Alonso kann's nicht lassen: Neue Funk-Affäre und Strafe

, 11.10.2015

"Ich liebe deinen Sinn für Humor": 23 km/h zu wenig Topspeed lassen Fernando Alonso in Sotschi genau dort anknüpfen, wo er in Suzuka aufgehört hat

Fernando Alonsos Honda-kritische Funksprüche (Stichwort "GP2-Motor") hatten schon nach dem Grand Prix von Japan in Suzuka für Aufregung gesorgt, beim Grand Prix von Russland in Sotschi legte der McLaren-Fahrer aber noch einen drauf. Zu allem Überdruss verlor er nach Rennende auch den hart erkämpften WM-Punkt für Platz zehn wegen Überfahrens der Streckenbegrenzung.

Der Spanier war schon während des Rennens von seinem Renningenieur Andrea Stella gewarnt worden, dass er in Kurve 16 darauf achten soll, am Scheitelpunkt nicht zu stark abzukürzen. Doch diese Warnung prallte offenbar von ihm ab, sodass er später mit einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe belegt wurde. Diese warf ihn hinter Max Verstappen auf den elften Platz zurück - und McLaren-Honda punktete am Ende doch nicht erstmals mit beiden Autos.

Das Spannendste war jedoch nicht die neuerlich inferiore sportliche Leistung des britischen Teams, sondern der Boxenfunk. Alonso hatte ab der 31. Runde den Williams von Felipe Massa (nach dessen Boxenstopp) im Rückspiegel, an elfter und zwölfter Stelle liegend. Da beide ihren planmäßigen Reifenwechsel schon absolviert hatten, funkte Renningenieur Stella an seinen Schützling: "Fernando, wir racen Massa bis zum Ende!"

"Ich liebe deinen Sinn für Humor"

Ob Kalkül oder nicht, jedenfalls ließ sich Alonso davon zu einer neuerlichen Breitseite gegen Honda verleiten: "Ich liebe deinen Sinn für Humor", funkte er zurück, auf die Unterlegenheit seines Autos anspielend - durchaus verständlich, schließlich weist ihn die Topspeed-Tabelle um 23,1 km/h langsamer aus als Massa. Stella reagierte einigermaßen cool und antwortete: "Lass uns ein bisschen Spaß haben und es trotzdem probieren!"

Was natürlich kläglich scheiterte: Schon in der 35. Runde war Massa vorbei, ein paar Kurven weiter dann auch an Jenson Button. Beim Briten schwingt inzwischen stets ein wenig Galgenhumor mit, wenn er die Performance von McLaren-Honda bewerten soll: "Ich habe es genossen, so gut ich es halt genießen konnte. Platz neun ist gar nicht so schlecht. Ich konnte mit den Jungs, die von hinten kamen, nicht wirklich kämpfen."

Positiv: "Die Reifen waren in der letzten Runde genauso gut wie in der ersten", lobt Button, dessen Soft-Pirellis am Ende 41 Runden (genauso viele wie Sergio Perez und mehr als jeder andere) auf dem Buckel hatten. Alonso nickt zustimmend: "Wir mussten viele Runden mit einem Reifensatz fahren, aber unser Auto schien das besser wegzustecken als andere." Böse Zungen unken freilich: Niedrigere Geschwindigkeiten belasten die Reifen auch weniger...

Boullier stellt sich demonstrativ hinter Honda

Alonso spricht - zumindest vor laufenden Kameras - trotzdem von einem "sehr positiven" Wochenende: "Wir wären zum ersten Mal beide in den Punkten gewesen. Ein schönes Ergebnis, obwohl wir nicht damit gerechnet hatten, hier konkurrenzfähig zu sein. Beide Autos im Ziel, wie in Suzuka. Scheint, dass wir nach einigem Auf und Ab die Zuverlässigkeit auf die Reihe bekommen. Hoffentlich finden wir in den USA noch mehr Performance."

Und auch Rennleiter Eric Boullier zieht ein positives Fazit und stärkt dem scharf kritisierten Motorenpartner Honda demonstrativ den Rücken: "Unseren Freunden bei Honda möchte ich heute 'Gut gemacht' sagen. Ihre Antriebseinheiten sind mit vorbildlicher Zuverlässigkeit gelaufen." Aber bei weitem noch nicht mit voller Power. Speichern und Abrufen von Energie aus dem Hybridsystem bleibt weiterhin ein enormes Handicap.

Und das wird es vorerst auch bleiben: "Das werden wir bis Saisonende nicht mehr hinbekommen", fürchtet Button. "Auf der Geraden kam der Cut-off ziemlich früh. Und wenn du da schon die ganze Energie verbrauchst, hast du für den Rest der Runde nichts mehr und kannst leicht überholt werden. Am schlimmsten war es vor Kurve 13, wenn ich kein DRS hatte. Ich konnte im Rückspiegel ja nicht sehen, wie schnell die von hinten ankamen."

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