"Ferrari ist Favorit": Ist bei Mercedes Sand im Getriebe?

, 07.03.2017

Beim Start der zweiten Woche der Formel-1-Wintertests zeigt sich Lewis Hamilton mit Mercedes unzufrieden und sieht Ferrari als Favorit: Problem oder Momentaufnahme?

Ist bei den Silberpfeilen plötzlich Sand im Getriebe? Bislang lief alles wie am Schnürchen, doch ausgerechnet unter den Augen des neuen Technikchefs James Allison, der heute erstmals für Mercedes an der Strecke war, kam man etwas außer Tritt. Lewis Hamilton musste seinen F1 W08 bereits nach nur 49 Umläufen an Valtteri Bottas übergeben, der am Nachmittag immerhin auf 72 Runden kam.

Auch die Zeiten waren nicht berühmt: Der Brite wurde mit einem Rückstand von 0,730 Sekunden auf Bestzeit-Halter Felipe Massa Vierter, der Finne reihte sich direkt hinter ihm ein - 1,198 Sekunden zurück. Beide waren wie der direkt vor ihnen liegende Sebastian Vettel mit der Soft-Mischung unterwegs, Massa und der Zweitplatzierte Daniel Ricciardo hatten Super- beziehungsweise Ultrasoft aufgezogen .

Weit alarmierender als die Zeiten, die sich vor allem mit den Tests vieler neuer Teile und Longruns begründen lassen, sind die Aussagen von Superstar Hamilton, der sich in der Mittagspause alles andere als glücklich zeigte. "Heute lief es nicht gut", bemühte sich Hamilton gar nicht, für die Kameras gute Miene zu machen.

Hamilton sieht Ferrari als klaren Favoriten

Ursache dafür seien das Setup und die Tatsache gewesen, dass er nur wenig zum Fahren gekommen war. "Es ist heute auch sehr warm, deshalb bauen die Reifen ab", klagte der 32-Jährige. Auch eine Beschädigung am neuen Unterboden, wegen der Hamilton um eine Stunde früher als geplant aufhören musste, sorgte nicht gerade für gute Laune. "Vielleicht war unser Auto nicht ganz im Fenster, aber da wir auch auf den Unterboden achten mussten, gab es gute und nicht so gute Kurven."

Er sei nicht nur "nicht sehr enthusiastisch", sondern sehe sein Team auch nicht in der Favoritenrolle. "Ferrari muss der Favorit sein", steht für den dreimaligen Weltmeister offenbar außer Zweifel. "Wir dürfen sie nicht aus den Augen lassen, denn sie arbeiten derzeit so großartig. Was die Zeiten angeht, könnten sie derzeit die Schnellsten sein. Wir und Red Bull liegen ganz knapp dahinter. Sie sehen auch recht gut aus." Ene Mercedes-Soloshow in Melbourne müsse man jedenfalls nicht befürchten, meint Hamilton: "Es wird beim ersten Rennen auf jeden Fall knapp."

Auch Bestzeit-Halter Massa sieht er nicht als One-Hit-Wonder. Er würde es laut eigenen Angaben "toll finden", wenn Williams um die Spitze mitfahren könnte. "Sie hatten einen ziemlichen Durchhänger, ehe sie seit ein paar Jahren wieder gut sind, und ich hoffe wirklich, dass sie wieder vorne sind."

Auch Bottas sieht viel Verbesserungspotenzial

Nicht nur Hamilton ist übrigens der Ansicht, dass Mercedes derzeit nicht die Nummer 1 ist, sondern auch sein Teamkollege Valtteri Bottas. Während sein Team "sicher noch nicht dort ist, wo wir sein wollen", sehe Ferrari "konstant und schnell aus". Man dürfe die Scuderia daher "auf keine Fall unterschätze", was "sogar für Red Bull" gelte. Bei den Silberpfeilen stehe daher "noch viel Arbeit bevor, aber es ist noch genügend Zeit bis Melbourne".

Auch seine bisherige Test-Bestzeit der Vorwoche von 1:19.705 Minuten, an der Massa heute um zwei Hundertstelsekunden scheiterte, sei aktuell nicht das Optimum. "Das können wir schlagen, wenn wir wollen. Das ist definitiv möglich, aber derzeit achten wir noch nicht auf die Rundenzeiten."

Dass es bei Mercedes heute nicht rund lief, kann auch auf die zahlreichen neuen Teile zurückzuführen, mit denen der F1 W08 auffiel. Man setzte neben einem neuen Unterboden vor allem zahlreiche Neuerungen im Bereich der ohnehin schon komplexen Bargebords und im Bereich der Lufteinlässe der Seitenkästen ein. Die obere Kante des Lufteinlasses ist nun leicht gewölbt, hinzu kommen Zackenprofile an der Vorderseite des Unterbodens, die die Luft optimal unter das Auto leiten sollen.

Mercedes durch Update-Feuerwerk verwirrt?

Doch damit nicht genug: Die Aerodynamik-Abteilung aus Brackley hat sich erneut der Heckfinne angenommen: Hamilton absolvierte am Vormittag Aerodynamiktests mit einer neuen Finne, die allerdings nicht wie in der Vorwoche über einen Luftauslass an der Kante verfügt. Dazu kam ein doppelter T-Flügel. Am Nachmittag war Bottas, der sich neben Longruns auch auf Reifentests konzentrierte, wieder mit der konventionellen Heckverkleidung unterwegs.

Die Update-Offensive bedeutet, dass die Ingenieure die vielen Teile erst verstehen lernen muss. "Es kommen immer noch neue Teile hinzu, und wir verbessern uns stetig", erklärt Hamilton. Was die Laufleistung angeht, sei man voll im Plan, beim Tempo aber noch auf der Suche. In Melbourne sollte dann aber das Puzzle zusammengefügt sein: "Dann kommt alles zusammen: Die Upgrade-Teile, das Verständnis für das Setup und wie wir das Auto anfassen müssen, um schnell zu sein."

Noch hat Mercedes drei Tage Zeit, um aus dem F1 W08 eine Einheit zu formen. Bottas erklärt, dass noch "viele Änderungen bevorstehen. Wir werden noch viele Setup-Komponenten testen und vielleicht noch eine Rennsimulation und Shortruns durchführen." Dann werden auch die Rundenzeiten endlich aufschlussreicher sein.

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