Alonsos Testunfall: Warum es ein Mysterium bleiben wird

, 16.05.2015

Ein Abflug Lewis Hamiltons im Freien Training von Barcelona ist für die einen Beweis der McLaren-These, für die anderen Futter für Verschwörungstheoretiker

McLaren steckt sportlich in Turbulenzen, aber immerhin gab es für die Mannschaft aus Woking im Vorfeld des Grand Prix in Barcelona am Wochenende einen Grund zum Aufatmen: Mit Spaniens Blüten war Gras über den mysteriösen Testunfall Fernando Alonsos gewachsen. Bis zum Freien Training auf dem Circuit de Catalunya: Mercedes-Star Lewis Hamilton verlor in Kurve 3 die Kontrolle über sein Auto. Genau an der Stelle, wo Alonso crashte und sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Ein Dreher, qualmende Reifen - aber es passierte nichts, auch kein Einschlag in die Mauer.

Sofort wurden im Paddock Stimmen laut, die die Vorfälle miteinander verglichen. Auch McLaren-Geschäftsführer Jonathan Neale waren die Parallelen nicht entgangen: "Wir haben gesehen, was Lewis passiert ist", sagt er dem 'Sunday Express'. "Wenn man nur ein kleines Stück zu weit draußen ist, braucht es nicht viel, damit sich das Heck querstellt und man auf der Innenseite landet." Schlussfolgerung: Die These des Teams stimmt. Ein kleiner Fauxpas des Piloten, große Wirkung in der schnellen und technisch anspruchsvollen Kurve 3. Verschwörungstheorien entkräftet.

Wirklich? Es gibt Überlegungen, die in eine andere Richtung deuten. Hamilton war der Mauer infolge seines Abflugs nicht einmal nahe, geschweige denn so schnell, dass er sich bei einem Kontakt ernsthaft hätte verletzten können. Der Silberpfeil verzögerte und kam mitten auf der Fahrbahn zum Stehen. Es war ein Fehler, über den unter normalen Umständen niemand ein Wort verloren hätte. Die Szene lässt sich als Präzedenzfall für einen Unfall an dieser Stelle beschreiben.

Eingeklemmter Rückennerv: Spekulationen halten sich

Das weiß auch Neale: "Es haben schon viele Piloten ihr Auto in die Mauer gesetzt, weil ihnen das passiert ist, was Lewis passiert ist. Sie kamen zu weit heraus und waren Passagier." Nur hatte kein Fahrer anschließend eine retrograde Amnesie und wurde mit dem Helikopter in ein Krankenhaus transportiert. McLarens dilettantisches Krisenmanagement mit teils widersprüchlichen Aussagen befeuerte die Sache. Neale wehrt sich: "Es waren viele chaotische und fantasiereiche Geschichten im Umlauf - wie ein Elektroschock, aber wir hatten keinen Zugang zu unserem Fahrer."

Die Spekulationen kamen nicht von ungefähr. Noch immer ist im Paddock davon die Rede, dass ein eingeklemmter Rückennerv für den Unfall verantwortlich gewesen sein könnte - neben diversen weiteren Storys, denen es an Grundlage mangelt. Für McLaren ist Bewusstlosigkeit Alonsos zum Zeitpunkt des Abflugs ausgeschlossen: "Wir haben gesehen, dass er im Cockpit normale Dinge getan, gebremst und geschaltet hat. Er fuhr das Auto. Für uns war alles in den Telemetriedaten erkennbar. So, wie er das überraschende Blockieren beschreibt, stellt es sich auch für uns dar."

McLaren-Geschäftsführer: Es bleibt ein Mysterium

Also wirklich ein Defekt, den Alonso als "plötzlich schwergängige Lenkung" beschreibt? Wenn Neale sagt, dass es sich so darstelle, meint er nur, dass es keine Beweise für andere Ursachen gibt. Das Problem: Weil Testfahrten in der Formel 1 nicht mit dem massiven Aufwand der Grands Prix für das Fernsehen aufbereitet werden, filmte nur eine Kamera den Alonso-Crash. Und das in durchwachsener Qualität. Ohne ein detailliertes Video gab es nur die Daten, in denen keine Auffälligkeiten zu erkennen waren. "Nichts Technisches hätte uns zu denken gegeben", so Neale.

McLaren ging gemeinsam mit der FIA auf Spurensuche und zerlegte sein Auto in alle Einzelteine, fand aber weder in der Telemetrie noch am realen MP4-30 Hinweise. Auch Alonso wurde von Kopf bis Fuß untersucht. "Armer Fernando. Er muss sich gefühlt haben wie ein Nadelkissen, so viele Tests wie er durchmachen musste", bemitleidet Neale den zweimaligen Weltmeister für seine Krankenhaus-Odyssee im Februar und März. Doch auch die Mediziner fanden nichts.

Der MP4-30 blieb - von andauernden technischen Defekten abgesehen, ebenfalls unauffällig. Ein zusätzlicher Sensor sorgt mittlerweile dafür, dass McLaren Defekte an der Lenksäule anhand der Daten erkennt. Oder zumindest hofft, dass es funktioniert. "Es gibt völlig abwegige Unfälle", grübelt Geschäftsführer Neale."Die Realität ist, dass niemand von uns Bescheid weiß. Es muss etwas passiert sein, aber wir haben alles Mögliche ausgeschlossen - es bleibt ein Mysterium."

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