrerlebnis. Deshalb glaube ich, die Formel 1 hat damals auch viel Spaß gemacht - auf einem anderen Niveau."

Vettel hat "vielleicht einfach einen guten Plan"

Frage: "War es dein Kindheitstraum, Rennfahrer zu werden? Oder kam das erst später?"

Sutil: "Der kam mit 13 oder 14 Jahren, als ich angefangen habe mit dem Kartsport. Damals wurde ich immer besser. Dann fing ich an, zu schauen, was es so gibt. Da war die Formel 1 natürlich direkt sichtbar, die höchste Serie. Somit war es für mich immer wichtig, das Maximale zu erreichen. Ich hatte sehr große Ziele und ich habe sie nach wie vor. Mit 15 oder 16 Jahren kam der Traum und das Ziel Formel 1, Profi-Rennfahrer zu werden."

Frage: "War Michael Schumacher damals dein Vorbild?"

Sutil: "Ja, ein bisschen. Es gab viele tolle Fahrer. Auch Mika Häkkinen oder Damon Hill haben mir sehr gut gefallen. Ich habe versucht, von ihnen was abzuschauen. Ich war nicht derjenige, der alle verehrt hat. Sondern ich habe respektiert, was sie tun und versucht, zu lernen, um meine Qualitäten zu verbessern."

Frage: "Sebastian Vettel wird nachgesagt, er ginge zu Ferrari, um Michael Schumacher nachzueifern. Verstehst du das?"

Sutil: "Vielleicht. Ich weiß nicht, ob er ihm nacheifert, oder ob er einfach einen guten Plan hat. Ich denke, dass er weiß, was er will und ich glaube, es ist ein guter Schritt für ihn, zu Ferrari zu gehen. Ferrari ist ein tolles Team. Sehr, sehr aufregend. Sicherlich braucht es viel Arbeit, um das Team wieder aufzubauen und an die Spitze zu führen."

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