Erste V6-Schlappe für Mercedes: "War richtig der Wurm drin"

, 26.07.2015

Erstmals in der neuen Turboära der Formel 1 stand am Sonntag in Ungarn kein Silberpfeil auf dem Podest: Zahlreiche Patzer und Missgeschicke bei Mercedes

So etwas hat es in der neuen V6-Ära der Formel 1 noch nicht gegeben: Beim Großen Preis von Ungarn 2015 am Hungaroring stand erstmals im neuen Turbozeitalter kein Silberpfeil-Pilot auf dem Podest. Lewis Hamilton wurde nach einem turbulenten Rennen in Budapest nur Sechster, doch auch Teamkollege Nico Rosberg konnte von der Pannenserie des Briten nicht profitieren und landete nach einem späten Reifenschaden nur auf dem achten Platz.

"Heute hat es mehr Schwierigkeiten in einem Rennen gegeben als in der gesamten Saison", rauft sich Motorsportchef Toto Wolff bei 'Sky' die Haare. "Für uns war es ein richtig schlechter Tag im Büro", meint der Österreicher nach dem schlechtesten Ergebnis der letzten eineinhalb Jahre. Und auch Lewis Hamilton, der sich am Funk für sein Rennen entschuldigte, hat dafür nicht viele Worte übrig: "Was für ein Tag, Jesus. Das war ein harter Nachmittag."

Es ist ein Novum in der aktuellen Formel-1-Zeit: Beim Saisonfinale in Brasilien 2013 stand letztmals kein Pilot des Werksteams auf dem Podest, doch die Ereignisse spielten heute nicht in die Hände von Mercedes. Schon in Kurve 1 war die Doppelführung dahin, als beide Ferrari von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen vorbeizogen. "Da war richtig der Wurm drin. Es ist das zweite Wochenende hintereinander, wo wir am Start nicht richtig wegkommen und zu viel Wheelspin haben", ärgert sich Wolff.

Teaminterne Uneinigkeit in Runde 1

Doch für Hamilton kam es noch schlimmer: Der Brite fuhr in der Schikane in den Kies und fand sich plötzlich nur noch auf Rang zehn wieder. Hinterher beschuldigte er, dass ihn Rosberg von der Straße gedrängt habe, doch nach dem Rennen war davon nicht mehr viel zu hören: "Ich erinnere mich nicht wirklich dran", sagt er, und auch Rosbergs Erinnerung weist Lücken auf: "Ich habe gar nichts gesehen. Das kann ich nicht beurteilen", sagt er bei 'Sky'.

Die Aufholjagd gestaltete sich für den aktuellen Weltmeister danach schwierig. An den Williams, Force Indias oder Red Bulls vorbeizukommen, schien nicht so einfach zu sein, wie man es für das dominierende Team des Sports meinen sollte. Doch nachdem sich Hamilton bei seinem ersten Stopp noch einmal neue weiche Reifen aufziehen ließ, lief es für den Mann mit der Startnummer 44 plötzlich wieder. Er kam trotz großem Rückstand sogar wieder an Teamkollege Rosberg heran, der auf der härteren Medium-Mischung die Pace der führenden Ferrari nicht gehen konnte.

Um Hamilton zu covern, der plötzlich nur noch wenige Sekunden hinter ihm lag, wollte er trotz der langsamen Pace noch einmal die härteren Pneus aufziehen, auch wenn das Team anderer Meinung war. Doch unter dem Virtuellen Safety-Car in der 43. von 70 Runden schnappten sich beide Silberpfeil-Piloten die Medium-Mischung und machten sich auf die Jagd nach Ferrari, denn plötzlich war das Rennen wieder in Mercedes' Hand.

Zwei Kollisionen, zweimal Ricciardo

Das Safety-Car hatte das Feld zusammengeführt, und der Zweitplatzierte Kimi Räikkönen hatte Probleme mit der Energierückgewinnung seines Boliden, sodass im Grunde nur noch Sebastian Vettel die Silbernen vom neunten Saisonsieg trennte. Doch erneut kippte das Rennen: Nach dem Re-Start rumpelte Hamilton in Kurve 1 in den Red Bull von Daniel Ricciardo und beschädigte sich seinen Boliden. Der Engländer musste zum Reparaturstopp an die Box und fasste für die Kollision noch eine Durchfahrtsstrafe auf.

Selbst Toto Wolff musste im Nachhinein sagen, dass die Strafe gegen seinen Piloten berechtigt gewesen sei. Zu diesem Zeitpunkt schien die WM-Führung des Weltmeisters dahin zu sein, doch die nächste Wendung folgte prompt: Nico Rosberg geriet unter Druck von Daniel Ricciardo, als der Australier ein überoptimistisches Manöver wagte und ausgangs Kurve 1 mit seinem Frontflügel Rosbergs linken Hinterreifen aufschlitzte, was den Deutschen aus allen Träumen riss.

"Es lief eigentlich sehr gut, und ich war ziemlich zufrieden mit dem Rennen - bis zur 64. Runde", seufzt Rosberg bei 'Sky'. "Danach war ich einfach nirgends, das ist wirklich schade. Manchmal kann der Sport so hart sein, wenn man all diese Punkte verliert. Aber so ist es nun einmal." Eine Schuldzuweisung erfolgte nur halbherzig: "Ich sehe es so, dass es meine Kurve war, weil ich die Ideallinie gefahren bin, während er zu spät gebremst hat und geradeausgeschossen ist - aber sein Frontflügel war noch da, und er hat nicht zurückgezogen. Aber die FIA hat keine Strafe ausgesprochen, von daher war wohl niemand schuld."

Enttäuschung in allen Ecken

Der Motorsportchef hätte sich hingegen eine andere Meinung gewünscht: "Die erste Durchfahrtsstrafe war berechtigt, ich hätte zwischen Ricciardo und Nico vielleicht dann ähnlich entschieden", möchte Wolff Gleichberechtigung, ist aber im Nachhinein nicht böse: "Für uns macht es dann keinen Unterschied. Das Rennen war zu dem Zeitpunkt schon verloren. Nico wäre bestenfalls Zweiter oder Dritter geworden, was für ihn besser in der Meisterschaft gewesen wäre, aber man muss es so hinnehmen."

Am Ende blieb für die Silberpfeile nur Schadensbegrenzung übrig. Während Rosberg noch auf Rang acht fuhr, konnte Hamilton als Sechster zumindest ein paar Punkte auf seinen Rivalen gutmachen. "Ich hatte definitiv einen sehr schlechten Tag im Büro, aber das Team hat einen guten Job gemacht, sodass ich wenigstens noch ein paar Punkte mitnehmen konnte", lobt Hamilton, und Rosberg hadert: "Ich bin enttäuscht über den heutigen Tag und würde am liebsten morgen nochmal fahren."

Und während Mercedes sonst von Sieg zu Sieg eilt, zeigt man, dass man auch eine Niederlage anerkennen kann: "Ferrari hat dieses Rennen verdient gewonnen", muss Wolff sagen. "Die Jungs haben es verdient, weil sie hart gearbeitet haben, und auch für Red Bull freut es mich, dass sie beide Autos auf dem Podium haben." Noch einmal möchte man das im Lager der Silbernen aber nicht zulassen: "Wir werden hochmotiviert nach Spa zurückkehren", verspricht der Österreicher.

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

Hamilton: Quali-Duell 2015 gegen Rosberg zum neunten Mal für sich entschieden

Mercedes: Lewis Hamilton demütigt Nico Rosberg

In der Formel-1-Saison 2015 sind zehn Qualifyings gefahren. Neunmal war es Lewis Hamilton, der sich im entscheidenden dritten Segment (Q3) durchsetzte, so auch am Samstag auf dem Hungaroring. Mit einer im …

Lewis Hamilton fuhr als einziger Fahrer unter 1:23 Minuten

Formel 1 2015 Budapest: Mercedes-Duo bleibt einsame Spitze

Chance gegen Mercedes? Pustekuchen! Das dritte Freie Training im Rahmen des Ungarn-Grand-Prix in Budapest hat am Samstagvormittag eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Silberpfeile in der Formel 1 …

Zündstoff: Nico Rosberg und Lewis Hamilton kämpfen um die WM

Mercedes kontrolliert Stallduell über Benimmregeln

Nach dem Grand Prix von Belgien 2014 gab es Stunk bei Mercedes. Nico Rosberg war beim Überholversuch mit Teamkollege Lewis Hamilton kollidiert und hatte dem Briten den Hinterreifen aufgeschlitzt. Die …

Stellt Lewis Hamilton Nico Rosberg auch in Ungarn wieder in den Schatten?

Mercedes-Duell in Ungarn: Vorteil Lewis Hamilton

Lewis Hamilton und Nico Rosberg nehmen sich aktuell nicht viel. Nachdem der amtierende Weltmeister die Saison zu Beginn des Jahres noch klar dominierte und drei der ersten vier Rennen gewann, drehte der …

Zurück ins Motodrom: 2016 soll die Formel 1 wieder in Hockenheim gastieren

Mercedes-Teamchef: Deutschland-Grand-Prix 2016 gesichert

Der Automobil-Weltverband (FIA) hat es schon bestätigt, nun verspricht auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff: In der Formel-1-Saison 2016 wird es wieder einen Großen Preis von Deutschland geben. "Es …

AUCH INTERESSANT
20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

AUTO-SPECIAL

20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

Härter, schneller und noch krasser: „Pikes Peak“ ist der „Heilige Gral“ unter den Bergrennen und geht in die Extreme. Volkswagen war dort so schnell wie niemand zuvor und schaffte es, einen …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die großen Trümpfe
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die …
Ford Kuga RS: Ein richtig starker Performance-SUV
Ford Kuga RS: Ein richtig starker Performance-SUV
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
McLaren 600LT Test: Liebe auf den ersten Kick
McLaren 600LT Test: Liebe auf den ersten Kick
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die großen Trümpfe
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die …
German Car of the Year 2019: Das beste Auto des Jahres
German Car of the Year 2019: Das beste Auto des …
Skoda Fabia Monte Carlo Test 2019: Der sportliche Einstieg
Skoda Fabia Monte Carlo Test 2019: Der …
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV die Wende?
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo