Formel 1 in Österreich: Zuschauerschwund in Spielberg

, 04.07.2016

Sorge um den Großen Preis von Österreich: Nur noch 85.000 Fans pilgerten zum Wochenende an den Red-Bull-Ring - Wann zieht Dietrich Mateschitz den Stecker?

Halbleere Tribünen, stetig nachlassendes Interesse: Der Große Preis von Österreich 2016 auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg hatte einen dramatischen Zuschauerschwund zu beklagen. Das gesamte Rennwochenende verfolgten nur noch rund 85.000 Zuschauer an der Strecke. Besonders dramatisch: Für das Rennen wurden nur rund 40.000 Tickets verkauft. Zum Vergleich: Beim Comeback 2014 war die Strecke in der Steiermark mit 95.000 Besuchern am Renntag restlos ausverkauft.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Interesse aber deutlich nachgelassen: 2015 waren noch 55.000 Fans zum Rennen gepilgert. Das neunte Grand-Prix-Wochenende der Formel-1-Saison 2016 lockte aber kaum noch die Massen an. Während 2014 an vier Tagen 225.000 Zuschauer den Red-Bull-Ring besuchten, waren es in diesem Jahr 140.000 Fans weniger: 5.000 Zuschauer am Donnerstag, 15.000 bei den Freien Trainings am Freitag, 25.000 am Samstag und die ernüchternden 40.000 beim Rennen sind alarmierende Zahlen für die Macher des Österreich-Grands-Prix.

Schon im Vorjahr hatte man erkannt, dass nach dem gelungenen Comeback in Spielberg 2014 der Neugierde-Effekt nicht mehr da sein würde - und hatte auch diesmal wieder versucht, mit einem attraktiven Rahmenprogramm dagegen zu steuern. Fahrer-Autogrammstunden, Freitags-Pitwalk, Legenden-Rennen und Open-Air-Konzerte, unter anderem von Nena, Rea Garvey und Amy Macdonald, konnten aber auch nicht dazu beitragen, dass die Formel 1 in Österreich derzeit die Massen mobilisiert.

Zur MotoGP werden fast dreimal so viele Zuschauer erwartet!

Zum Vergleich: Zum MotoGP-Wochenende, das vom 12. bis 14. August auf dem Red-Bull-Ring steigen wird, erwarten die Veranstalter bis zu 250.000 Fans. Die Krux scheint also im "Produkt" Formel 1 zu liegen, wie auch Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, der "Vater" des neuen Österreich-Grands-Prix, bestätigt: "Dass die Formel 1 derzeit nicht gerade boomt, ist bekannt. Aber wir bräuchten mehr solche Rennen wie heute, dann würde sich das schnell ändern", so der Konzerngründer bei 'Speedweek.de' nach dem Rennen.

Als einen der Gründe für das nachlassende Interesse hat Mateschitz die fortwährende Mercedes-Dominanz auf der Rennstrecke ausgemacht. "Wenn es Ferrari und uns gelingt, Mercedes noch mehr unter Druck zu setzen, dann wird das Interesse sehr rasch wieder steigen", so seine Hoffnung. Der Österreicher verweist auf die vielen Zusatzangebote für die Besucher in Spielberg und ist der Meinung, nichts unversucht gelassen zu haben: "Was wir an Extras für die Fans versuchten, wurde allgemein anerkannt und sehr gut aufgenommen. Auch Bernie (Ecclestone; Anm. d. Red.) war sehr zufrieden."

Doch gibt es weitere Gründe für den dramatischen Zuschauerrückgang in Spielberg? Red-Bull-Motorsport-Berater Helmut Marko etwa verweist neben der Mercedes-Dominanz auf den "teuren" Euro und das aktuelle Formel-1-Reglement, das seit Jahren in der Kritik steht. Und im exklusiven Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' bringt Force-India-Co-Teamchef Robert Fernley die Fußball-Europameisterschaft ins Spiel, die derzeit die sportlichen Schlagzeilen auf dem Kontinent dominiert.

Zu wenig Formel-1-Fans: Sorge um klassische Strecken in Europa

Fernley vergleicht außerdem die Events von Spielberg und Baku - in der aserbaidschanischen Hauptstadt fand vor gut zwei Wochen zum ersten Mal in der Geschichte ein Formel-1-Rennen statt. Zwar waren auch hier viele Tribünenplätze leer geblieben, doch das sollte sich im kommenden Jahr ändern: "Wegen Baku mache ich mir weniger Sorgen, da werden viele die TV-Übertragung gesehen haben und nächstes Jahr kommen", so der Force-India-Verantwortliche.

Ernsthafte Gedanken müsse man sich seiner Meinung nach aber um die etablierten europäischen Kurse machen: "Vielleicht hat sich etwas daran geändert, was die Menschen wollen. Hockenheim oder Spielberg, das sind reinrassige Rennstrecke. Wer die Reise macht, der kommt für den Motorsport und für nichts anderes. In Baku zum Beispiel ist es eher ein Mix mit Sightseeing. Das sollte sich CVC ansehen", so Fernley. Sein Argument: Die Anzahl der klassischen Formel-1-Fans nimmt ab, die Mehrheitseigner der Formel 1 müssten daher Angebote schaffen, die über den Rennsport hinausgehen.

Nur so ließen sich auch andere Einnahmequellen als die Tickets generieren, ist Fernley der Ansicht: "Wenn diese Erlöse steigen, dann lastet vielleicht nicht mehr so viel Druck auf den Promotern", meint der Brite. Doch genau solchen Mehrwert versuchen die Red-Bull-Macher um Mateschitz in Österreich zu schaffen - und wurden damit zum zweiten Mal in Folge nicht belohnt. Steht jetzt sogar zu befürchten, dass der österreichische Geschäftsmann das Projekt Spielberg in der Formel 1 bald wieder beendet, weil es sich nicht lohnt?

Landsmann Gerhard Berger teilt diese Befürchtung nicht. "Er wird sich zunächst anschauen, woran es liegt", so der Ex-Pilot. "Wichtig ist, dass er sich sicher sein kann, dass es nicht an der Art und Weise krankt, wie er den Österreich-Grand-Prix veranstaltet. Das Wochenende hier ist außergewöhnlich, es ist einer der besten Grands Prix des ganzen Jahres", glaubt Berger trotz ausbleibender Zuschauer nicht an ein baldiges Ende des Formel-1-Rennens in Österreich.

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